Hoch und heilig! Eine Tour durch Trier

Ein rostiger Turm, imposante Kirchen und der größte Einzelraum nördlich der Alpen, der es aus der Antike bis heute geschafft hat. Fast alles Sehenswerte in Trier ist hoch und/oder heilig. Eine Tour durch die Stadt in Bildern.

Gegründet wurde Trier im Jahr 16 vor Christus als „Augusta Treverorum”. Damals galt die Moselstadt als Roma secunda, als zweites Rom. Gut 400 Jahre währte die römische Epoche.

Heute schafft es die Stadt zwar nur noch auf rund 110.000 Bewohner. Aber nirgendwo sonst im Land finden sich so viele gut erhaltene römische Momente so nah beieinander.

Was die Trierer für ihre Innenstadt halten, ist für die anderen ein Freilichtmuseum!

Sehenswürdigkeiten in Trier 

Für einen ersten Überblick begibt man sich am besten auf den Petrisberg, um von oben auf Trier herunter zu gucken. In Serpentinen windet sie die Sickingenstraße zum ehemaligen Truppenübungsplatz hinauf.

Nach dem Abzug der Franzosen wurde das Gelände zur Landesgartenschau fein gemacht. Dafür schenkte die Stadt Luxemburg Trier eine begehbare Skulptur. 

Der etwa 20 Meter hohe „Turm der Träume und Sehnsüchte“ sieht aus als würde er rosten.

 

Turm Luxemburg, Trier

Der Turm Luxemburg auf dem Petrisberg

 

Turm Luxemburg, Trier, Petrisberg

Über eine Treppe gelangt man auf die Plattform des Turm Luxemburgs.

Nicht weit davon entfernt liegt in einer Kurve ein beliebter Aussichtspunkt der Stadt. Die Plattform wird vermutlich auch deshalb so rege besucht, weil man mit dem Auto unmittelbar vorfahren kann.

Alles von Rang und Namen in Trier ist von hier aus gut zu erkennen. Vom roten Ziegeldach der Konstantin-Basilika bis hin zu den Kaiserthermen. Allerdings nicht ein Zipfelchen von der die Mosel.

 

Trier, Aussichtspunkt, Petrisberg

Die Aussicht vom Petrisberg auf Trier

Dass Trier an der Mosel liegt, merkt man ohnehin nur in Zurlauben. 

Am Zurlaubener Ufer, wie die schmale Gasse im Stadtplan heißt, lebten früher die Fischer und Schiffer. Viele der Häuschen wurden mit kleinen Gärtchen und Pavillons um 1800 gebaut.

 

Zurlauben, Trier

Auch bei Regen schön: Das ehemalige Fischerdorf Zurlauben

Heute sind darin Gaststätten untergebracht. Von der Kneipe bis zum Gourmettempel ist alles dabei. Davor Biergärten mit Ausblick auf die gegenüberliegenden roten Felsen. 

Der Fluss von oben

Wer nun also die Mosel von oben sehen will, ist oberhalb der roten Felsen bestens aufgehoben. Über dem Stadtteil West-Pallien thront die 40 Meter hohe Mariensäule.

 

Mariensäule, Trier

Die Mariensäule

Parkplätze finden sich unterhalb des Denkmals. Etwa fünf Minuten sind es von dort noch bis zu dem Aussichtspunkt zu laufen. 

Auch von dieser Plattform sind viele der insgesamt neun Welterbestätten schön zu sehen. 

 

Trier, Aussichtspunkt

Aussicht von der Mariensäule über Trier

Die Römerbrücke zum Beispiel. Oder die Porta Nigra. Das alte Stadttor war früher viel heller, wie die Teilnehmer bei einer Stadtführung erfahren (Tipp: Die Reihe „Trier für Treverer” → mehr Infos). 

Die berühmteste aller heimischen Welterbestätten ist und bleibt der Trierer Dom. Um 340 entstand die älteste Bischofskirche im Land.

Immerhin 1700 Jahre Architekturgeschichte kann man hier erleben!

Dom, Trier

Der Trierer Dom

Liebfrauenkirche, Trier

Die Liebfrauenkirche

Denn mit der benachbarten Liebfrauenkirche vermischen sich römische, salische, romanische und gotische Stile miteinander.

Das Kirchen-Ensemble ist durch einen gotischen Kreuzgang miteinander verbunden, der einen kleinen Friedhof umschließt. Dort haben ehemaliger Erzbischöfe ihre Ruhestätten gefunden.

Dieses Kleinod ist ein Ort der Stille, an dem man seinen Gedanken nachgehen kann.

 

Trierer Dom, Friedhof

 

Trier Dom, Friedhof

Friedhof am Trier Dom

Das vermutlich beliebteste Fotomotiv ist der Domstein vor dem Portal. Die wohl älteste Rutschbahn Deutschlands war ursprünglich eine der tragenden Säulen des historischen Baus.

