Alken: Die einzige Doppelburg, Totenschädel und das Moosemannfest

Die einzigartige Burg Thurant. Eine 1000 Jahre alte Kirche. Eines der letzten Beinhäuser Deutschlands und das Moosemannfest. Das alles und noch mehr gibt es in Alken an der Mosel zu entdecken.

 

Alken, Mosel, Thurant

Die Burg Thurant im Weinberg.

Auf den ersten Blick wirkt Alken so idyllisch. Und das ist das Winzerdörfchen natürlich auch. Schon von Weitem sieht man die Doppelburg Thurant mit ihren beiden auffälligen Türmen. Und im Ortskern steht ein hübsches Fachwerkhäuschen neben dem anderen.

Zweifelsohne ist Alken einer dieser Orte, an dem die Zeit ein kleines bisschen langsamer abzulaufen scheint.

Doch mittendrin versteckt sich eine Sehenswürdigkeit der ungewöhnlichen Art. Sicherlich ein bisschen unheimlich. Dennoch einzigartig und unbedingt einen Besuch wert. 

Alken, Mosel, Fallerport

Das ehemalige Stadttor, der Fallerport

Aber der Reihe nach. 

Das kleine Alken ist eines der ältesten Dörfer am Fluss. Mit seiner mittelalterlichen Atmosphäre hat Alken schon viele Besucher um den Finger gewickelt. Vor allem aber präsentiert sich in den verwinkelten Gassen der rund 700 Seelen-Gemeinde so manch historischer Schatz.

Sehenswürdigkeiten in Alken

Natürlich lohnt sich eine Besichtigung der Burg Thurant. Immerhin ist sie die einzige Doppelburg an der Mosel. Und so verwunschen wie im Märchen.

Einmal im Jahr erinnert das Moosemannfest an deren Eroberung und Teilung durch die Erzbischöfe von Köln Trier. Denn damals gelang es einem Junker, den Belagerern mit einem Trick zu entkommen, um Hilfe zu holen. Heute wird sein Mut immer am dritten Fastensonntag mit einem Umzug in Alken gefeiert. 

Alken, St.Michael

Treppenaufgang zu St. Michael

Ein weiteres Glanzlicht, dennoch weit weniger bekannt, ist die altehrwürdigen St. Michaelskirche. Normalerweise sollte man ja die Kirche im Dorf lassen. Doch das Kleinod steht schon seit über 1000 Jahren auf einer Anhöhe über den Dächern der Häusern.

1000 Jahre St. Michaelskirche

Ein charmanter Treppenaufgang, gesäumt von 14 Kreuzwegstationen, führt zu der einstigen Pfarrkirche von Alken hinauf. Wer sie beschreitet, den empfängt ein atmosphärischer Ort der Stille. 

Doch schon so mancher wollte seinen Augen nicht trauen: Denn durch ein Eisengitter ist deutlich zu erkennen, was sich unter der Kirche verbirgt.

Alken, Gebeinhaus

Skelette im Alkener Gebeinhaus

Tatsächlich stapeln sich dort die Schädel und Knochen von Toten, deren Namen schon lange niemand mehr kennt. Der Anblick leerer Augenhöhlen lässt so manch sensible Seele frösteln.

Solche sogenannten Gebeinhäuser oder Beinhäuser waren um 1300 in katholischen Gegenden ganz normal. Doch warum gibt es einen solchen Ort überhaupt? Weil man früher nicht mehr wusste, wohin mit den Toten.

Beinhäuser in Deutschland

Einst diente das Gebeinhaus als Ausweichquartier, wenn der angrenzende kleine Friedhof komplett belegt war. Um zeitiger Platz für neue Ruhestätten schaffen, wurden die Überreste der Verstorbenen wieder ausgegraben und umgebettet in den geweihten Raum unter der Kirche.

Alken, alter Friedhof, Basaltkreuze

Reste der Stadtmauern und Grabsteine

Hierzulande gibt es heute nur noch wenige solcher mit Skeletten gefüllten Häuser. Zum Beispiel in Oppenheim, dem größten seiner Art. Auch in den bayerischen Orten Cham und Greding. Und eben an der Mosel in  Alken.

Ebenso bemerkenswert ist auch das Innere der alten Kirche mit ihren Statuen und Wandmalereien. Allerdings stehen die Türen nur ab Ostern bis zum 31. Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr offen. Und auf dem angrenzenden Friedhof sind bis heute Basaltsteinkreuze mit Jahreszahlen des 16. Jahrhunderts zu sehen.  

Wehrturm am Hotel-Restaurant

Auf steinerne Zeugnisse der ellenlangen Stadtgeschichte trifft man in Alken an jeder Ecke. Erhalten blieb zum Beispiel auch die Wiltburg, erbaut ab 1350 als Burghaus der Trierer Erzbischöfe.

Alken, Wiltburg

Die Wiltburg unterhalb der alten Kirche

Gleich nebenan, in der Wiltberger Kellerei, lagern in 300 Jahre alten Kellergewölben Eichenfässer mit Wein. Wer mag, meldet sich zu einer Weinprobe an.

Auch viele der stattlichen Fachwerkhäuser überdauern schon Jahrhunderte an Ort und Stelle. Wie eine Inschrift an einer Hauswand zeigt, sind die Alkener zuversichtlich, dass es auch noch lange so bleibt.  

Alken, Tafel an Hauswand

Tafel an einem Haus in Alken

Und dann ist da auch noch der dicke Wehrturm an der Mosel, den man sich angucken kann. Früher mussten die Schiffsleute dort Zoll bezahlen, heute gehört er zu dem angrenzenden Hotel-Restaurant.

Empfehlenswert ist ein Blick in die hübsche Blumengasse und auf das Haupttor der Stadtbefestigung von 1256, dem so genannten Fallerport. 

Alken, Mosel, Zollturm

Der Zollturm am Moselufer

Es gibt Häuser aus der Ritterzeit. Ebenso die Reste einer Keltenstätte. Und natürlich die neue St. Michaelskirche von 1849 mit ihrem barocken Altar. 

Zuviel versprochen? Wie man sieht, ist es eine echte Schatzkiste, dieses Alken. Übrigens: Zum Moosemannfest sind die Tore der Burg Thurant zur kostenlosen Besichtigung geöffnet, ebenso wie die Alte St. Michaelskirche und das historische Stadttor Fallerport.

 

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