Cusanusstift: Schatzkammer des Wissens

Wissenschaftler und Touristen mögen das Cusanusstift. Kein Wunder! Denn es beherbergt eine der erstaunlichsten sozialen Einrichtungen der Republik, wertvolle Bücher und das Herz des berühmtesten Sohnes der Stadt.

 

Das Cusanusstift in Kues.

 

Bernkastel, ein kleines Städtchen von großem Ruf. Hier schlägt das Herz der Mittelmosel. Fast alle Schiffe halten hier an und spülen während der Saison Massen von Touristen an Land.

In der Altstadt passt zwischen die vielen Fachwerk-Häuschen fast kein Blatt Papier. Kues jedoch hat sich am gegenüberliegenden Flussufer breit gemacht.

Das St. Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues.

Der Blick fällt sofort auf das mittelalterliche Anwesen des Cusanusstift, rechts neben der Brücke. Wie ein Kloster wirkt der spätgotische Bau.

Dabei beherbergt er eine der bemerkenswertesten sozialen Einrichtungen Europas, die der berühmteste Sohn der Stadt vor über 550 Jahren seiner Heimatgemeinde schenkte.

 

Die prächtige Fassade des Cusanusstift.

33 Männer wurden damals im Cusanusstift aufgenommen – einer für jedes Lebensjahr Christi auf Erden.

Damals stiftete Nikolaus von Kues gemeinsam mit den Geschwistern ein Altenheim. Allerdings wurden nicht nur Adelige und Geistliche aufgenommen, sondern auch ganz normale Bürger.

Dreiunddreißig arme Männer über fünfzig Jahre alt sollten hier sorgenfrei leben können. Vertreter aus allen Ständen der Gesellschaft – und zwar gleichberechtigt unter einem Dach.  

Weinkeller unter dem Cusanusstift

Das gesamte väterliche Erbe steckte Nikolaus in das Armenhospital und benannte es nach dem Schutzpatronen der Schiffer: St. Nikolaus Hospital.

Auch neun Hektar Weinberge der besten Riesling-Lagen der Mittelmosel gehörten dazu. In der Vinothek, untergebracht im Gewölbe des Altenheims, können sich Besucher deshalb heute durch über 150 Weine probieren.

 

Cusanusstift: Der historische Gewölbekeller der Vinothek.

Der historische Gewölbekeller der Vinothek.

Es war ein kluger Kopf, der diese ganz besondere Einrichtung ins Leben rief. Nikolaus Krebs, den die Humanisten später Cusanus nannten, wurde 1401 in Kues geboren.

Von seinem Geburtshaus am Nikolausufer zog er hinaus in Welt und meisterte einen kometenhaften Aufstieg vom Bürgersohn bis in die höchsten Ränge der Kirche. 

Jahrelang war er in päpstlichen Diensten unterwegs, eine Art Außenminister des Spätmittelalters. Doch seine Heimatgemeinde behielt er immer im Herzen.

Ältestes Altenheim der Republik

Seine Stiftung hat der Kirchenmann so umsichtig geregelt, dass sie alle Krisen und Katastrophen überstand. Kriege und Hungersnöte. Die Schrecken der Nazizeit. Inflationen, Währungsreformen.

Seit der Einweihung im Jahr 1464 bietet das St.Nikolaus-Hospital ununterbrochen Menschen Fürsorge und Unterkunft. Und ist deshalb das älteste Altenheim unserer Republik.

 

Cusanusstift: Der Kreuzgang gehört zu den schönsten gotischen Bauten an der Mosel.

Der Kreuzgang im St-Nikolaus-Hospital.

Inzwischen leben 65 Menschen im Cusanusstift. Erst seit den 1970er Jahren werden auch Frauen aufgenommen. Um einen Kreuzgang hat der Baumeister in zwei Etagen die Zellen angeordnet.

Schon in Zeiten der Schlafsäle wurden die Bewohner mit eigenen Zimmern bedacht. Nikolaus von Kues hatte ein ausgeprägtes Gefühl für die Würde des Menschen, Individualität war ihm wichtig.

Der studierte Jurist hat damals nichts dem Zufall überlassen, auch die Verwaltung organisierte er bis in Detail. An der Spitze sollte ein Geistlicher stehen, der im ersten Stock des St.Nikolaus-Hospitals wohnte.

Führung durchs Haus

Seit 2011 wacht Pastor Leo Hofmann über das Erbe des berühmten Philosophen und Kardinals. Der Kirchenmann ist der 56.Rektor des Stifts.

Cusanusstift: Rektor Leo Hofmann im Barocksaal.

Rektor Leo Hofmann erklärt die prächtige Stuckdecke im Barocksaal.

Früher war er Lehrer für Religion, Deutsch und Kunstgeschichte, danach wirkte er 25 Jahr lang als Pfarrer im Saarland.

