Ehrenburg: Leute, stürmt diese Burg!

Die Ehrenburg in Brodenbach kann mehr als nur gut aussehen. Geboten werden historische Handwerkskunst, Krimidinner oder Kurzurlaub im Reisewagen – aber immer mit dem Sound des Mittelalters. Die feiste Hanne heizt für Gäste den Kessel an.

Ehrenburg, Brodenbach

Die Ehrenburg steht über Brodenbach im Hunsrück.

Manche sagen, das Mittelalter sei mit der Erfindung des Buchdrucks zu Ende gegangen. Andere sehen die Reformation, die Entdeckung Amerikas oder die Renaissance als Schlusspunkt. Doch auf der Ehrenburg kann man den Eindruck bekommen, die Epoche dauere immer noch an.

An Sonn- und Feiertagen wird in den Höfen und Bastionen geschmiedet, getöpfert oder duftendes Fladenbrot gebacken. Gewandete Mägde reichen Getränke, Hobel kratzen über Holz, Lautenklänge liegen in der Luft. Kinder lauschen dem Geschichten-Erzähler, schauen dabei zu wie aus einem Klumpen Ton Geschirr entsteht oder üben sich im Filzen. Zum typischen Sound des Mittelalters brutzelt der Küchenmeister Leckeres über knisterndem Feuer.

Handwerkskunst wie im Mittelalter

Auf der Ehrenburg scheinen die Uhren stehen geblieben zu sein. Um das Jahr 1500 herum. Die Ritter von Ehrenburg und ihr Gesinde katapultieren Besucher und Besucherinnen wie mit einer Zeitmaschine in vergangene, längst nicht immer düstere Jahrhunderte zurück.

Historisches Handwerk, Mittelalter, Lebendige Burg
Foto: Freundeskreis der Ehrenburg e.V

Töpfern gehört zu den historischen Handwerkskünsten.

Dabei gibt es kein überzuckertes Brimborium oder präparierten Kitsch – stattdessen echtes, historisches Handwerk. Die mittelalterliche Kultur wird so authentisch wie möglich gezeigt. Sei es beim Töpfern, Schmieden und Schnitzen oder beim Backen nur mit Kräutern, die schon damals zur Verfügung standen. Oder dass man beim Bogenschießen selber merkt, wie schwer es doch ist, mit den Pfeilen das Ziel zu treffen.

„Lebendige Burg” nennt sich das Spektakel, das im Sommer Scharen von begeisterten Familien in die Wälder bei Brodenbach treibt. Was vielen wichtig ist: Auch Hunde sind willkommen.

Ehrenburg thront über Brodenbach

An der Terrassenmosel scheint es kaum einen Hügel ohne Burg zu geben. Doch im Gegensatz zu den Burgen Thurant oder Bischofstein, die sich auf den Hängen in Sichtweite vom Moselufers aufbauen, versteckt sich die Ehrenburg seit über 850 Jahren auf einem Felssporn über dem Ehrenbachtal.

Erst einmal raufkommen ist auch ohne Ritterrüstung kein leichtes Unterfangen. Ab Brodenbach führt der etwa 18 Kilometer lange Traumpfad Bergschluchtenpfad mit ordentlichen Anstiegen zu dem mächtigen Bauwerk über diesem herrlich grünen Seitental der Mosel. Motorisiert ist die Eroberung der Burg zwar bequemer, doch allzu schwach auf der Brust sollte das Auto nicht sein. Denn vom Ort schrauben sich sehr steile Serpentinen über die K 72 gut fünf Kilometer den Postberg hoch.

Vom Parkplatz sind es zu Fuß noch etwa 500 Meter bergab. Wer nun Brücke und Burgtor hinter sich lässt, findet sich im Vorhof der Ehrenburg wieder: Ein wuchtiger Turm, uraltes Gebälk, massive Portale und dicke Mauern, die das ganze umzingeln. Sogar der Magier Catweazle war schon da, denn der Kinofilm mit Otto Waalkes wurde hier gedreht. Man befindet sich in einer bestens gepflegten Mittelalter-Kulisse.

