Mont Royal: Die geheimnisvollen Reste der Feste

Es muss nicht immer die Ehrenbreitstein sein. Über Traben-Trarbach gibt es doch auch eine Festung, die besichtigt werden kann: Die Mont Royal. Die Sache hat allerdings einen Haken.

Mont Royal, Eifel, Mosel

Reste der Festung beim Kletterwald.

Ist an der Mosel von einer Festung die Rede, ist in der Regel die Ehrenbreitstein gemeint. Die Ausmaße des Bollwerks sind ja auch gigantisch. Schon von weitem sieht man das imposante Gemäuer, das gegenüber der Moselmündung über Koblenz wacht.

Bis 1918 hatte dort Kaiser Wilhelm II. das Sagen. Reisende unserer Tage können die einst als uneinnehmbar geltende Preußen-Festung in wenigen Minuten bequem mit der Seilbahn erobern. Denn heute ist sie Unesco-Weltkulturerbe, Sitz des Landesmuseums Koblenz und – dank Biergarten mit Blick aufs Deutsche Eck – ein allseits beliebtes Ausflugsziel. Anders die Mont Royal bei Traben-Trarbach.

Festung Mont Royal, Traben-Trarbach

Viele Mauerreste sind schwer zu finden.

Zwar war auch die Mont Royal eine Festung von beachtlicher Dimension. Sogar eine der größten ihrer Zeit. Immerhin wurde sie im Auftrag des nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannten französischen Sonnenkönigs auf dem Halbinselberg bei Traben-Trarbach gebaut. Doch die Festung gilt immer noch als Geheimtipp, auf die Spaziergänger abseits touristischer Pfade meist nur zufällig stoßen.

Cyberbunker machte Mont Royal bekannt

International bekannt wurde der Mont Royal wegen einer ganz anderen, sozusagen zeitgenössischen Festung, die fünf Geschosse tief in die Erde ragt. Postadresse: Über den Weinbergen 1. Dabei handelt es sich um eine Immobilie mit skandalöser Vergangenheit.

In der früheren Nato-Bunkeranlage befand sich fast vier Jahrzehnte lang das Amt für Wehrgeophysik. Doch nach dem Auszug der Bundeswehr und dem Verkauf, wurde daraus eine der wichtigsten Schaltstellen für organisierte Kriminalität im Internet. 

Mont Royal, Eifel

Die Festung auf dem Mont Royal bei Kröv

Oberirdisch gibt es noch einige Zweckbauten und einen verkommenen Hubschrauberlandeplatz zu sehen. Unterirdisch beherbergte das Gelände einen Serverpark, über den rund sechs Jahre lang illegale Geschäfte, etwa mit Waffen, Drogen oder ausgespähten Daten, abgewickelt wurden.

Bei einer filmreifen Razzia im September 2019 zogen Hundertschaften von Polizisten mit Hubschrauberunterstützung die Betreiber des Cyberbunkers aus dem Verkehr.

Vom Cyberbunker zur Mont Royal

Nur wenige hundert Meter von dem mit Zäunen abgesperrten Areal entfernt liegen die übergrünten Reste der Festung Mont Royal. König Ludwig XIV. (1638-1715)  ließ sie ab 1687 als Teil des Eisernen Gürtels errichten. Die Pläne dafür lieferte Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1707), dessen Festungsanlagen als Meisterwerke der Ingenieurskunst gelten.

Festung, Ruine, Traben-Trarbach

Die Überbleibsel liegen verstreut über dem riesigen Areal.

Als treuer Berater des Königs trug Vauban erheblich zu dessen Machtstellung bei. Der französische Baumeister und General gilt als der bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit, war er doch an der Planung und dem Um- und Ausbau von über 170 Befestigungsanlagen in Frankreich und den Nachbarländern beteiligt.

Vaubaus Bauwerk an der Mosel

Eines seiner Glanzstücke ist die Garnisonsstadt Neuf-Brisach nahe der deutsch-französischen Grenze, die neben elf anderen seiner gut erhaltenen Bauten zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Auch die Festungen in Saarlouis und Luxemburg gehen auf das Konto des genialen Generals.

Die Festung Mont Royal sollte als Operationsbasis und Versorgungsdepot für rund 12.000 Soldaten dienen. Ziel war es, die neu gewonnenen Gebiete entlang des Rheins militärisch zu sichern. Von dem königlichen Berg (Mont royal) aus sollte die Armee in Richtung Osten aufbrechen. Strategisch gesehen war der Ort auf dem knapp 300 Meter hohen Plateau perfekt, legt sich doch die Mosel als schützende Schleife um den Halbinselberg. Wer dort saß, hatte die Region fest im Griff.

Festung Mont Royal, Kasematten

Pflanzen überwuchern die Ruine.

Rund 8000 Fronarbeiter haben damals in einem atemberaubenden Tempo beim Bau der sündhaft teure Anlage auf dem Mont Royal geschuftet. Und tatsächlich standen schon innerhalb weniger Jahre fünf Bastionen, eine Zitadelle und weitere Werke, ebenso Privathäuser, ein Teil der Kasernen und über ein Dutzend Straßen und Plätze. 

