Joachim Wiese: Der Ziegenbeauftragte aus Ensch

Sie meckern von morgens bis abends, doch ihrem Chef ist das egal. Joachim Wiese aus Ensch ist der einzige Züchter von Schweizer Pfauenziegen in Rheinland-Pfalz. Er hat an der Mosel schon viele Böcke erfolgreich zum Gärtner gemacht.

 

Joachim Wiese aus Ensch


Hat da etwa jemand blöde Ziege gesagt? Von wegen. Anders als so mancher Hund wissen diese Tiere genau, wie sie testen, ob auf dem Elektrozaun Strom ist.

Flink klettern sie über den Hang, hier auf dem Kirschenberg zwischen Ensch und Schleich, und umkurven meckernd ihren Ziehvater Joachim Wiese.

Sie führen vor wie man elegant die Steillagen an der Mosel erklimmt. Und schön sind sie! Die schwarz-weiße Fellzeichnung fällt sofort ins Auge. „Das sind Pfauenziegen, ihre ursprüngliche Heimat ist der Kanton Graubünden”, erklärt der Besitzer stolz.

 

Joachim Wiese aus Ensch


„Sie können aus dem Stand einen Meter hoch springen und die Böcke bekommen bis zu 1,50 Meter lange Hörner.”
Die Gebirgsziegen aus der Schweiz.

Nur dank einiger Liebhaberzüchter hat die im Bestand gefährdete Rasse bis heute überlebt. Einer davon ist Joachim Wiese. Er ist der einzige Pfauenziegen-Züchter in Rheinland-Pfalz.

Was treibt Gebirgsziegen an die Mosel? 

Angefangen hat alles vor gut vier Jahren. Gepachtet hat den Weinberg Wieses Schwiegersohn Herbert Kuhnen aus Bekond. Damals sah es hier noch aus wie Kraut und Rüben.

„Das war ein undurchdringlicher Urwald, kein Hund traute sich mehr rein”, sagt der Bio-Winzer. Das ganze Gestrüpp und die Bäume mussten weg.

Pfauenziegen an der Mosel

Kuhnen entschied sich neue Mitarbeiter zu engagieren: Ziegen. Eine kleine Herde sollte für freie Sicht im knapp sechs Hektar großen Wingert sorgen.

Denn dort wo Maschinen und andere Nutztiere schlapp machen, sind die Kletterkünstler ganz in ihrem Element. Ihre kulinarischen Vorlieben: Brennnesseln und wuchernde Hecken.

Sie knabbern liebend gern Gehölze kurz und klein, turnen dabei über Mauern, machen selbst vor dornigem Gestrüpp nicht Halt und ernten auf den Hinterbeinen stehend Blättern von Bäumen.

Sanfte Landwirtschaftspflege ohne Chemie, dank des guten Appetits der gefräßigen Ziegen. Ökologischer geht’s kaum.

 

Die Ziegen bei ihrem Lieblings-Hobby: Fressen.

Die Ziegen bei ihrem Lieblings-Hobby: Fressen.

Damit die cleveren Tiere keine Dummheiten machen, sollte Joachim Wiese im bevorstehenden Ruhestand nach dem Rechten sehen. So der Plan.

„Doch als der Schwiegervater einmal Lunte gerochen hatte, war er nicht mehr zu bremsen”, beschreibt Herbert Kuhnen die aufflammende Leidenschaft.

Joachim Wiese füttert seine Pfauenziegen.

Joachim Wiese verkündete, er wolle nicht nur Ziegen füttern – sondern auch züchten.

Kollegen und Bekannte fassten sich an den Kopf. „Sie fragten, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte”, lacht Joachim Wiese.

Joachim Wiese wird Ziegenbeauftragter

Aus der unkonventionellen Idee ist eine passionierte Mission geworden; heute kennt man den Rentner weit über die Mosel hinaus als Experten.

Der Züchter spricht fachmännisch von Flankenstrichen, Pseudo-Tb-Monitoring, Körung. Er hat den Tiertransportführerschein in der Tasche, Preise für seinen Nachwuchs gewonnen und kennt sich bestens aus mit den Eigenarten von Merlin, Sam und den Damen.

„Ziegen sind nicht gerade zimperlich im Umgang miteinander und haben einen eigenen Kopf”, sagt der Züchter „Wenn sie keinen Bock auf Klauen schneiden haben, werden sie sehr zickig.”

 

Joachim Wiese trägt ein Zicklein.

Nachwuchs im Wingert. Noch hat die Mini-Ziege Bock auf Herumtragen.

Weit über 20 Ziegen und Böcke hat der Enscher bislang erfolgreich zum Gärtner gemacht.

„Die fressen alles weg, was ihnen in die Quere kommt”, attestiert Winzer Herbert Kuhnen den Ziegen ihre Qualitäten als Landschaftspfleger.

Sich die Hufe in den Bauch zu stehen macht die Herde eben nicht an, die ganze Mannschaft will klettern und fressen. Hauptsache kauen, den lieben langen Tag. Dafür ist ihr Tisch reich gedeckt, hier an der Mosel.

Info: 

Ökologisches Weingut Kuhnen, Am Weiher 12, 54340 Bekond, Tel. 06502 – 7155,
www.weingut-kuhnen.de und www.ziegen-bekond.de

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