Burg Eltz: Die Schöne vom 500-Mark-Schein

Die romantische, einmalig gut erhaltene Burg Eltz! Nie erobert, nie zerstört. Wie ein Märchen aus Schieferstein thront sie auf einem Felsen. Ein Sammelsurium aus Türmen, Erkern und Gauben, das sogar noch einem echten Grafen gehört. 

 

Die Burg Eltz

 

Das enge Tal, der dichte Wald, die Türmchen – an diesem Ort fühlt man sich in längst vergangene Zeiten versetzt. Hunderte von Menschen schlendern über eine steinerne Brücke in den Innenhof der berühmten Burg und staunen.

Wer in die Illusion des lebendigen Mittelalters eintauchen will, der wird sogar gebracht. Vom Waldparkplatz aus verkehrt ein kleiner Pendelbus, der die Besucher den steilen Weg hinunter bis vor die Haustür kutschiert. 

Ausgezeichneter Wanderweg zur Eltz

Doch viel schöner ist es natürlich, die Burg am Elzbach (ohne „t” im Namen) entlang zu erwandern. Der prämierte „Traumpfad Eltzer Burgpanorama” startet in Wierschem am Dorfgemeinschaftshaus.

Nach gut 40 Minuten Fußmarsch steht es dann plötzlich da, dieses fabelhafte Gemäuer. Ein mittelalterlicher Wolkenkratzer voller Türmchen, Erker, Giebel, Fachwerkfassaden und Spitzen.

 

Blick auf die Türme der Burg Eltz.

 

Schon seit Jahrhunderten sind die Menschen vom Anblick der märchenhaften Silhouette hin und weg. „Hoch, mächtig, verblüffend, finster. So etwas habe ich noch nicht gesehen”, schwärmt Victor Hugo (1802 – 1885) in seinem Tagebuch.

Damals lief der berühmte Dichter zu Fuß von der Mosel zur Burg Eltz. Allerdings war die Herrschaft seinerzeit noch nicht eingestellt auf Touristen. Der Franzose notierte: „Wir klopften. Der Hund bellt. Keiner da.”  

Die Burg vom Geldschein

Heute hingegen steuern volle Reisebusse das historische Gemäuer an. Um die prächtige Ritterburg vom alten 500-Mark-Schein zu sehen, stapfen Menschen aus aller Welt durch den Wald.

Die Banknote hat sich zwar längst in Luft aufgelöst, das Original ist jedoch bestens in Schuss. Denn es ist seit 33 Generationen im Besitz derselben Familie, die sich seit eh und je um die Erhaltung der wunderschönen Anlage kümmert.

 

Auf der Burg Eltz

 

Warum die Burg so dramatisch „verbaut” ist? Die Eltz ist eine sogenannte Ganerbenburg, eine Art mittelalterliche WG für Verwandte. Gut 100 Eltzer nebst Bediensteten lebten hier zuvor auf rund 120 Zimmer verteilt.

Über 850 Jahre muss man bis zu ihren Ursprüngen zurück. Damals war Friedrich Barbarossa der Kaiser. Er schenkte einem gewissen Ritter Rudolf von Eltz eine Wohnburg am Handelsweg zwischen Maifeld und Mosel. Und die Karriere der Adelsfamilie begann.

Im Jahr 1268 wurde die Burg Eltz samt Besitztümern zum ersten Mal unter drei Nachkommen geteilt, um Erbstreitigkeiten zu vermeiden. Jeder der drei Brüder baute daraufhin seinen Teil des Gemäuers nach eigenen Plänen aus. Sozusagen eine eigene Burg in der Burg.  

 

Der Innenhof der Burg Eltz.

Hier lebten damals gut 100 Eltzer mit ebenso viel Personal.

Die Herren und Damen der Linien von Eltz-Kempenich, Eltz-Rodendorf und Eltz-Rübenach ließen sich Türmchen, Gauben und Erker mauern, fast jede Generation setzte noch Stockwerke drauf. Gut 500 Jahre ging es immer so weiter.

So kam das Bauwerk zu seiner einzigartigen, mannigfaltig verschachtelten Architektur: Acht bis zu 35 Meter hohe Wohntürme drängeln sich um den engen Burginnenhof. Geschmückt mit Fachwerk, Basaltsäulen, Rundbögen und Wappen. 

Dieses Zusammenspiel der Baustile, von Romanik bis zum Barock, macht die Eltz zu einer der schönsten deutschen Burgen. 

Heute ist  Dr. Karl Graf von und zu Eltz-Kempenich, genannt Faust von Stromberg, allein verantwortlich für die Burg. Der Burgherr lebt in Frankfurt am Main und öffnet die Anlage zwischen April und November für Touristen. 

