Traben-Trarbach für Pilger: Hier will keiner weg

Auf den Hügeln von Traben-Trarbach steht eine Pilgerherberge wie aus dem Bilderbuch. Die Alte Lateinschule bietet aber nicht nur Fußgängern himmlischen Unterschlupf. Ulrike Böcking heißt jeden willkommen, der es aushält, mit anderen Leuten in einem Raum zu schlafen.

 

Alte Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Seit Hape Kerkeling seinen Bestseller schrieb, waren schon viele mal weg. Pilgern auf dem spanischen Jakobsweg ist der Renner. Tagelang wandern. Natur erleben. Allein sein?

Vor gut zehn Jahren wurde noch jeder, der ihn laufen wollte, verdächtigt, einem religiösen Wahn verfallen zu sein. Heute verstopfen über 260 000 Menschen pro Jahr den spirituellen Pfad nach Santiago de Compostela.

Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur diesen einen Jakobsweg. Denn ein riesiges Streckennetz mit Zubringerwegen zieht sich durch ganz Europa.

Wer sich Ruhe und innere Einkehr erhofft, dem sei die Route zwischen Koblenz und Trier empfohlen.

Immer der Muschel nach

Hier kann man noch so pilgern, wie man es sich vorstellt: Ohne Massenspektakel in einer wunderschönen Naturkulisse.

Der Mosel-Camino führt auf gut 160 Kilometern flussaufwärts bis zur Benediktinerabtei St. Matthias. Auf acht Tagesetappen, jeweils zwischen 19 und 26 Kilometer lang, weisen über tausend Muscheln den Weg.

Dabei geht es immer an der Mosel entlang. Mal auf, mal ab. Vorbei an Klöstern und Kirchen, Weindörfern, Burgen und Ruinen.

 

Die Ruine der Grevenburg über Traben-Trarbach.

Die Ruine der Grevenburg über Traben-Trarbach.

Nach stundenlangem Fußmarsch, nach Blasen, Tränen und Schweiß versteht so mancher, warum Pilgern im Mittelalter eine Strafe war. Da sehnen sich sogar die Hartgesottenen zwischendurch nach einem netten Quartier.

Klassische Pilgerherbergen wie an der Hauptroute in Spanien bieten in der Regel wenig Komfort. Es riecht nicht immer so, wie man es schön findet. Und es ist nicht immer so ruhig, wie viele es gerne hätten.

Dafür sind sie günstig und liegen direkt am Weg.

Traumquartier in Traben-Trarbach

In der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach hingegen kann man günstig und mit bezauberndem Flair übernachten.

Wo früher Schülerinnen Grammatik und Vokabeln büffelten, werden heute Pilger und Pilgerinnen von Herbergsmutter Ulrike Böcking betüdelt. 

Die Alte Lateinschule liegt gerade mal 200 Meter vom Mosel-Camino entfernt, etwa auf der Mitte der Strecke.

Über eine hübsche Gasse erreicht man vom Rathausplatz aus zu Fuß dieses besondere Haus auf den Hügeln der kleinen Jugendstil-Stadt.

 

Gasse zur Alten Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Seit 1573 steht die Alte Lateinschule da, gleich neben der evangelischen Kirche. Bis 1815 beherbergte sie die erste höhere Schule im Moseltal. Zuletzt einen Jugendtreff. Danach stand sie lange Zeit leer.

Dann kam Ulrike Böcking. Leidenschaftliche Winzerin, mit gutem Essen-Auskennerin, Bergretterin.

Viele Jahre hatte sie in Traben-Trarbach ein Weingut geführt und nebenher mit den Kollegen vom Klitzekleinen Ring verlassene Weingärten in der Steilstlage auf Vordermann gebracht.

 

Ulrike Böcking vor der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Vor knapp sechs Jahres war sie dann auf Wohnungssuche, und die Alte Lateinschule wurde zum Objekt der Begierde. Genau dort wollte die Winzerin einziehen.

So einfach ging das nicht. Doch ihr Vorschlag, aus den geschichtsträchtigen Mauern eine Unterkunft für Pilger zu machen, kam bestens an.

Die Lateinschule wurde renoviert und eingerichtet. Dabei herausgekommen ist eine Herberge, die man jedem nur ans Herz legen kann.

Und das liegt am Engagement und der liebevollen Fürsorge der Chefin.

 

Alte Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Jedes Eckchen ist liebevoll bepflanzt. Im lauschigen Garten tummeln sich Hummeln und Schmetterlinge, alles grünt und blüht wie bezahlt.

Ein wundervolles Plätzchen – umgeben von Weinbergen, der stimmungsvollen Kirche und mit Blick auf die Ruine der Grevenburg.

 

Gruppenraum in der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss ist freundlich und hell. Hier trifft man sich abends auf ein Glas Wein, zum Plaudern. Und morgens natürlich zum Frühstück – von dem inzwischen jeder Gast schwärmt.

Im Regal stapeln sich die selbstgemachten Marmeladen aus Weinbergpfirsichen, Holunderblüten, Pflaumen… Ulrike Böcking bringt alles, was die Region hergibt, ins Glas.

Günstig übernachten

Mittlerweile hat sich die besondere Atmosphäre der Alten Lateinschule natürlich herumgesprochen. So werden etwa 600 bis 700 Übernachtungen pro Sommer gezählt.

 

Ulrike Böcking, Leiterin der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Ganze Familien mieten sich gelegentlich am Wochenende ein. Denn Ulrike Böcking bietet nicht nur Fußgängern auf dem Camino entlang der Mosel Unterkunft und Rast. 

Bei ihr ist jeder willkommen, der es aushält mit anderen Leuten in einem Raum zu schlafen, sagt die Herbergsmutter.

Gerade mal 20 Euro kostet die Übernachtung inklusive Frühstück. Für Bettwäsche werden noch drei Euro berechnet. Wer möchte, sucht sich eine Farbe aus.

 

Schlafsaal in der Alten Lateinschule in Traben-Trarbach.

 

Bis zu elf Leute finden in dem kleinen Schlafsaal unterm Dach Platz. Eine Treppe führt hinauf in die „Suite” – eine winzige Empore mit zwei Betten.

Abends legt sich der müde Pilger hier auf sein Lager, hofft darauf, dass niemand schnarcht – und ist dann mal weg.

 

Info: Wo, wie teuer, Kontakt

Alte Lateinschule
Ulrike Böcking
Kirchgasse 23

56841 Traben-Trarbach
Mobil  0 171 - 384 36 01

20 Euro pro Übernachtung mit Frühstück

www.altelateinschule.de

 

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2 Kommentare zu “Traben-Trarbach für Pilger: Hier will keiner weg

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