Weihnachtsmarkt mal anders: Im Hades von Traben-Trarbach

Eigentlich geht Weihnachtsmarkt so: Glühwein trinken, Reibekuchen essen, in der Kälte stehen. Budenzauber über der Erde kennt jeder. Anders in Traben-Trarbach: Hier weihnachtet es in der Unterwelt. 

Weihnachtsmarkt, Traben-Trarbach

Alle Jahre wieder… zieht die Karawane über die Brücke in Richtung Moselschlösschen. Ganz Traben-Trarbach ist in bunte Lichter gehüllt. Das Brückentor, die prächtigen Villen. Die Ruine der Grevenburg scheint über dem Städtchen zu schweben. Alles glitzert!

Das ist die Kulisse für das ungewöhnlichste Advents-Spektakel in der Region. Zwar schmecken die gebrannten Mandeln genauso wie auf jedem anderen Weihnachtsmarkt. Aber hier findet das Treiben vor allem unter dem Pflaster der Straße statt.

Und unter dem Hotel am Moselufer liegt einer der Eingänge in Traben-Trarbachs historische Unterwelt. 

Traben-Trarbach: Eingang in den unterirdischen Weihnachtsmarkt

Der Eingang unter dem Hotel Moselschlösschen.

Ein langer, illuminierter Schacht führt im Halbdunklen tief in die Erde hinein. Früher wurden über diesen Gang dicke Eichenholz-Fässer mühsam nach draußen gerollt.

Das ist jedoch lange her. Inzwischen gibt es hier – nun schon zum siebten Mal in Folge – ab Ende November die volle Vorweihnachtsdröhnung.

Am Ende des Tunnels eröffnet sich ein großer, freundlicher Platz. Unter Gewölbedecken stehen bunte Stände zwischen Basaltsäulen und geschmückten Tannen. Das ist der unterirdische Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach

Stände im stimmungsvollen Kellergewölbe

Fast die gesamte Altstadt von Traben-Trarbach ist unterkellert. Nirgends an der Mosel gibt es so viele Gewölbe wie hier. Sie erzählen von der Zeit als der Riesling noch in die Kristallpokale der Reichen und Wichtigen dieser Erde floss. Denn um 1900 war Traben-Trarbach einer der wichtigsten Weinumschlagplätze im deutschen Kaiserreich.

Die Herren der Weinberge verschifften ihre Tropfen in die Nachbarländer und nach Übersee. Deutsche Gewächse schmückten die Weinkarten der Grand Hotels in London, Paris und New York.

Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach

 

Aus dieser Zeit stammen auch die schönen Villen in dem Doppel-Städtchen. Denn wer damals auf sich hielt, heuerte den Berliner Architekten Bruno Möhring an. Der berühmte Baumeister schuf Gesamtkunstwerke bis hin zu den Türklinken und Fliesen.

Eines davon kann man heute sogar bewohnen: Das elegante Hotel Bellevue. Dort speist und nächtigt man in Jugendstil vom Feinsten. Und während der Adventszeit starten an der edlen Herberge immer samstags um 11 Uhr spannende Führungen durch die historischen Keller.

Weil die Händler immer mehr Platz brauchten für ihre Fässer, wurde damals ein Schiefer- oder Sandsteingewölbe nach dem anderen gebaut, teilweise sogar in mehreren Stockwerken untereinander.  

Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach

 

Und immerhin vier davon beherbergen nun den ungewöhnlichen Markt. Genauer gesagt: den Wein-Nachts-Markt.

Der Duft nach gebrannten Mandeln und Zimt liegt in der Luft. Auf die Ohren gibt’s einen Geräuscheteppich aus Stimmengewirr und adventlichen Klängen. Jingle bells ist der Song der Stunde.

Mehr Weihnachtsmarkt geht nicht

Die Märkte geben so ziemlich alles her, was man an weihnachtlichen Ständen überhaupt aufwarten kann: Gewürzhändler bieten ihre Ware feil, ebenso wie Kunsthandwerker und Schmuckdesigner.

Hier kann man überall in Ruhe gucken, kaufen und kosten. Schokolade, Käse oder doch lieber Wurst? Von der Mosel, aus dem Hunsrück, aus der Eifel? 

Händler haben Salami und Gebäck mitgebracht. Hier werden Brötchen mit Gegrilltem verkauft, dort gebrannte Mandeln über den Tresen gereicht. Es gibt Brotaufstriche, Öle, Uhren und Klamotten aus Strick.

Weihnachtsmarkt in Traben-Trarbach

 

Weinbauer und Schnapsbrenner schenken ihre Schätze aus, eine tragende Rolle spielt dabei der Weinbergpfirsich. Glühwein gibt’s unter Tage natürlich auch. Allerdings wird er hier mit Weißwein gemacht. 

Nach dem Auftauchen an der Erdoberfläche lohnt sich auch ein Besuch der  Lego- Ausstellung „1000 Steine”. Wer mag,  dreht ein paar Runden auf der Schlittschuhbahn vor dem Stadthaus Alter Bahnhof.

Und wer noch mehr überirdischen Budenzauber erleben möchte, der lässt sich halt mit dem Shuttlebus zum Weihnachtsmarkt in Bernkastel kutschieren.

Noch bis zum 1.Januar können Besucher in das mystische Halbdunkel der Wein-Unterwelt steigen. Für viele ist es der schönste Weihnachtsmarkt weit und breit.  

 

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