Stephan Horch fotografiert Mosel-Müll: Das ist Kunst, das soll weg!

Stephan Horch aus Winningen ist Müllsammler. Und Kajakfahrer. Aber vor allem ist er Künstler. Auf Ausstellungen zeigt er riesige Fotos mit skurrilen Motiven. Seine Botschaft ist deutlich.

Stephan Horch steht mit seinem Kajak am Moselufer.

Kajakfahrer, Müllsammler und Künstler: Stephan Horch aus Winningen. Foto: www.cleanriverproject.de

Stephan Horch liebt das Meer, die Flüsse, die Mosel vor seiner Tür. Weil er nicht will, dass unsere Gewässer den Bach runtergehen, sammelt er seit vier Jahren Müll.

Säckeweise Unrat aus Plastik, der im Wasser und am Ufer treibt. Aus seinen Fundstücken macht er Kunst. Ungewöhnliche Fotos, die gegen das Wegwerfen werben.

Stephan Horch stammt aus Andernach und lebt seit 15 Jahren in Winningen an der Mosel. Ein kleines Fleckchen Erde, an dessen steilen Hängen einige der begnadetsten Rieslinge der Welt gedeihen. Hier findet und fühlt er das gewisse mediterrane Etwas, wie er sagt.

 

Stephan Horch sammelt Müll in der Mosel. Foto: www.cleanriverproject.de


Doch seit er bei seiner ersten Paddeltour im Kajak auf einen schwimmenden Fußball stieß, sieht er überall Müll in der Idylle. Hier ein Kanister, da eine Plastiktüte… „Wenn man anfängt darauf zu achten, kann man nicht mehr wegsehen.”

Vor lauter Ärger lief Stephan Horch zur Hochform auf. Schon in seinem früheren Beruf als Krankenpfleger hatte er das Fotografieren in seiner Freizeit als kreatives Ventil genutzt.

Nun plante er, den Müll aus der Mosel künstlerisch in Szene zu setzen. Der Fotodesigner und Installationskünstler startete das „Clean River Project”.

Stephan Horch wird Mosel-Müllmann

Mindestens zwei Mal pro Woche paddelt Stephan Horch nun seit vier Jahren mit dem Kajak los und sammelt den Müll ein, der ihm im Wasser begegnet.

Wasserpistolen. Verpackungen von Süßigkeiten. Riesige Mengen an Wattestäbchen. Unterwegs fischt er die erstaunlichsten Sachen aus der Mosel.

Stephan Horch hat einen winzigen Schuh gefischt. Foto: www.cleanriverproject.deEine uralte Prilflasche mit DM-Etikett. Sexspielzeug. Einen winzigen Barbie-Schuh.

Sogar ein Plastik-Schlauchboot für vier Personen und eine Schreibmaschine hat er gefunden.

Dazu bergeweise Tüten und Plastikdeckel. Der Aktivist freut sich über jede einzelne Plastikflasche, die der Fluss nicht in unsere Meere spült.

Die Meere versinken im Müll

Die Ozeane sind längst die größte Mülldeponie der Welt. Autoreifen treiben herum, Fischernetze, Badelatschen. Sage und schreibe 150 Millionen Tonnen Plastik vergammeln im Wasser, heißt es in einer Studie der Ellen-MacArthur-Stiftung.

Seevögel verenden an verschluckten Handyteilen, Fische verhungern mit vollen Mägen, da Plastik den Verdauungsapparat verstopft. Meerestiere verwechseln Plastikteilchen mit Plankton.

Winzige Kunststoff-Partikel stecken in vielen Kosmetikprodukten und entstehen, wenn sich Unrat im Meer in immer kleinere Stücke zerteilt. Bis zur vollständigen Zersetzung ziehen bis zu 450 Jahre ins Land.

Stephan Horch stellt Collagen zusammen. Foto: www.cleanriverproject.de

Skurrile Fundstücke.

Der Plastikmüll in Gewässern ist längst ein globales Problem – und Stephan Horch ist einer von denen, die nicht nur sagen, dass es Zeit ist, zu handeln.

Auf einer zweistündigen Paddeltour kommt im Schnitt ein halber gelber Sack Abfall zusammen, erzählt der Künstler. 

Sein Sohn (7) sammelt längst mit. Doch Stephan Horch will noch viel mehr Menschen zum Aufräumen motivieren.

Abfall-Art im Großformat

Künstlerisch ordnend versucht er seiner Flut an Abfällen Herr zu werden. Er stellt Collagen zusammen, fotografiert sie und postet die Stillleben aus Unrat im Netz.

Die kuriosen Kunstwerke verfehlen ihre Wirkung nicht. Viele sind begeistert, stellen Fragen und verstehen, dass etwas verändert werden muss. Stephan Horch freut sich über Zuschriften von neuen Sammlern.

Stephan Horch stellt Collagen zusammen. Foto: www.cleanriverproject.de

Müll-Collage

Inzwischen ist er mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt vernetzt.

Fast 1200  Leute haben seine Facebook­-Seite mit „Gefällt mir” markiert­. Der Künstler tritt im Fernsehen auf, hält Vorträge und wirbt mit aufwändigen Aktionen für sein Projekt.

Im vergangenen Jahr paddelte er 500 Kilometer von Winningen bis in die Nordsee bei Renesse, in vier Städten entlang der Strecke zeigten Galerien seine großformatigen Collagen. Jetzt ist die Gründung eines Vereins angesagt. Müll schwimmt immer noch genug in der Mosel.

 

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