 

Türmchen mit drängeln sich um den Innenhof der Burg Eltz.

 

Eine Viertelmillion Menschen wollen „the german castle” jedes Jahr sehen. Aus ganz Deutschland reisen sie an, natürlich. Aber auch Niederländer, Briten, Chinesen und Amerikaner.

Wer die Burg in Ruhe besichtigen will, kommt deshalb besser im Winter. Zwischen November und April schließt der Graf seine Burg. Die Stimmung ist dann nochmal anders und der Anblick fast ohne Touristen einmalig. Allerdings bleibt einem dann das kostbare Innenleben verborgen. 

Drinnen gibt es zunächst das zu erleben, was man in einer Ritterburg so erwartet. Geschichte, Geschichten und natürlich Rüstungen. Aber auch Gold- und Silberarbeiten von Weltrang. Wertvolle Gemälde bekannter Künstler. Schöne Glasfenster, Uhren und Möbel. 

Ein Glanzlicht ist der Rittersaal mit seinen schweren Decken, dem originalen Wappenfries und Narrenköpfen. Und die Schatzkammer im Keller birgt Skurriles wie den legendären „Dukatenscheißer”. 

 

Die Fassade der Burg Eltz.

 

Bei einer Führung wird auch so manche romantische Vorstellung relativiert. Denn man erfährt: Als Toiletten dienten damals aus der Burgmauer ragende Aborterker. 

In der Rodendorfer Küche können die Besucher anschaulich das mittelalterliche Leben auf einer Burg mit dem Heutigen vergleichen. Die Einrichtung stammt immerhin noch aus dem 15. Jahrhundert. 

Hier steht auch das vermutlich älteste noch erhaltene bemalte Renaissancebett der Republik. Sogar die dunklen Holzböden sind noch Original. 

Nie zerstört Dank Vitamin B

Anders als die meisten anderen Gemäuer in der Region, blieb die Eltz von den Verwüstungen des Sonnenkönigs während der Erbfolgekriege verschont. Denn die riesige Sippe hatte damals einen Verwandten auf der anderen Seite: Anton zu Eltz-Üttingen diente zum entscheidenden Zeitpunkt als bedeutender Offizier im französischen Heer.

So gelang es, die Burg aus der Liste der zu zerstörenden Bauwerke zu streichen. Ohne die guten Beziehungen des Familienclans hätte die Burg es vermutlich kaum bis heute geschafft.

 

Blick von der Burg Eltz auf den Waldpfad und die Burg Trutzeltz.

Über dem Waldpfad liegt die Ruine der Trutzeltz. Sie wurde als Belagerungsburg errichtet, um die Eltzer zu beschießen und auszuhungern.

Die Anlage überstand zwar Kriege ebenso wie die Angriffe mit Kanonen und Katapulten durch den Kurfürsten Balduin von Trier. Allerdings nagt der Zahn der Zeit am Fachwerk und dem Jahrhunderte alten Gemäuer.

Deshalb wurde die Burg Eltz ab 2009 für über 4 Millionen Euro rundum saniert. An vielen Stellen wurde die Statik verbessert. Dächer wurde neu gedeckt, der Dachstuhl erneuert.

Fast drei Jahre lang verschwand sie dafür hinter Planen und Gerüsten. Seitdem glänzt sie wieder wie neu. Und wird so vielleicht sogar den Euro überdauern.

 

Info Burg Eltz: Wo, wann, wie teuer

 

Wegweiser zur Burg Eltz

Geöffnet: Täglich vom 1. April bis 1. November von 9.30 bis 17.30 Uhr. 

Adresse: Burg Eltz 1, 56294 Wierschem.

Anfahrt: Von der A48: Abfahrt Polch, über Münstermaifeld und Wierschem zur Burg Eltz. Von der A61: Abfahrt Boppard-Buchholz, über Münstermaifeld. Ein großer Waldparkplatz befindet sich nahe des Gemäuers. Parken kostet zwei Euro. Adresse: Burg Eltz 1, 56294 Wierschem.

Ab hier führen zwei Fußwege zur Burg: Eine 800 Meter lange steile Straße und ein 1,5 km langer Waldpfad. Der Waldpfad ist zwar schöner zu laufen, dafür ergeben sich von der Straße (sie ist wirklich sehr steil) tolle Blicke auf die Burg. 

Zudem kutschiert ein Pendelbus für 2 Euro pro Person und Fahrt Besucher zur Burg und zurück.

Ohne Führung darf man die Räume der Burg nicht betreten. Sie kostet 10 Euro, dauert etwa 40 Minuten und startet etwa alle 10 Minuten. Besonders am Wochenende wird es ab ca. 12 Uhr voll. Sehr voll.

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