Nach dem Ende seiner offiziellen Dienstzeit und Umzug an die Mosel begann für den Seelsorger erst recht der Unruhestand.

Als Rektor kümmert sich der Pfarrer um die Belange der Heimbewohner und führt Gäste durchs Haus.

Leo Hofmann kennt jeden Winkel in dem spätgotischen Gebäude. Jedes architektonische Detail, die Geschichte hinter jedem Gemälde.

Mehrere tausend Besucher im Jahr lassen sich von dem Rektor den Barocksaal und die kleine Kapelle zeigen.

 

Die Kapelle im St-Nikolaus-Hospital.Hier wurde das Herz von Cusanus beigesetzt

Die Kapelle im St-Nikolaus-Hospital.

Über der Sakristei liegt die Schatzkammer des Stifts. Eine Wendeltreppe führt vom Innenhof ins Obergeschoss.

Der Innenhof des Cusanusstifts.

Der Innenhof des Cusanusstifts.Hinter einer schweren Panzertür eröffnet sich die kleine Kathedrale der Bücher.

Hier lagern hunderte von Werken – bis zu 1000 Jahre alt. Darunter einzigartige Handschriften, die Nikolaus selbst noch benutzt hat.

Feine Schriften

Dabei war es damals nicht leicht Bücher zu kaufen. Cusanus hat sie auf seinen vielen Reisen aufgestöbert, als Geschenke erhalten und Handschriften mit reich illuminierten Titelseiten für sich anfertigen lassen.

 

Die Bibliothek im Cusanusstift wurde 1492 gebaut.

Die Bibliothek wurde 1492 gebaut. Hier lagern 316 Handschriften vom 9. Jh. bis zum 18. Jh.

Ein Prunkstück der Sammlung ist das im Jahr 1460 auf Pergament gedruckte Catholicon. Denn es stammt aus der Werkstatt von Gutenberg, dem berühmten Zeitgenossen Cusanus’.

Cusanus Werk De docta ignorantia, geschrieben in seiner schönen Handschrift.

De docta ignorantia.

In Vitrinen sind Urkunden ausgestellt. Ebenso astronomische Instrumente. Prachthandschriften. 

Auch die Bücher von Cusanus wie De docta ignorantia können Wissenschaftler und Besucher während einer Führung sehen.

Philosophie, Theologie und auch Mystik. Alle Wissensgebiete sind in den Regalen vertreten. Sowohl Kirchliches als auch weltliches Recht. Geographie und Geschichte genauso wie Astronomie. Cusanus besaß damals sogar mehr medizinische Bücher als die Pariser Universität.

Regale voller Raritäten

Rektor Leo Hofmann in der Bibliothek des Cusanusstift.

Bis heute zeugt die kostbare Sammlung von Cusanus’ unglaublichen Wissensdrang, der ihm den Ruf eines herausragenden Universalgelehrten seiner Epoche einbrachte.

Als der Kardinal am 11. August 1464 im italienischen Umbrien starb, wurde sie nach Kues gebracht.  

In seinem Testament hatte der Kardinal zuvor das Hospital als Universalerben eingesetzt. Und bestimmt, seine Bibliothek möge für immer in der Heimatgemeinde bleiben.

Sein Leib ruht zwar in der Kirche San Pietro in Vincoli in Rom. Aber sein Herz, auch das ließ Nikolaus an die Mosel bringen. Es liegt begraben in der Kapelle des Cusanusstifts unter einer Platte vor dem Altar.

Info: Wo, wann, wie teuer

St. Nikolaus-Hospital / Cusanusstift
Cusanusstr. 2
54470 Bernkastel-Kues

Tel.: 06531-2260; www.cusanus.de

Cusanusstift: Ein Fenster in der Bibliothek geht auf den Altarraum.

offene Führungen (inkl. Bibliothek): Dienstag 10.30 Uhr und Freitag 15 Uhr. 7 Euro/Person

Kapelle und Kreuzgang:
tägl. 9 – 18 Uhr, Eintritt frei

Im Kreuzgang können sich die Besucher während einer virtuellen Führung über Cusanus und das St. Nikolaus-Hospital informieren

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2 Kommentare zu “Cusanusstift: Schatzkammer des Wissens

  1. Norbert Krötz, Ediger

    Nikolaus Cusanus gilt nicht nur als der berühmteste Sohn der Stadt Bernkastel-Kues, sondern auch als der berühmteste Mosellaner schlechthin. Selbst nach seiner nicht ganz unumstrittenen Zeit in Brixen gilt er auch dort in Südtirol als der bedeutendste Fürstbischof. Davon konnte ich mich im Herbst 2015 vor Ort in der nach ihm benannten Akademie in Brixen überzeugen.

  2. Christoph Gassen, kröv

    Nikolaus ist wohl der größte Sohn der Mosel, bekannter ist dennoch der aus Trier! Nikolaus verdiente es, in einer breiten Öffentlichkeit viel bekannter zu werden!

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