Es muss nicht immer die Ehrenbreitstein sein. Über Traben-Trarbach gibt es doch noch eine andere Festung, die besichtigt werden kann: Die Mont Royal. Die Sache hat allerdings einen winzigen Haken.
Ist an der Mosel von einer Festung die Rede, ist in der Regel die Ehrenbreitstein gemeint. Die Ausmaße des Bollwerks sind ja auch gigantisch. Schon von weitem sieht man das imposante Gemäuer, das auf einem Hügel gegenüber der Moselmündung über Koblenz wacht.
Bis 1918 hatte dort Kaiser Wilhelm II. das Sagen. Reisende unserer Tage können die einst als uneinnehmbar geltende Preußen-Festung bequem mit der Seilbahn erobern. Denn heute ist sie Unesco-Weltkulturerbe, Sitz des Landesmuseums Koblenz und ein allseits bekanntes Ausflugsziel. Anders die Mont Royal bei Traben-Trarbach.
Zwar war auch die Mont Royal eine Festung von beachtlicher Dimension. Sogar eine der größten ihrer Zeit. Der französische König Ludwig XIV. (1638-1715) ließ sie auf dem gleichnamigen Halbinselberg oberhalb von Traben-Trarbach errichten. Doch die Festung gilt immer noch als Geheimtipp, auf die Spaziergänger abseits touristischer Pfade meist nur zufällig stoßen.
Cyberbunker machte Mont Royal bekannt
International bekannt wurde der Mont Royal wegen einer ganz anderen, sozusagen zeitgenössischen Festung, die fünf Geschosse tief in die Erde ragt. Postadresse: Über den Weinbergen 1. Dabei handelt es sich um eine Immobilie mit krimineller Vergangenheit.
In der früheren Nato-Bunkeranlage befand sich fast vier Jahrzehnte lang das Amt für Wehrgeophysik. Doch nach dem Auszug der Bundeswehr und dem Verkauf, wurde daraus eine der wichtigsten Schaltstellen für organisierte Kriminalität im Internet. Oberirdisch gibt es einige Zweckbauten und einen verkommenen Hubschrauberlandeplatz zu sehen. Unterirdisch beherbergt das Gelände einen Serverpark, über den rund sechs Jahre lang illegale Geschäfte, etwa mit Waffen, Drogen oder ausgespähten Daten, abgewickelt wurden.
Erst bei einer filmreifen Razzia im September 2019 zogen Hundertschaften von Polizisten mit Hubschrauberunterstützung die Betreiber des Cyberbunkers aus dem Verkehr.
Vom Cyberbunker zur Mont Royal
Nur wenige hundert Meter von dem mit Zäunen abgesperrten Areal entfernt liegen die übergrünten Ruinen der Festung Mont Royal. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. ließ sie ab 1687 als Teil des sogenannten Eisernen Gürtels zum Schutz der französischen Grenze errichten. Die Pläne dafür lieferte Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707).
Als treuer Berater des Königs trug Vauban erheblich zu dessen Machtstellung bei. Der französische Baumeister und General gilt als der bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit, war er doch an der Planung und dem Um- und Ausbau von über 170 Befestigungsanlagen in Frankreich und den Nachbarländern beteiligt.
Das Bauwerk von Vaubau an der Mosel
Eines seiner Glanzstücke ist die Garnisonsstadt Neuf-Brisach nahe der deutsch-französischen Grenzen, die neben elf anderen seiner gut erhaltenen Bauten zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Auch die Festungen in Saarlouis und Luxemburg gehen auf das Konto des genialen Generals.
Die Festung Mont Royal sollte als Operationsbasis und Versorgungsdepot für die rund 12.000 Soldaten starke Rheinarmee dienen. Von dem Plateau aus sollte die Armee in Richtung Osten aufbrechen. Dafür war die Lage auf dem knapp 300 Meter hohen Plateau strategisch ideal, legt sich doch die Mosel als schützende Schleife um den Halbinselberg.