Im Inneren legen Besucher den Kopf in den Nacken, um die barocke Stuckdecke in der Westapsis zu sehen.

Die kostbarste Reliquie des Doms, die Heiligen Rock, wird allerdings nur alle vier Jahre öffentlich gezeigt.

 

Dom, Trier, Stuckdecke

Die barocke Stuckdecke im Trierer Dom

Mit einer Länge von 112,5 Metern und einer Breite von 41 Metern ist der Dom das größte Kirchengebäude der Stadt. Goethe nannte Trier wegen seiner vielen Gotteshäuser despektierlich ein „altes Pfaffennest”.

Napoleon machte zwar später ein Dutzend Kirchen und Klöster dem Erdboden gleich. Dennoch  stehen immer noch über 30 Kirchen in Trier. 

 

St.Matthias, Trier

St.Matthias in Trier

Pilgerscharen zieht es in die Benediktinerabtei St. Matthias im Süden. Denn seit dem 12. Jahrhundert wird dort das Grab des Apostels Matthias verehrt.

Barocke Baukunst vom Feinsten

Ein besonders Glanzstück versteckt sich im Trierer Norden: Die Kirche St. Paulin.

Die Inneneinrichtung trägt die Handschrift des berühmten Würzburger Baumeisters Balthasar Neumann, dessen Antlitz den 50-DM-Schein prägte. 

Hinter der schweren Eichenholztür eröffnet sich dem Besucher ein prächtiges Farbenspektakel.

Die hohen Wände sind leuchtend weiß und lenken die Blick auf den goldenen Hochaltar, Engel scheinen im Raum zu schweben.

 

St.Paulin, Trier

Der imposante Innenraum von St.Paulin

Und über allem erstreckt sich ein gewaltiges Deckenfresko mit Hunderten von Figuren, die die Geschichte des heiligen Paulinus und das Martyrium der Thebäischen Legion erzählen.

Diese Kirche war keine Kirche

Eines der bekanntesten Gotteshäuser in Trier war ursprünglich allerdings gar keine Kirche. Denn die sogenannte Konstantin Basilika diente einst als Thronsaal des namensgebenden Kaisers.

Mit der Architektur wollten die Römer die Größe und Macht des Herrschers ausdrücken, was eindrucksvoll gelang: die riesige Halle ist 27,2 Meter breit, 33 Meter hoch und 67 Meter lang.  

 

Konstantin-Basilika, Trier

Innenraum der Konstantin-Basilika

Es ist der größte Einzelraum nördlich der Alpen, der es aus der Antike bis heute geschafft hat. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird das Überbleibsel der Kaiserzeit als erste protestantische Kirche im katholischen Trier genutzt.

Kurfürstlicher Palais mit Garten

Die Verbindung von weltlichen Bauten mit christlichen Gebäuden ist einzigartig in Trier.

Unmittelbar neben der Konstantin-Basilika leuchtet zartrosa das Kurfürstliche Palais.

 

Kurfuerstliches Palais, Trier

Das Kurfürstliche Palais

Das Rokoko-Gebäude war vom 17. Jahrhundert bis 1798 Residenz der Trierer Erzbischöfe. Heute beherbergt es zwar eine Behörde, aber regelmäßig gastiert dort das Moselmusikfestival. So bekommt man den Barocksaal nur zu bestimmten Terminen oder eben bei Konzerten zu sehen.

Der angrenzende Palastgarten mit Brunnen, Beeten und Statuen ist aber zugänglich für jedermann.

Ein neues Denkmal für Trier

Übrigens: Im nächsten Jahr wird Trier um eine gewaltige Statur reicher. Welchem berühmten Bürger wird damit wohl gedacht? 

Die Römer waren da, Napoleon war da, ebenso Goethe. Auch Guildo Horn ist an der Mosel geboren. 

Doch in die Brückenstraße Nummer 10 erblickte im Jahr 1818 ein Mann das Licht der Welt, der selbige revolutionieren sollte: Karl Marx.

Ganze Busladungen von Chinesen kommen, um sich in dem Museum über das Leben und Wirken des politisch einflussreichen Gelehrten zu informieren.  

 

Karl-Marx-Haus, Trier

Das Karl-Marx-Haus in Trier

Allerdings wohnte die Familie Marx dort nur zur Miete und zog schon ein Jahr nach der Geburt des Sohnes ins Eigenheim in der Simeongasse.

Ausgerechnet dort, wo der Erfinder des Kommunismus bis zu seinem Abitur wohnte, ist inzwischen ein Ein-Euro-Shop untergebracht.

Dass Karl Marx ein Sohn der Stadt ist, kann man ab nächstem Jahr kaum noch übersehen. Denn die Volksrepublik China schenkt Trier zum 200. Geburtstag eine bronzene Statue des Denkers. 6,30 Meter hoch, mit Sockel.

 

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