Festung Mont Royal: App in den Keller

Mal angenommen, man möchte eine Festung besichtigen. Wo geht man da hin? Natürlich zur Ehrenbreitstein, werden die meisten sagen. Allerdings gibt es an der Mosel noch eine Festung: Die Mont Royal. Die Sache hat nur einen winzigen Haken.

Mont Royal, Eifel, Mosel

Reste der Festung Mont Royal

Tatsächlich gab es über Traben-Trarbach einst ein Bollwerk von beachtlicher Dimension. Doch bislang ist die Festung fast noch ein Geheimtipp, auf den die meisten beim Wandern nur zufällig stoßen.

Sie steht auf dem Mont Royal, dem Berg des Königs. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. ließ sie ab 1687 errichten. Die Pläne dafür lieferte Sébastien Le Prestre de Vauban.

Zu Recht gilt der französische Baumeister und General als der bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit. Hat er doch Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Westen Deutschlands mit rund 160 Festungen überzogen. 

Mont Royal, Eifel

Die Festung auf dem Mont Royal bei Kröv

Als treuer Berater des Königs trug Vauban erheblich zu dessen Machtstellung bei. Die zwölf wichtigsten seiner militärischen Bauten wurden 2008 von der Unesco als Welterbe anerkannt.

Die Festung Mont Royal über der Mosel sollte als Operationsbasis und Versorgungsdepot für die Rheinarmee dienen. Bis zu 8000 Fronarbeiter haben damals in einem atemberaubenden Tempo gemauert.

Festung Mont Royal; Eifel; Kletterwald

Mauerrest der Festung Mont Royal

Und tatsächlich standen schon einige Jahre später die Bastionen und das Zeughaus. Ebenso Privathäuser, ein Teil der Kasernen und über ein Dutzend Plätze und Straßen.

Der drei Kilometer lange Festungswall, auch die schwarze Mauer genannt, erreichte eine Höhe von bis zu 30 Metern.

Die Festung Mont Royal war gigantisch

Insgesamt umfasste das Areal eine Fläche von circa 50 Hektar, was insgesamt etwa der Größe von 70 Fußballfeldern entspricht. 

Doch – und genau das ist der Haken: Mit dem Friede von Rijswijck 1697 war es mit der Festung Mont Royal auch schon wieder vorbei. Denn im Austausch gegen die Stadt Straßburg jagten die Franzosen die oberirdischen Bauwerke in die Luft.

Mont Royal, Eifel

Ein unterirdischer Gang in der Festung Mont Royal

Dass die Festung nicht schon längst für immer und ewig in Vergessenheit geriet, ist dem Traben-Trarbacher Dr. Ernst Willen Spies zu verdanken. Mit Hilfe von Originalplänen aus Pariser Militär-Archiven wurden unter dessen Leitung ab 1929 Teile der Mont Royal ausgegraben.

Die Pläne und Fundstücke werden inzwischen im Mittelmosel-Museum gezeigt. Aber die Reste der gewaltigen Mauern und Kasematten kann man, wenn man will, sogar rund um die Uhr erkunden.

Zwar sind nur noch wenige Mauern zu sehen. Aber vor allem blieben einige der unterirdischen Gänge erhalten. Und so steigen neugierige Besucher mit der Taschenlampen-App in die freigelegten Kellergewölbe.

Mont Royal, Eifel, Kletterwald

Mont Royal, Kletterwald

Nicht nur Kinder lieben es, in die geheimnisvollen Gänge zu leuchten. Diese Festungsanlage im Wald ist wie ein riesiges Freiluftmuseum und gleichzeitig ein Ruhestifter.

Und wer es sportlicher mag, saust mit der Seilrutsche durch den Wald. Denn seit einigen Jahren gibt es auf den Resten der Festung den Mosel Adventure Forest, in dem man von Baum zu Baum klettern kann.

 

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