Hier ist allein das Hotel schon die Reise wert

Werbung – Retro-Design, wohin man auch blickt! Das neue Hotel Vintage in Cochem-Cond hat eine bewegte Geschichte: Wer hier absteigt, schläft am ehemals geheimsten Ort dieser Republik.

 

Die Rezeption im Hotel Vintage in Cochem-Cond.

Als das schwarze Telefon an der Rezeption nagelneu war, sprangen Familien noch bei jedem Klingeln vor Freude fast in Luft. Ein eigener Anschluss! Das war derzeit nahezu eine Sensation.

Daneben ein Reisewecker. Das Ding zum Einklappen war damals der letzte Schrei.

Und auch der Schreibtisch, an dem Betriebsleiterin Christine Enk seit einigen Monaten ihre Gäste empfängt, stammt aus jener Ära, die eine Berufskarriere für Frauen noch gar nicht vorsah.

 

Flur im Hotel Vintage

 

Retro-Design, wohin man auch sieht! Das neue Hotel Vintage hat eine originelle, nicht alltägliche Einrichtung gewagt: Hier können Gäste stilistisch ins Gestern abtauchen. 

Eine moderne Unterkunft mit 1960er-Jahre-Flair. So könnte man das neue Hotel Vintage in Kurzform beschreiben. Damit zeigt die Mosel, dass sie auch hip kann.

Tatsächlich jedoch ist die neue Unterkunft mehr als eine modische Extravaganz. Hier wurde hier ein Stück bundesdeutsche Geschichte geschrieben, denn zuvor diente das Gebäude viele Jahre lang als Tarnung für den geheimen Schatz dieser Republik.

 

Das Hotel Vintage am Bundesbank-Bunker

Petra Reuter (vorne) und Christine Enk vor dem Hotel Vintage.

Bis 1993 war in dem Doppel-Wohnhaus das Schulungs- und Erholungsheim der Deutschen Bundesbank untergebracht. Klingt bislang nicht ungewöhnlich?

Der Clou verbirgt sich 30 Meter tief in der Erde!

Vom Keller aus führt ein langer Gang in eine mysteriöse, riesige Bunkeranlage. Erbaut in der heißen Phase des Kalten Kriegs.

Hier lagerten zuvor hinter tonnenschweren Stahltüren 15 Milliarden Mark. Eine Ersatzwährung, die niemand kannte, sicher versteckt für den Tag X. Im Falle eines Krieges oder einer Falschgeldflut sollte das Land dennoch zahlungsfähig bleiben.

 

Der Bundesbank-Bunker in Cochem

Ein langer Gang im Bunker.

Keiner der Nachbarn in Cond wusste davon. Und auch keiner der Banker, die sich im Garten vom Geldzählen erholten, hatte einen Schimmer von dem Vermögen.

Nur wenige eingeweihte Prüfer der Frankfurter Bundesbank kamen alle paar Monate an die Mosel, um die Säcke voller Scheine auf Vollständigkeit zu kontrollieren.

Das Milliardenreich ist inzwischen natürlich längst weg.

Nach langem Leerstand kauften Petra und Manfred Reuter aus Treis-Karden 2014 den Bunker samt Schulungsgebäude.

Zunächst brachte das Busunternehmer-Ehepaar die unterirdische Festung auf Vordermann, danach wurden die Tarnhäuser mit viel Aufwand zum Hotel Vintage umgebaut.

 

Doppelzimmer im Hotel Vintage. Foto: Hotel Vintage

 

Die Fassade des ehemaligen Doppel-Wohnhauses blieb zwar erhalten, so verlangt es der Denkmalschutz.

Doch innen glänzt alles wie neu.

Wände wurden versetzt, Rohre verlegt, Parkett abgeschliffen. Statt der Gemeinschaftsduschen auf den Gängen bekam jedes der 17 Zimmer ein schickes Bad.

 

Terrasse im Hotel Vintage

 

Wer Glück hat, erwischt einen der beiden Räume mit riesigem Balkon.

Hier hat man Ruhe und Frieden, denn das Hotel Vintage liegt abseits vom Trubel in den Mosel-Hängen, direkt am Naturschutzgebiet Brauselay.

Läuft man durchs Treppenhaus und durch die Gänge fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. In eine Welt mit Plattenspielern auf dem Sideboard, in der das Schwarz-Weiß-Fernsehen genauso Standard war wie zierliche Cocktailsessel.  

Musiktruhen waren damals der Burner, leuchtende Farben machten das Leben wieder bunt.

 

Der Frühstücksraum im Hotel Vintage.

Schränkchen mit langen Beinen stehen herum,  Schreibmaschinen und Nähmaschinen älterer Bauart. Der helle Marmor im Eingangsbereich blieb genauso wie die originalen Lampen erhalten.

Geschickt haben die Chefin und ihr Team ein Interieur geschaffen, das moderne Möbel mit Objekten und Farben aus den 1960er-Jahren kombiniert.

Vom Erdgeschoss mit großzügigen Frühstücksraum bis in die oberen Etagen.

Fotos im Hotel Vintage

Man erfährt: Schon die Großmutter von Chefin Petra Reuter leitete damals ein Hotel an der Mosel und der Großvater besaß ein Transportunternehmen. 

Denn überall hängen Fotos von den Familien der Reuters, die vom Alltagsleben an der Mosel im Nachkriegsdeutschland erzählen.

Und der Bundesbank-Bunker mit seinem Geheimnis ist ein spektakulärer Teil dieser Geschichte.

Folglich haben ihn die Reuters schon im vergangenen Jahr als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Der Eingang zum Bunker im Garten.

Der Gang im Keller ist zwar inzwischen für die Gäste dicht, doch wer im Sommer im üppig begrünten Garten sitzt, hat direkte Aussicht auf den Eingang in das einst bombensichere Milliarden-Versteck.

Inzwischen darf jedermann bei einer spannenden Führung in das ehemalige Staatsgeheimnis steigen. Was man dabei erlebt, steht hier

 

Info Hotel Vintage

 

Betriebsleiterin Christine Enk an der Rezeption im Hotel Vintage

Hotel Vintage
Brauselaystraße 5-7
56812 Cochem-Cond

Tel. 026 71/ 5 06 70 80

DZ: Übernachtung mit Frühstück 110 – 140 Euro.   www.hotel-vintage.de

 

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