Weshalb die Paulskirche bei Lieser ein echter Geheimtipp ist

Manches Kleinod an der Mosel liegt im Verborgenen und wird von Ortsunkundigen meist nur zufällig entdeckt. Die kleine Paulskirche ist so eine versteckte Perle. Ein besonderer Ort voller Ruhe, Ausstrahlung und Kraft.

 

Die Paulskirche in den Weinbergen über Lieser

Mitten in den Weinbergen, etwa zwei Kilometer von Lieser entfernt, erhebt sich die vermutlich älteste Kapelle der Region. Wer auch immer diesen Berg gewählt hat, um darauf eine Kirche zu errichten, hat großes Geschick bei der Wahl der Lage bewiesen.

Denn die Aussicht über einige ehemalige Moseltäler ist atemberaubend. Der Blick schweift über Maring-Noviand und Lieser. In der Ferne sieht man Veldenz und Burgen.

Wunderbar, was hier für eine Landschaft entstanden ist, weil sich die Mosel auf ihrem Weg nach Koblenz vor über 100 000 anders entschied. So lange liegt das Flussbett unterhalb der Paulskirche schon trocken.

 

Aussicht von der Paulskirche an der Mosel

 

Auch die Ursprünge des kleinen Gotteshauses reichen immerhin wohl bis in vorchristliche Zeiten zurück. Der Legende nach befand sich einst eine Kultstätte an selber Stelle. In Dokumenten wird eine Kirche im 13. Jahrhundert erwähnt.

Doch mit immerhin gut 400 Jahren blickt auch das bestehende Bruchsteingebäude auf eine lange, bewegte Geschichte zurück. Denn trotz der abgeschiedenen Lage ist in dem Kirchlein von jeher viel los.

Trubel in der Paulskirche

So pilgerten im Mittelalter die Gläubigen aus vierzehn Dörfern wegen einer Kreuzrelique her. Während der Revolution entwickelte sich die Paulskirche dann zum Treffpunkt der Demokraten von Eifel und Mosel.

Tatsächlich versammelten sich am 8. Oktober 1848 auf dem Paulsberg 15 000 Menschen zu einer der größten Kundgebungen der Rheinprovinz.  

 

Der Innenraum der Paulskirche

Zuvor wohnten 200 Jahre lang Eremiten in einer Klause. Der letzte seiner Art, Johann Christoph, war als „Paulsbruder Rickes“ in der Gegend bekannt. Er hielt sich Ziegen, läutete die Glocke, kümmerte sich um die Andacht und hielt die kleine Kapelle in Schuss.  

Nachdem der letzte Einsiedler gestorben war, machten sich jedoch Plünderer über die Einrichtung her. Viehtreiber nutzen das unbehütete Gotteshaus als Schutzhütte und sollen sich bei Gewitter gar mitsamt Kühen darin untergestellt haben.

 

Paulskirche, Mosel, Wein

Im Vorraum der Kirche stehen Getränke bereit

Auch heute noch wird das Kirchlein an Sonn- und Feiertagen von Einheimischen, Wanderern und zufälligen Passanten gut besucht. Ab 10 Uhr stehen die Türen offen.

Wer plaudern möchte über Gott und Welt, findet an dem inspirierenden Ort schnell Gesellschaft. Doch auch wer Stille sucht, findet sie auf dem Paulsberg.

Hier kann man Kraftstoff für die Seele tanken. Und im Vorraum der Kirche werden Wein von heimischen Winzern und natürlich auch alkoholfreie Getränke ausgeschenkt.

 

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