Gigantische Festung auf dem Königsberg
Rund 8000 Fronarbeiter haben damals in einem atemberaubenden Tempo beim Bau der sündhaft teure Anlage auf dem Mont Royal geschuftet. Und tatsächlich standen schon innerhalb weniger Jahre fünf Bastionen, eine Zitadelle und weitere Werke, ebenso wie Privathäuser, ein Teil der Kasernen und über ein Dutzend Plätze und Straßen.
Der drei Kilometer lange Festungswall, auch die schwarze Mauer genannt, erreichte eine Höhe von bis zu 30 Metern. Das Areal breitete sich auf dem Bergrücken über eine Fläche von circa 50 Hektar aus, was etwa der Größe von 70 Fußballfeldern entspricht.
Doch – und genau das ist der Haken: Ihre militärische Bedeutung war nur von kurzer Dauer. Mit dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde die Festung im Jahr 1698 gemäß dem Frieden von Rijswijk wieder geschleift – also systematisch zerstört. Im Austausch gegen die Stadt Straßburg jagten die Franzosen die oberirdischen Bauwerke in die Luft.
Im Laufe der Zeit überwucherten Pflanzen und Bäume die Ruinen, die immer weiter verfielen. Erst ab 1929 wurden unter der Leitung des Heimatforschers Dr. Ernst Willen Spies die letzten Zeugnisse der Mont Royal ausgegraben – dabei halfen Originalpläne aus Pariser Militärarchiven.
Die Pläne und verschiedene Fundstücke sind während der Öffnungszeiten im Mittelmosel-Museum zu sehen. Aber die Reste der gewaltigen Mauern und Kasematten kann man, wenn man will, rund um die Uhr erkunden.
Die Entdeckungsreise beginnt am Wanderparkplatz in der Nähe des Flugplatzes auf dem Mont Royal, den man von Traben-Trarbach über die K 61 erreicht. Am Kletterwald Mosel Adventure Forest ist ein Faltblatt mit der Wegbeschreibung erhältlich. Doch man kann auch ohne Plan zum Spaziergang durch den wunderschönen Wald aufbrechen.
Festroute führt durch den Wald
Die Festungsroute schlängelt sich durch den Wald zu den gar nicht so leicht zu findenden, oft von Pflanzen überwucherten Überbleibseln. Zwischendurch eröffnen sich links und rechts immer wieder schöne Ausblicke auf die Mosel unten im Tal.
Bemerkenswert sind vor allem die unterirdischen Räume und Gänge, die man über schiefe Stufen begehen kann. Immer mit dabei ist dieses leicht unheimliche Gefühl, denn nur selten begegnet man unterwegs einem anderen Menschen. Denn bis heute hat sich nicht herumgesprochen, wie viel Interessantes die Ruine auf dem königlichen Berg auch nach ihrer Sprengung immer noch zu bieten hat.
Nicht nur Kinder lieben es, in die geheimnisvollen Höhlen zu leuchten. Denn die Festungsanlage im Wald ist wie ein riesiges Freiluftmuseum und gleichzeitig ein Ruhestifter. Und wer es historisch genauer wissen will, schließt sich einer Führung unter kundiger Leitung an. Tickets erhält man bei der Tourist-Information.
Restaurant im Zeichen der Mont Royal
Wer nach Kuchen oder magenfüllenden Speisen sucht, wird in der Flugplatzgaststätte Mont Royal oder im Ferienpark Landal mit zugehörigem Restaurant fündig.
Lange Zeit bot sich die Alte Stadt-Mühle am Trarbacher Weihertalplatz zum Einkehren an – sie steht schon immer in Verbindung mit der Mont Royal.
Denn als noch Wasser das Mühlrad antrieb, wurde in dem Gebäude Baujahr 1680 das Mehl für die Truppen auf dem königlichen Mehl gemahlen. Sehr viel später zog eine Gaststätte ein, die nach einem Brand im Jahr 2024 schließen musste.
Als die Polizei im September 2019 mit Hunderten von Polizisten und der GSG 9 oben auf dem Mont Royal den Cyberbunker stürmte, nahmen die Beamten zeitgleich drunten in der Stadt-Mühle neun Verdächtige beim Abendessen fest.
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