Alken: Nur 21 Stufen bis zu den Skeletten

Auf den ersten Blick wirkt Alken idyllisch. Und das ist das Dörfchen an der Mosel natürlich auch. Doch mittendrin versteckt sich ein Gebeinhaus, in dem sich Knochen und Totenschädel stapeln. Ein bisschen unheimlich, einzigartig und unbedingt einen Besuch wert.

 

Burg Thurant,, Alken

Ein Löwe aus Stein am Eingang zur Burg Thurant

Etwa 26 Kilometer von Koblenz entfernt, wo die Straßen zu Sträßchen und Gässchen werden, erhebt sich eine Burg. Zwei Löwen flankieren den Weg über die Brücke, unter einem Fallgitter hindurch geht’s hinein in den verwunschenen Hof.

Es gibt zwei Türme, Holzstiegen und efeuberankte Mauern. An allen Ecken Blumenbeete und Statuen, Fachwerk und Erker. An solchen Orten wachsen üblicherweise Dornenhecken 100 Jahre lang bis übers Dach hinaus, Bettler werden mit Hilfe von Feen steinreich.

Die zauberhafte Burg Thurant sieht so aus, als würde jeden Moment ein kicherndes Burgfräulein mit rosa Schleier auf der Bildfläche erscheinen.

 

Burg Thurant, Alken

Die Burg Thurant über Alken.

Dabei ist es dem Gemäuer über viele Jahre hinweg schlecht ergangen. Denn um 1200 von Welfen-Pfalzgraf Heinrich erbaut, war die Burg über die Jahrhunderte hinweg immer wieder verwickelt  in gewalttätige Konflikte.

Nach der Eroberung durch die Erzbischöfe von Trier und Köln wurde die Anlage sogar mit einer dicken Mauer in zwei Hälften geteilt.

Von nun an wurde alles zweifach gebaut: Zwei Bergfriede, getrennte Wohnräume, je eigene Zugänge zum Kölner und dem Trierer Teil. Seitdem wacht die Thurant als einzige Doppelburg über der Mosel. 

Sehenswürdigkeiten in Alken

Und ihr zu Füßen liegt Alken, eines der ältesten Dörfer an der Untermosel.  In den verwinkelten Gassen der 700 Seelen-Gemeinde versteckt sich so mancher historischer Schatz. 

Ein Glanzlicht ist die alte St. Michaelskirche, die schon seit über 1000 Jahren auf einer Anhöhe steht.

 

Alken, St.Michael

Treppenaufgang zu St. Michael

Ein lauschiger Treppenaufgang führt zu der einstigen Pfarrkirche von Alken hinauf. Ein atmosphärischer Ort der Einkehr und Stille.

Doch durch ein Eisengitter ist deutlich zu erkennen, was sich unter der Kirche verbirgt: Dort stapeln sich die Schädel und Knochen von Toten, deren Namen schon lange niemand mehr kennt.  Der Anblick leerer Augenhöhlen lässt so manch sensible Seele frösteln.

 

Alken, Gebeinhaus

Skelette im Alkener Gebeinhaus

Solche sogenannten Gebeinhäuser waren zwar um 1300 in katholischen Gegenden europaweit ganz normal. Heute gibt es hierzulande allerdings nur noch wenige der mit Skeletten gefüllte Bauten zu sehen. 

In Oppenheim zum Beispiel, dem größten seiner Art. Oder in den bayerischen Orten Greding und Cham. Und eben in Alken.

Warum ein solcher Ort überhaupt jemals entstand?  Weil der angrenzende kleine Friedhof überquoll, diente das Gebeinhaus als Ausweichquartier.

 

Alken, alter Friedhof, Basaltkreuze

Der alte Friedhof in Alken

Um zeitiger Platz für neue Ruhestätten schaffen, wurden die Überreste der Verstorbenen wieder ausgegraben und umgebettet in den geweihten Raum unter der Kirche.

Fachwerk und dicke Türme

Bemerkenswert ist allerdings auch das Innere der alten Kirche mit ihren Statuen und Wandmalereien.

Und auf dem kleinen Friedhof sind immer noch Basaltsteinkreuze mit Jahreszahlen des 16. Jahrhunderts zu sehen.

 

Alken, Wiltburg

Die Wiltburg unterhalb der alten Kirche

Auf steinerne Zeugnisse der ellenlangen Stadtgeschichte trifft man in Alken überall. Viele der stattlichen Fachwerkhäuser überdauern immerhin schon viele Jahrhunderte an Ort und Stelle.

Wie die Inschrift auf einer Tafel an einer Hauswand verrät, sind die Alkener zuversichtlich, dass es auch noch lange dabei bleibt.  

 

Alken, Tafel an Hauswand

Tafel an einem Haus in Alken

Erhalten blieb auch die Wiltburg, ab 1350 gebaut. Und dann ist da noch ein dicker Zoll-Turm am Ufer der Mosel. Früher mussten die Schiffsleute dort bezahlen, heute gehört er zum angrenzenden Hotel-Restaurant.

Über 300 Jahre alten Kellergewölbe gefüllt mit Fässern voller Wein, Reste einer Keltenburg, ein mittelalterliches Stadttor. Alles da! Eine echte Schatzkiste, dieses Alken.

 

Info: Die Kirche kann ab Ostern bis zum 31. Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden.

 

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