Mythos Mosel 2024: Wir soffen uns langsam den Fluss hinab

Zwei Tage lang haben Besucher Zeit, um das Geheimnis von Mythos Mosel zu lüften. Logistisches Geschick hilft, gute Kondition wird empfohlen. Denn wer flott unterwegs ist, kann über 700 Weine probieren.

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Matthias Meierer, einer der Initiatoren des Events.

„Wir soffen uns langsam den Fluss hinab”, schrieb Kurt Tucholsky über seine Reise die Mosel entlang. „Wir fuhren mit dem Saufbähnchen von Trier nach Bulley hinunter, und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war.”

Der Berliner Schriftsteller und Journalist hatte 1929 die Region besucht. Zwar ist die legendäre Kleinbahn längst Geschichte. Und auch die Zeiten trinkfester Kegelclubs, die in Massen anreisten, um sich einen hinter die Binde zu gießen, sind vorbei. Doch die Worte des Schrifterstellers und Journalisten gelten noch heute.

Die Weintrinkerschaft von heute geht mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf Tour, um beim Wein nach dem Rechten zu sehen und dabei vielleicht den Mythos Mosel zu lüften. Auch Shuttlebusse verkehren zwischen den Stationen. Denn einmal im Jahr öffnen rund 30 Weingüter an zwei Tagen gleichzeitig ihre Tore und beherbergen zudem je drei Gast-Betriebe aus allen Ecken des Anbaugebiets. So schenken auf einer Strecke von etwa 25 Kilometern insgesamt rund 120 Winzer und Winzerinnen ihre Weine aus.

Moseljünger haben Mythos Mosel erfunden

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Der historische Speicher im Weingut S.A. Prüm in Wehlen.

Die Initiatoren dieser speziellen Jahrgangsverkostung sind die Moseljünger. Dabei handelt es sich nicht um eine mysteriöse religiöse Gemeinschaft. Die Rede ist von einer ambitionierten Truppe, die Trauben in wunderbare Weine verwandelt. Genauer gesagt, ein Zusammenschluss von derzeit 17 Winzern und Winzerinnen von Mosel oder Saar.

Ihnen allen gemein ist die Leidenschaft für Wein, meist ein Studium in Geisenheim – und dass keiner von ihnen älter als 39 Jahre ist. So verlangen es die in Stein gemeißelten Gebote ihres Vereins. Man ist schließlich nicht für immer jünger als andere.

Wo früher jeder Weinbauer im stillen Kämmerlein sein eigenes Riesling-Süppchen kochte, haben sich die jungen Männer und Frauen zusammen getan, um mit innovativen Weinen und Events dem verstaubten Image der Region etwas Frisches entgegen zu setzen. Das ist ihnen auch gelungen. Zum Beispiel mit ihrer Party „Rhythm & Wine“.

Christina Thanisch, Moseljünger, Bernkastel, Doctor

Christina Thanisch vom Verein Moseljünger.

2014 hat der umtriebige Verein dann die Veranstaltung mit dem geheimnisvollen Namen Mythos Mosel – eine Rieslingreise” ins Leben gerufen. Die Premiere kam gut an, das sprach sich herum, und sie kamen zuhauf.

Inzwischen trinkt sich ein internationales Publikum immer am Wochenende nach Pfingsten schlückchenweise einen Fluss-Abschnitt rauf oder runter. Sie schnuppern, schwenken, schlürfen – oder wie es Goethe 1792 notierte: „Wir genossen des köstlichen Moselweines”. Aus einer Sektlaune heraus ist ein Glanzlicht-Event an der Mosel entstanden.

So funktioniert Mythos Mosel

Bei Mythos Mosel handelt es sich um eine Rieslingreise der besonderen Art. Auf dem Programm steht eine exklusive Eröffnungsparty mit dem Besten aus Magnum-Flaschen und allem Pipapo. Doch die Hauptattraktion ist für die meisten Gäste die Verkostung am Samstag und Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr.