Die Militärstadt breitete sich über eine Fläche von circa 50 Hektar aus, was etwa der Größe von 70 Fußballfeldern entspricht. Umgeben von einem etwa drei Kilometer langen bis zu 30 Meter hohen Wall, der sogenannten Schwarzen Mauer.

Festung wird zur Ruine

Festung Mont Royal, Traben-Trarbach

Ein Gang führt durch die gesprengte Festung.

Da fragt man sich: Warum kennt das eigentlich nicht jeder? Vielleicht, weil heute nur noch Ruinen übrig sind. Denn genau das ist der Haken: Der Ruhm der Mont Royal war nur von kurzer Dauer. Mit dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde die Festung im Jahr 1698 gemäß dem Frieden von Rijswijk wieder geschleift – also zerstört. Im Austausch gegen die Stadt Straßburg jagten die Franzosen die oberirdischen Bauwerke in die Luft. Niemand anderes sollte sie nutzen können.

Im Laufe der Zeit überwucherten Pflanzen und Bäume die Ruinen, die immer weiter verfielen. Erst ab 1929 wurden unter der Leitung des Heimatforschers Dr. Ernst Willen Spies die letzten Zeugnisse der Mont Royal ausgegraben. Dabei halfen Originalpläne aus Pariser Militärarchiven. 

Mont Royal, Eifel

Ein unterirdischer Gang in der Festung Mont Royal.

Die Dokumente und verschiedene Fundstücke können heute während der Öffnungszeiten im Mittelmosel-Museum begutachtet werden. Aber die Reste der gewaltigen Mauern und Kasematten kann jeder, der will, rund um die Uhr erkunden. 

Festroute führt durch den Wald

Die Entdeckungsreise beginnt am Wanderparkplatz in der Nähe des Flugplatzes auf dem Mont Royal, den man von Traben-Trarbach über die K 61 erreicht. Am Kletterwald Mosel Adventure Forest ist ein Faltblatt mit der Wegbeschreibung erhältlich. Doch man kann auch ohne Plan zum Spaziergang durch den wunderschönen Wald aufbrechen.

Mont Royal, Spaziergang

Märchenwald auf dem Mont Royal.

Die Festungsroute schlängelt sich durch den Wald zu den gar nicht so leicht zu findenden, oft von Pflanzen überwucherten Überbleibseln. Zwischendurch eröffnen sich links und rechts immer wieder schöne Ausblicke auf die Mosel unten im Tal.

Bemerkenswert sind vor allem die unterirdischen Räume und Gänge, die man über schiefe Stufen begehen kann. Immer mit dabei ist dieses leicht unheimliche Gefühl, denn nur selten begegnet man unterwegs einem anderen Menschen. Denn bis heute hat sich nicht herumgesprochen, wie viel Interessantes die Ruine auf dem königlichen Berg auch nach ihrer Sprengung immer noch zu bieten hat.  

Festung Mont Royal, Traben-Trarbach

Eine Treppe in der alten Festung.

Manchmal bedarf es einer Taschenlampe. Nicht nur Kinder lieben es, die geheimnisvollen Höhlen auszuleuchten. Denn die Festungsanlage im Wald ist wie ein riesiges Freiluftmuseum und gleichzeitig auch ein Ruhestifter. Und wer es historisch genauer wissen will, schließt sich einer Führung unter kundiger Leitung an. Tickets erhält man bei der Tourist-Information.

Restaurant auf dem Mont Royal

Die Ruinen der Mont Royal kann man auch aus der Luft erkunden – der Deutsch Amerikanische Segelflugclub e.V. ermöglicht das Erlebnis. Das beschauliche Flugplatzgelände liegt ganz in der Nähe der Festungsruine. Bodenständige Ausflügler setzen sich auf die Terrasse der Flugplatzgaststätte, um bei Kaffee und Kuchen dem Treiben der Segel- und Motorflieger zuzuschauen.

Mont Royal, Eifel, Kletterwald

Der Kletterwald auf dem Mont Royal.

Fündig auf der Suche nach Nahrung wird man auch im Kletterwald Mosel Adventure Forest. Inmitten der Ruinen hangeln sich Wagemutige durch Netze, balancieren über wackelige Seilbrücken und fliegen mit Seilrutschen durch den Wald. Nicht-Kletterer können sich im Bistro bei einem Imbiss die Zeit vertreiben.

Lange Zeit bot sich die Alte Stadt-Mühle am Trarbacher Weihertalplatz zum Einkehren an – sie steht immerhin schon immer in Verbindung mit der Festung Mont Royal. Denn als noch Wasser das Mühlrad antrieb, wurde in dem Gebäude Baujahr 1680 das Mehl für die Truppen auf dem königlichen Berg gemahlen. Sehr viel später zog eine Gaststätte ein, die aber nach einem Brand im Jahr 2024 schließen musste.

Alte Stadtmühle, Restaurant, Traben-Trarbach

Die Alte Stadt-Mühle in Trarbach.

Als die Polizei im September 2019 mit Hunderten von Polizisten und der GSG 9 oben auf dem Mont Royal den Cyberbunker stürmte, nahmen die Beamten zeitgleich drunten in der Stadt-Mühle neun Verdächtige beim Abendessen fest. 

 

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