Alken: Die einzige Doppelburg, Totenschädel und das Moosemannfest

Die Burg Thurant. Eine 1000 Jahre alte Kirche. Eines der letzten Beinhäuser Deutschlands und das mittelalterliche Moosemannfest. Das alles und noch mehr gibt es in Alken an der Mosel zu entdecken.

Alken, Mosel, Thurant

Die Burg Thurant im Weinberg.

Auf den ersten Blick wirkt Alken so idyllisch. Und das ist das Winzerdörfchen natürlich auch. Schon von Weitem sieht man die Doppelburg Thurant mit ihren beiden auffälligen Türmen. Und im Ortskern steht ein hübsches Fachwerkhäuschen neben dem anderen.

Zweifelsohne ist Alken einer dieser Orte, an dem die Zeit ein kleines bisschen langsamer zu laufen scheint. Doch mittendrin versteckt sich eine Sehenswürdigkeit der ungewöhnlichen Art. Sicherlich ein bisschen unheimlich. Dennoch einzigartig und unbedingt einen Besuch wert.

Aber der Reihe nach.

Alken und das Moosemannfest

Das kleine Alken ist eines der ältesten Dörfer am Fluss, etwa 26 Kilometer entfernt von Koblenz gelegen. Mit seiner mittelalterlichen Atmosphäre hat der Weinort schon viele Besucher um den Finger gewickelt. Vor allem aber präsentiert sich in den verwinkelten Gassen der rund 700 Seelen-Gemeinde so manch historischer Schatz.

Alken, Mosel, Fallerport

Das ehemalige Stadttor, der Fallerport

Natürlich lohnt sich immer eine Besichtigung der Burg Thurant. Immerhin ist sie die einzige Doppelburg an der Mosel. Und so verwunschen wie im Märchen.

Einmal im Jahr erinnert das Moosemannfest mit einem ritterlichen Spektakel an deren Eroberung durch die Erzbischöfe von Köln und Trier. Dabei steht der tapfere Junker Emmerich von Leiningen im Mittelpunkt des Geschehens, weil er im Jahr 1248 versuchte, das Einnehmen der Burg zu verhindern.

Mit einem Trick soll es ihm damals gelungen sein, den Belagerern zu entkommen: Um Hilfe zu holen, tarnte er sich in einem Ballen aus Moos und rollte ins Tal hinab. Doch vergebens. 

Dennoch wird sein Mut von altersher alljährlich im Frühjahr mit einem Aufgebot an Ständen und einem Umzug einen ganzen Tag lang gefeiert. Dafür wird auf einer Bahre ein geschmückter Tannenbaum befestigt, unter dem sich ein kleiner, in Moos gehüllter Junge versteckt.

Sehenswürdigkeiten in Alken

Angeführt von einer Kapelle zieht die mittelalterlich kostümierte Karawane durch die Gassen von Alken. Begleitet von Kindern mit Weinbergspfählen in der Hand, die Speere symbolisieren. Die Waffen werden zum Schluss gegen Brezel getauscht. Aber nicht von irgendjemand. Diese Aufgabe übernimmt immer das zuletzt in Alken getraute Paar. 

Alken, St.Michael

Treppenaufgang zu St. Michael

Nach dem Umzug darf die bekannteste Sehenswürdigkeit des Dorfes, die Burg Thurant, kostenlos besichtigt werden. Ebenso stehen die Türen der altehrwürdige  St.Michaelskirche offen.

Normalerweise sollte man ja die Kirche im Dorf lassen. Doch das Kleinod ruht schon seit über 1000 Jahren auf einer Anhöhe über den Dächern.

1000 Jahre St. Michaelskirche

Ein charmanter Treppenaufgang, gesäumt von vierzehn Kreuzwegstationen, führt hinauf zu der einstigen Pfarrkirche von Alken. Wer sie beschreitet, den empfängt ein atmosphärischer Ort der Stille. 

Doch schon so mancher wollte seinen Augen nicht trauen. Denn durch ein Eisengitter ist deutlich zu erkennen, was sich unter der Kirche verbirgt.

Alken, Gebeinhaus

Skelette im Alkener Gebeinhaus

Tatsächlich stapeln sich dort die Schädel und Knochen von Toten, deren Namen schon lange niemand mehr kennt. Der Anblick leerer Augenhöhlen lässt so manch sensible Seele frösteln.

Zwar waren solche sogenannten Gebeinhäuser oder Beinhäuser um 1300 in katholischen Gegenden ganz normal. Doch warum gibt es einen solchen Ort überhaupt? Weil man früher nicht mehr wusste, wohin mit den Toten.

Beinhäuser in Deutschland

Einst diente das Gebeinhaus als Ausweichquartier, wenn der angrenzende kleine Friedhof komplett belegt war. Um zeitiger Platz für neue Ruhestätten schaffen, wurden die Überreste der Verstorbenen wieder ausgegraben und umgebettet in den geweihten Raum unter der Kirche.

Alken, alter Friedhof, Basaltkreuze

Reste der Stadtmauern und Grabsteine

Hierzulande gibt es heute nur noch wenige solcher mit Skeletten gefüllten Häuser. Zum Beispiel in Oppenheim, dem größten seiner Art. Auch in den bayerischen Orten Cham und Greding. Und eben an der Mosel in  Alken.

Ebenso bemerkenswert ist auch das Innere der alten Kirche mit ihren Statuen und Wandmalereien. Allerdings stehen die Türen nur ab Ostern bis Ende Oktober an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr offen. Und auf dem angrenzenden Friedhof sind bis heute Basaltsteinkreuze mit Jahreszahlen des 16. Jahrhunderts zu sehen.  

Wehrturm am Hotel-Restaurant

Auf steinerne Zeugnisse der ellenlangen Stadtgeschichte trifft man in Alken an jeder Ecke. Erhalten blieb zum Beispiel auch die Wiltburg, erbaut ab 1350 als Burghaus der Trierer Erzbischöfe.

Alken, Wiltburg

Die Wiltburg unterhalb der alten Kirche

Gleich nebenan, in der Wiltberger Kellerei, lagern in 300 Jahre alten Kellergewölben Eichenfässer mit Wein. Wer mag, meldet sich zu einer Weinprobe an.

Auch viele der stattlichen Fachwerkhäuser überdauern schon Jahrhunderte an Ort und Stelle. Wie eine Inschrift an einer Hauswand zeigt, sind die Alkener zuversichtlich, dass es auch noch lange so bleibt.  

Alken, Tafel an Hauswand

Tafel an einem Haus in Alken

Und dann ist da auch noch der dicke Wehrturm an der Mosel, den man sich angucken kann. Früher mussten die Schiffsleute dort Zoll bezahlen, heute gehört er zu dem angrenzenden Hotel-Restaurant.

Empfehlenswert ist ein Blick in die hübsche Blumengasse und auf das Haupttor der Stadtbefestigung von 1256, dem so genannten Fallerport. 

Alken, Mosel, Zollturm

Der Zollturm am Moselufer

Es gibt Häuser aus der Ritterzeit. Ebenso die Reste einer Keltenstätte. Und natürlich die neue St. Michaelskirche von 1849 mit ihrem barocken Altar. 

Zuviel versprochen? Wie man sieht, ist es eine echte Schatzkiste, dieses Alken. Übrigens: Zum Moosemannfest ist auch das historische Stadttor Fallerport geöffnet, wo man sich ein Modell von Alken im Maßstab 1:72 ansehen kann.

 

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