Grevenburg in Traben-Trarbach: Schön ruiniert

Vor fast 300 Jahren flog die Grevenburg in die Luft. Doch eine Fassade ließen die Angreifer netterweise stehen. Die Ruine ist heute ein beliebtes Ausflugsziel – und manche sagen, der Burggarten sei an Idylle kaum zu überbieten.

 

Blick auf die Burgschänke.

 

Kinder klettern über Felsen, Kellnerinnen balancieren eilig volle Tabletts aus der Schänke. Sämtliche Plätze im Burggarten sind besetzt, denn die Sonne hat Leute aus allen Himmelsrichtungen hoch auf den Berg über Traben-Trarbach getrieben.

Kein Wunder! Denn wo sonst werden schon Kaffee und Kuchen, Deftiges und Wein vor so einem Panorama serviert? Inzwischen trifft man sich hier auch für Konzerte. Von hier oben kann man inmitten historischer Mauern das Städtchen und die Flusskurve überblicken.

Und die imposanteste Aussicht hat man ausgerechnet von dort, wo die Menschen im Mittelalter ihre Geschäfte verrichteten: Vom ehemaligen Toiletten-Erker der Grevenburg.

 

Aussicht über die Mosel von der Grevenburg in Traben-Trarbach

 

Über 660 Jahre haben diese Steine schon auf dem Buckel. Schade, dass nur so wenig von der Anlage übrig geblieben ist.

Früher hat hier noch ein Herrenhaus mit vier Türmen gestanden, daneben ein Zeughaus und ein 35 Meter hoher Bergfried. Zwei Pulvertürme flankierten seinerzeit das Durchfahrtstor.

Umkämpfte Grevenburg

Doch wo heute Leute friedlich nebeneinander Kaffee trinken, schlugen sich die Menschen im 17. und  18. Jahrhundert die Köpfe ein.

Ein ums andere Mal wurde die Grevenburg belagert, erobert, bombardiert und immer wieder neu befestigt. Zuletzt jedoch jagten französische Truppen 1734 die gesamte Anlage in die Luft.

Die Fassade des ehemaligen Kommandantenhauses blieb zum Glück stehen. Zurück blieben auch noch Reste einiger Schanzen und Kasematten.

 

Der Burggarten der Grevenburg

 

Seitdem ist die Grevenburg zwar eine Ruine. Aber was für eine! Die Traben-Trarbacher sind zu Recht stolz auf die Reste der einst stattliche Wehranlage über ihrer kleinen Stadt.

Dieser Platz strahlt heute eine besondere Atmosphäre aus, er gehört zu den Orten an der Mosel, die verzaubern.

Und so flitzen Motorradfahrer über Serpentinen hierher, Pilger und Wanderer auf dem Moselsteig nutzen den lauschigen Burggarten für eine Rast. Dass er geöffnet ist, erkennt man schon vom Weiten an der gehissten Fahne.

Viele stapfen sportlich von der Trarbacher Brückenstraße (der Einstieg liegt hinter dem Haus Nr. 52) über den steilen Pfad hinauf zur Ruine. Andere nehmen das Auto.

 

Burgschänke der Grevenburg

 

Vom Parkplatz aus sind es nur ein paar Schritte bis zur Schänke, die zwar danach aussieht, aber früher nicht so hier stand. Sie beherbergt ein liebevoll eingerichtetes, kleines Restaurant. 

Im Gastraum knistert im Winter ein Kamin, daneben steht eine Ritterrüstung. Ein Bild zeigt die Grevenburg wie sie im vollständigen Zustand über Trarbach wachte. Wer es genau wissen will: Das Mittelmosel-Museum präsentiert sogar ein Modell.

Erbaut wurde sie um 1350 von Graf Johann III. von Sponheim, einem Sohn der mutigen Gräfin Loretta, geborene von Salm. Lange Zeit lebten die Bewohner der Burg sicher geschützt vor Angreifern hoch über der Mosel.

Aus der Burg wurde eine Ruine

Schon damals zog das Gemäuer Menschen aus halb Europa magisch an. Allerdings kamen sie nicht in friedlicher Absicht.

Insgesamt dreizehnmal wechselte die Grevenburg ihren Besitzer. Spanische Truppen besetzten die Burg. Danach die Schweden. Ludwig XIV. baute die Begehrlichkeit 1680 als Vormachtstellung aus.

 

Gemälde der Grevenburg in der Burgschänke.

Ein Gemälde der Grevenburg von 1734.

 

Sie sah hessische und preußische, ebenso sächsische und holländische Besatzer. Die Holländer überließen sie im Frieden von 1713 Trier. 20 Jahre später standen die Franzosen wieder mit Kanonen auf der Matte. Und hatten nichts Eiligeres zu tun, als das Gemäuer endgültig zu pulverisieren.

Das Angebot, die Ruine gegen Ende des 19. Jahrhunderts an den Kaufmann Ravene zu verkaufen, wurde abgelehnt. Stattdessen erwarb der reiche Berliner die Cochemer Reichsburg und baute sie wieder auf.

Doch wer weiß: Vielleicht wäre die rekonstruierte Grevenburg auch längst nicht so idyllisch gewesen wie die echte Ruine.

 

Info: Wo, was, wann

Grevenburg
56841 Traben-Trarbach
Tel. 06541 8157050
Anfahrt:
Ab Trarbach über die Schottstraße hoch in Richtung Irmenach oder Flughafen Hahn, dann der Beschilderung folgen.

 

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2 Kommentare zu “Grevenburg in Traben-Trarbach: Schön ruiniert

  1. Alois Meyer

    Die Burg wurde im Rahmen des sog. „Polnischen Erbfolgekrieges“ zerstört. Der polnische Erbfolgekrieg fand seinen Abschluss in der sog. „Schlacht bei Klausen“ im Jahr 1735. Dazu ist derzeit eine interessante Ausstellung in der Sparkasse in Wittlich zu sehen.

    Alois Meyer (Ortsbürgermeister des Wallfahrtsortes Klausen)

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