Ehrenburg, Brodenbach, Zugbrücke

Über eine Brücke geht es in den Innenhof.

Verein beschützt das Kulturgut Ehrenburg

Dabei hat die Ehrenburg in der Vergangenheit einiges mitgemacht. Sie wurde angegriffen, beschädigt, wieder instandgesetzt, erweitert, besetzt. Immer wieder wechselten die Eigentümer. Doch am 30. April 1689, ojemine, legten französischen Truppen Lunten und sprengten große Teile der Burganlage in die Luft.

Dass man heute dennoch in ein intaktes Stück Mittelalter eintauchen kann, ist den Besitzern Gerhard Kurz und Thomas Schulz-Anschütz und dem Freundeskreis der Ehrenburg zu verdanken. Seit 1992 kümmert sich der gemeinnützige Verein darum, das dieser wichtige Zeitzeuge der Nachwelt noch lange erhalten bleibt. Deshalb haben die Männer und Frauen die Ruine behutsam Stück für Stück wieder aufgebaut und so eingerichtet, dass man sich zwischen antiken Möbeln und Ahnenportraits tatsächlich in einer echten Ritterburg wähnt.

Gauklertage und Höfische Tafeley

Aber von wegen Ritter-Romantik. Der Alltag auf so einer Burg war damals eintönig, zugig und hart. Umso mehr freuten sich die Bewohner und Bewohnerinnen über Besuch von fahrendem Volk. Reisende Gaukler und Musikanten kamen, um die Runde mit derben Scherzen, Gesängen und Tanz zu unterhalten, Jongleure demonstrierten ihr Können.

Gaukler, Mittelalter, Ehrenburg

Musiker beschallen die Ehrenburg. Foto: Freundeskreis der Ehrenburg e.V

Bis heute zelebrieren Minnesänger und Spielleute auf der Ehrenburg spezielle Themenfeste. Etwa das Hexentreiben am 1. Mai, das Zehntfest mit feierlicher Knappenerhebung oder die Gauklertage immer Anfang Oktober. Aber auch klassische Literatur, Kabarett oder alte und neue Musik werden bei den regelmäßig stattfindenden Kulturkleinodien in Szene gesetzt. Dabei dienen der Rittersaal, Gewölbe oder der Bergfried als (Freiluft-) Bühnen.

Opulente Feste wie „Die Höfische Tafeley” mit exquisitem Vier-Gang-Menü und Burgerkundung im Fackelschein zählten schon damals zu den Höhepunkten des Jahres.

Krimidinner und Burgbrunch

Während andere Mosel-Burgen am Ende der Touristensaison bis zum Frühjahr ihre Eingangsportale verrammeln, ist auf der Ehrenburg auch im Winter noch was los. Beim Dinnerkrimi etwa präsentieren Schauspieler und Küchenmeister Gaumen- und Ohrenschmaus nach alter Rezeptur – die Gäste ermitteln im Mordfall mit.

Und unter dem Titel „Ehrenburger Frühgelage“ können sich Langschläfer an ausgesuchten Sonntagen zwischen 11 und 15 Uhr nach Lust und Laune am Burgbüfett bedienen. Auch wenn Besuch von Außerhalb kommt, ist man in der Ehrenburg sicher nicht verkehrt.

Erst wandern dann Gelage

Ehrenburg, Bergfried

Der Bergfried kann besichtigt werden.

Auch abseits des Programms heißen die Ehrenberger Ritter Ausflügler die Woche über im bewirtschafteten Innenhof willkommen. Die Gegend drumherum ist ein beliebtes Wandergebiet und man hat ja mal Hunger! Auf der Speisekarte stehen zum Beispiel kräftige Suppen aus dem Kessel der feisten Hanne oder des Pfalzgrafen Leibgericht, Hunsrücker Spießbraten mit Zwiebelsoße. Auf dass der Wanst Euch spanne!

Zu entdecken gibt es extravagante Festungsarchitektur mit schummrig beleuchteten Gängen und mehrgeschossigen Kellergewölben. Eine Einzigartigkeit ist der rund 20 Meter hohe Bergfried, der aus zwei runden miteinander verbundenen Türmen besteht. Das sieht man auf Burgen längst nicht alle Tage.

