Hier bunkerten Banker 15 Milliarden

Zwei Tarnhäuser. Ein unterirdischer Geldspeicher. Eine Währung, die niemand kennt. Klingt nach Agenten-Thriller? Von wegen. Geheime Pläne waren in Cochem Realität. Im Bunker der Bundesbank erfahren Besucher jetzt die ganze Geschichte.

 

Der Zugangsstollen im Bunker Cochem. Hier hätten die Anwohner im Notfall Platz gefunden.

 

Hinter einer Panzertür eröffnet sich ein gut 100 Meter langer Gang. Dicke Rohrleitungen verlaufen unter der Decke entlang. Kein Fenster, Neonlicht. Eine beklemmende Atmosphäre. 

Der Schacht führt immer tiefer in den Hang hinein. Zu einem der geheimsten Orte der Nachkriegszeit: Hier lagerte eine Notwährung, sicher versteckt für den Tag X.

15 Milliarden Mark, 30 Meter unter der Erde.

Ein Bunker mit 15 Milliarden Mark

Wir befinden uns im ehemaligen Bunker der Deutschen Bundesbank. Mitten im Wohngebiet in Cochem-Cond.

Ein geheimer Atombunker, der zugleich Tresor für 15 Milliarden D-Mark war! Jahrzehntelang ahnten die Menschen nichts von dem Staatsgeheimnis unter ihrer Stadt. 

Jetzt steigen Besucher in den Bundesbank-Bunker.

 

Team vom Bundesbank Bunker Cochem

Manfred und Petra Reuter, Christine Enk, Dr. Claus Röhling (von rechts nach links). Fotos: Jörg Haubrich

Die Busunternehmer Manfred und Petra Reuter aus Treis-Karden haben das Anwesen in der Brauselaystraße 5 gekauft und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nun leiten Betriebsleiter Dr. Claus Röhling und Kollegen Besucher durch den historischen Untergrund, um den Schleier um die Geheimnisse des Bunkers zu lüften.

Erbaut wurde die unterirdische Festung in den frühen 1960er Jahren, an den heißen Tage des Kalten Krieges.

Die Angst vor der endgültigen Eskalation zwischen Ost und West war damals so groß, sodass man in ein kostspieliges Bunkerprogramm investierte. Die Bundes- und Landesregierungen schufen sich für den Ernstfall eine Notunterkunft.

Tarnhäuser im Wohngebiet

Auch die Bundesbank suchte damals einen Ort für einen Schutzbau. Allerdings weniger für ihr Personal, sondern als sicheren Geldspeicher für alle Fälle.

Hoch über der Mosel fand man den geeigneten Ort für ein bombensicheres, streng geheimes Versteck.

In der ehemaligen Praxis eines Arztes hatte man schon ein Schulungs- und Erholungsheim für die Bundesbanker eingerichtet. Ein schickes Doppel-Wohnhaus mit Swimmingpool und Garten.

Auch damals stand Cochem hoch im Kurs bei Touristen, so war die Tarnung perfekt.

 

Über diese Treppen gelangte man vom Bunker in den Garten.

Der Kühlturm war gleichzeitig Notausstieg im Garten.

Man kaufte noch Grundstücke hinter den Häusern hinzu und grub 300 Meter Gänge tief in den Hang.

Lastwagen mit schweren Gerätschaften fuhren vor, es wurde gesprengt, gebohrt, betoniert. Von morgens 6 bis abends 22 Uhr. Zwei Jahre lang polterten die Bagger. 

Der Höllen-Lärm trieb genervte Anwohner auf die Barrikaden.

„Die Banker wurden natürlich nervös”, erzählt Claus Röhling. „Sie mussten sich etwas einfallen lassen.”

Man baue einen Zivilschutz-Bunker für die Teilnehmer der Schulungen, hieß es schließlich. Das war nicht ungewöhnlich, sie entstanden damals vielerorts in der noch jungen Republik.

„Den Anwohnern wurde versprochen, dass sie im Notfall unterkommen könnten.” Damit gab sich die Nachbarschaft auch zufrieden.

Geld für alle Fälle

Doch was die Firma Hochtief in ihrer Nachbarschaft baute, war überhaupt nicht normal. Hier entstand klammheimlich ein Versteck für Milliarden.

Nicht nur die Angst vor einem Atomschlag war damals allgegenwärtig. Jede Partei malte sich ihre eigenen Schreckensvisionen aus. 

Die Befürchtung, dass Unmengen an eingeschmuggeltem Falschgeld die deutsche Währung entwerten könnten, trieb die Frankfurter Banker um.

 

Im Bunker lagerten D-Mark der Serie BBk II

Scheine der Ersatzwährung.

„Anders als in anderen Bunkern ging es in Cochem um die Aufrechterhaltung des Geldflusses und damit um die Stabilität der deutschen Wirtschaft”, erklärt Claus Röhling.

Der Plan: Im Falle einer drohenden Hyperinflation sollte eine geheim gehaltene Notwährung die D-Mark ganz schnell ersetzen. 

Und so bunkerten die Banker in Cochem-Cond Geldscheine, die kein Mensch bislang kannte und deshalb auch ganz sicher nicht fälschen konnte.

 

In diesen Kisten lagerten 15 Milliarden Mark.

 

Bis unter die Decke stapelte sich das Geld! Lauter Kartons und Geldsäcke voller Scheine. Zehner, Zwanziger, Fünfziger und Hunderter der sogenannten Ersatz-Serie „BBk II”.

Die Tresortür im Bunker.

Hinter einer tonnenschweren Stahltür, schwer wie ein Kleinlaster, verbargen sich die prallgefüllten Gitterboxen.

Streng geheim!

Nur wenige Menschen bekamen sie jemals zu Gesicht und wussten, was der wirkliche Zweck der Cochemer Anlage war.