Dabei steuern sie in Scharen etwa 30 Weingüter an, die sich über einen etwa 25 Kilometer langen Streckenabschnitt der Mosel verteilen. Die Schauplätze wechseln sich turnusgemäß ab: Von Ürzig bis Briedel (2024), von Detzem bis Wintrich (2025) und von Kesten bis Zeltingen (2026). 

Riesling-Kartell, Pünderich, Mosel

Das Riesling-Kartell aus Pünderich.

Da aber jedes der rund 30 Weingüter je weitere drei Gast-Betriebe beherbergt, reicht die Auswahl der Weine immer von Winningen bis an die luxemburgische Grenze und oft darüber hinaus. So sind zum Beispiel die Weingüter J.J. Prüm, Dr. Loosen und Wwe. Dr. H. Thanisch, Erben Thanisch ebenso vertreten wie Markus Molitor, Selbach-Oster oder Heymann-Löwenstein.

Das Saar-Weingut Van Volxem ist genauso an Bord wie Maximin Grünhaus von der Ruwer oder Henri Ruppert aus Schengen. Bekannten Namen und Spitzenbetriebe stehen auf der Liste, aber auch talentierte Newcomer und Geheimtipps wie etwa das Riesling-Kartell.

Pro Station können circa 24 Weine von jeweils vier Betrieben verkostet werden. Tatsächlich kann jeder mit seinem Tagesticket ab 40 Euro fast das komplette Moselportfolio entdecken. Jedenfalls theoretisch. Denn wer schafft schon 720 verschiedene Weine?

Probierstube heißt jetzt Vinothek 

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Runde Sache: Die Vinothek und Andrea und Peter Regnery in Klüsserath.

Das Auge reist mit. Zwar sieht Wein immer ziemlich gleich aus. Aber die Häuser in denen er verkostet wird, kann natürlich jeder Weinbauer nach eigenem Gusto gestalten. Zum Beispiel schieferumhüllt wie bei Johannes Schmitz in Ürzig oder bei Axel Pauly in Lieser. Mal futuristisch wie bei Peter Regnery in Klüsserath, mal trifft wie bei Daniel Immich in Enkirch Alt auf Moderne. Aus der guten, alten Probierstube in Eiche rustikal sind inzwischen Vinotheken geworden.

Es war der Journalist Jakob Strobel y Serra, der mit seinem Artikel 2013 in der FAZ den Kick für diese Veranstaltung gab. Klar, die Moselaner haben über die Reportage „Der Schönheit wohnt der Schrecken inne” nicht gerade gejubelt. Manche saßen auf der Palme und konnten die Welt nicht mehr verstehen.

Mosel, Weingut, Rebenhof, Vinothek

Das Weingut Rebenhof in Ürzig.

Aber einige haben dann eben doch hinterfragt, ob nicht etwas dran ist am Mosel-Ballermann, dem altbacken-spießigen Charme oder der Klage, die Kulturlandschaft sei verkommen zu einem Amüsierrevier sämtlicher Kegelclubs zwischen Rhein und Ruhr.  

Mit Mythos Mosel wollen die Winzer und Winzerinnen zeigen, dass die Mosel ganz anders kann. Und wann sonst hat man schon die Möglichkeit, so viele verschiedene Weine auf einer Veranstaltung zu verkosten. 

Tickets, Termine

Mythos Mosel 2024: 24. bis 26.06., freitags Eröffnungsveranstaltung, Samstag und Sonntag 10 – 18 Uhr Verkostung in den teilnehmenden Weingütern. 

Ort: Ürzig bis Briedel.
Tickets: Samstag 40 €, Sonntag 30 €, 2 Tage 55 € (inklusive Busshuttle), Eröffnungsveranstaltung zwischen 150 und 200 €. Tickets gibt es auf der Homepage www.mythos-mosel.de oder bei den Weingütern am Tag der Veranstaltung.