Der rätselhafte Doppelturm der Ehrenburg

Was sich die Bauherren dabei dachten, wissen die Wissenschaftler bis heute nicht. Vielleicht wollten zwei Familien, die dort lebten, je einen eigenen Turm. Vermutlich aber dienten die Türme der Verteidigung und der Lagerung von Waren.

Natürlich dürfen Ausflügler von dem eigenwilligen Bauwerk die Aussicht auf die Landschaft genießen. Im Inneren führt eine spiralförmig angelegte Rampe hinauf in den Hof der Oberburg. Über eine krumme Wendeltreppe geht es noch ein Stückchen höher hinaus. Oben angekommen, eröffnet sich auf der Plattform ein 360-Grad-Panorama.  Aus der Vogelperspektive sieht es so aus, als hätte der Ehrbach eine grüne Schlucht zwischen die Hunsrückhügel gegraben.

Ein 16 Kilometer langer Wanderweg führt durch dieses Tal, in dem sich die Natur noch genauso ursprünglich zeigt, wie sie es wahrscheinlich schon vor hunderten von Jahren getan hat. Das Sahnestück ist die wildromantische Ehrbachklamm – denn an dieser Stelle verengt sich das Tal zu einer rund anderthalb Kilometer langen Schlucht mit moosbewachsenen Felsen, knarzigen Stegen, Farnen und winzigen Wasserkaskaden.

Hochzeit auf der Ehrenburg

Ehrenburg, Hotel, Zimmer

Eine Kemenate im Hotel der Ehrenburg. Foto: Freundeskreis der Ehrenburg e.V

Das wohl romantischsten Plätzchen auf der Burg ist die Kussnische, um die sich eine jahrhundertealte Legende rankt. Angeblich sollen Liebende, die sich hier küssen, für immer zusammen bleiben. Deswegen wird die Kussnische häufig von frischgebackenen Hochzeitspaaren frequentiert, die sich in den alten Gewölben der Oberburg oder im Rittersaal standesamtlich trauen lassen. Sicher ist sicher.

Auch ein Burggespenst soll es geben, den stillen Heinrich. Doch um den störungsfreien Gesellen zu erleben, muss man schon eine Nacht auf der Ehrenburg verbringen. Vielleicht auf Bett und Fell im fest installierten mittelalterlichen Reisewagen. Oder im Hotel, um die frühere Burgeinsamkeit nachzuempfinden. Zur Verfügung stehen dreizehn rustikale Kemenaten – moderner Komfort mit Dusche und Heizung inbegriffen. Denn so wirklich zurück ins Mittelalter wollen die meisten Gäste doch lieber nicht.

 

Infos für den Besuch der Ehrenburg

Adresse: Ehrenburg, 56332 Brodenbach, www.ehrenburg.de

Öffnungszeiten: Ostern bis zum 1. November, montags bis samstags 10 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr. Die Burggastronomie ist zu diesen Zeiten ebenfalls geöffnet.

Preise: Montags bis samstags: Erwachsene 4 €, Kinder 3 €, Familiensonntage Lebendige Burg: Erwachsene 5,50 €, Kinder 4,50 €, Themenfeste: Erwachsene 8 €, Kinder 6 €, Familienkarte (Eltern und zwei Kinder) 23 €.

Anfahrt: Über die Hunsrückhöhe (A61 und B327): A61 Ludwigshafen-Köln, Ausfahrt Boppard, rechts auf die B327. Nach 800m in der Ortschaft Buchholz im Kreisel links Richtung Brodenbach/Ehrenburg ab. Nach 6,5km finden Sie links die Einfahrt zur Ehrenburg.

Über die Mosel: ab Brodenbach über die K72 den Postberg hoch. Nach 5 Kilometern liegt rechts die Einfahrt zur Ehrenburg. Achtung: nur für Autos bis maximal 2,5 Metern Höhe und 6 Metern Länge geeignet.