Einer der geheimen Zugänge zum Bunker lag zwar gut getarnt im Keller des Schulungsheims.

Doch selbst für den Schulungsheimleiter, der täglich durch die einsamen Gänge patrouillierte, war der Tresorraum tabu. Ob er wohl wusste, was sich hinter den Türen verbarg? 

Zutritt hatten jedenfalls nur die Mitarbeiter der Frankfurter Zentrale, von denen jeweils drei in unregelmäßigen Abständen zur Kontrolle kamen. 

 

Führung durch den Bunker in Cochem

Claus Röhling zeigt den Kontrollschein der Banker.

Nur sie hatten je einen Schlüssel für die drei Schlösser und die entsprechende Zahlenschloss-Kombination.

Es wird gedauert haben bis sie wieder Tageslicht sahen. „Jeder der Männer prüfte den Bestand auf Vollständigkeit und notierte das Ergebnis”, Claus Röhling zeigt das Dokument.

Aushalten im Bunker

Doch im Bunker war nicht nur Platz für Geld. Wäre es zu einer verheerenden Naturkatastrophe, einem Krieg oder nuklearen Showdown gekommen, hätten im Bunker bis zu 175 Menschen überleben können. 

Jedenfalls für 14 Tage – ohne in Kontakt mit der Außenwelt treten zu müssen. Claus Röhling, Ingenieur und selber Bunker-Besitzer, erklärt die Technik.

 

Technik im Bunker Cochem.

 

Für alles war gesorgt: Ein Wassertank mit 40 000 Litern Wasser hätte den Schutzsuchenden zur Verfügung gestanden.

Strom erzeugten eigene Dieselmotoren.

Dekontaminationszellen im Bundesbunker in Cochem.

Im schlimmsten aller Fälle sollten Dekontaminationszellen in der Eingangsschleuse und Belüftungsanlagen mit Sandfilter vor radioaktivem Fallout schützen.

Eine Treppe führt ins Obergeschoss des Bunkers. Hier lagen die Büros und Unterkunftsräume für das Frankfurter Personal.

Noch heute ist die Küche voll ausgestattet. Davor ein kleiner Speisesaal. 

In engen Schlafkabinen hätten je vier Kollegen in Etagenbetten Platz gefunden.

Arbeiten während die Welt brennt

In einem Raum stehen Tische, Büroschränke und Akten. Hier hätten die Banker im worst case gesessen.

Von hier aus wären Millionen von D-Mark kreuz und quer durch Deutschland versendet worden. 

 

Ein Arbeitsraum im Bunker Cochem.

 

Die Männer und Frauen hätten auch dann weiterarbeiten können während die Welt draußen brannte. 

Telefon-Anlagen und Fernschreiber verbanden das unterirdische Versteck mit der Außenwelt. Claus Röhling zeigt, dass die Geräte tatsächlich heute noch einwandfrei funktionieren.

 

Fernschreiber im Bunker Cochem.

 

Doch keines der ausgemalten Szenarien erschütterte die Republik. Zum Glück. Die Ersatz-Währung verstaubte.

1988 rückten die Bundesbanker an, jagten die BBk II-Serie durch den Schredder und gaben den Bunker auf. 

Warum bereits vor dem Ende des Kalten Krieges? Auch darüber wird bis heute noch spekuliert, denn die Bundesbank schweigt. Und die Geheimakten können erst nach 30 Jahren eingesehen werden.

Telefon im Bundesbanker Bunker.

„Die Ersatzserie war an die erste DM-Serie BBk I angepasst”, sagt Claus Röhling. Der Fachmann hat gründlich recherchiert und Infomationen wie Puzzle-Teile zusammengefügt.

„Die neue in Aussicht genommene DM-Serie BBk III hatte zusätzliche Sicherheitsmerkmale, die die Ersatzserie nicht besaß. Sie war deshalb unbrauchbar.”

Einige Jahre lang nutzte die Cochemer Volksbank noch einen Teil der Räume für hochwassersichere Kundenschließfächer. Dann standen Bunker und Häuser leer.

Bis 2014 Petra und Manfred Reuter kamen.

Bunker wird zum Museum

Die beiden Tarnhäuser wurden zu einem ganz besonderen Hotel umgebaut. Doch vorher hatten die neuen Besitzer ein ganzes Jahr lang unter Tage geackert.

Denn Feuchtigkeit hatte der riesigen Anlage über die Jahre zugesetzt. Der Bunker wurde trockengelegt, gestrichen und restauriert. Dabei herausgekommen ist ein Museum der ganz besonderen Art. 

 

Das Telefonbuch der Bundesbank.

 

Auf jede Kleinigkeit kam es den Reuters und Claus Röhling an, sogar das Telefonbuch der Banker sieht so aus als wäre es gerade erst dort abgelegt worden. 

Wie viel Arbeit und Sachkenntnis in dem Bunker-Projekt steckt, kann man jetzt bei einer Führung unmittelbar erleben: Eine schaurig-spannende Zeitreise durch die deutsche Nachkriegsgeschichte. 

 

Info: Wo, wann, wie teuer

 

bunker-schild

Führungen ab 01.Mai bis 01.November: Führungen täglich stündlich ab 11 – 15 Uhr
November-April:
Führungen samstags, sonntags und feiertags 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr.

Preise: Erwachsene 10 €, Kinder 12 – 17 Jahre 5 €, Familienkarte (2 Erw. plus bis 5 Kinder) 23 €. Fotografieren 2,50 € pro Person.

Kontakt:
Bundesbank-Bunker

Am Wald 35
56812 Cochem-Cond
info(at)bundesbank-bunker.de
Tel. 02671/91 53 540

www.bundesbank-bunker-cochem.de

 

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