Weinbaugebiet Mosel: Wo der Riesling zuhause ist

In Sachen Riesling macht den Moselanern keiner etwas vor. Doch was macht den Mosel-Wein so besonders? Und warum sehen immer mehr Winzer rot? Ein Streifzug durch Deutschlands ältestes Weinbaugebiet.

Mosel, Weinbaugebiet, Ürzig

Blick vom Ürziger Würzgarten.

Worum sich das Leben an der Mosel dreht, ist nicht zu übersehen. Denn schätzungsweise 60 Millionen Rebstöcken stehen in den Weinbergen Spalier.

Die Mosel-Region ist zwar bei weitem nicht das größte, aber hierzulande eines der bekanntesten und zudem das älteste Weinbaugebiet. Es beginnt an der Deutsch-Luxemburgischen Grenze und endet etwa 240 Flusskilometer später kurz vor der Moselmündung in Koblenz.

Weinbaugebiet Mosel, Saar und Ruwer

Den Anfang machten vor 2000 Jahren die Römer. In ihren Galeeren schoben sie den Wein über den Fluss, um die Bürger in den neu gegründeten Städten wie Trier und ihre Truppen zu versorgen. Überbleibsel aus dieser Zeit sind die Kelteranlagen in Piesport, Brauneberg oder Erden.

Im Mittelalter waren die Weinberge Eigentum der Kirche und Klöstern. Und manche, etwa die bischöflichen Weingüter in Trier, betreiben sie auch noch heute. Heute bewirtschaften rund 3.200 Winzerbetriebe eine Anbaufläche von insgesamt 8.770 Hektar, was der Größe von immerhin 12.283 Fußballfeldern entspricht.

Allerdings zählen die Regionen um die beiden Nebenflüsse mit zum Weinbaugebiet. Deshalb stand bis 2009 auch Mosel-Saar-Ruwer auf den den Etiketten. An der Saar sind knapp 700 und an der Ruwer etwa 180 Hektar mit Reben bepflanzt. Doch das Bundeskabinett befand, dass sich „Mosel” allein international besser ver­mark­ten ließe.

Mosel, Weinbaugebiet, Erdener Treppchen

Im Erdener Treppchen

Große Namen wie „Piesporter Goldtröpfchen”, „Wehlener Sonnenuhr” oder „Erdener Treppchen” stehen wie Hollywood-Buchstaben im Hang. Die Königslage, der „Bernkasteler Doctor”, gilt seit über 300 Jahren als der teuerste Weinberg im Land. 

Die Moselaner sind Spezialisten in Sachen Riesling. Satte 61,5 Prozent der gesamten Anbaufläche an Mosel, Saar und Ruwer beansprucht der Platzhirsch für sich. Mit großem Abstand folgt der Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt. Die Nummer drei fühlt sich vor allem auf den Muschelkalkböden der Obermosel pudelwohl. Es ist der Elbling, den die Römer mitgebracht haben sollen. 

Übrigens: Das einzige Weinbaugebiet des Saarlandes liegt an der Obermosel in der Großgemeinde Perl. Demnach ist der im Bereich Moseltor gewachsene Wein ein Moselwein, während der ebenfalls zum Weinanbaugebiet Mosel gehörende Saarwein an der Saar in Rheinland-Pfalz entsteht. 

Rotwein-Verbot im Weinbaugebiet

Zwar wird die Mosel in erster Linie mit Weißwein in Verbindung gebracht. Zu recht. Immerhin sind 91 Prozent der Rebfläche mit weißen Rebsorten bestockt. 

Doch bis Ende des 19. Jahrhundert war der rote Burgunder im Weinberg weit verbreitet. Allerdings wurden für Weißwein international bessere Preise erzielt. Deshalb wichen die roten Reben nach und nach dem Riesling, und wurden 1933 von den Nazis sogar gesetzlich verboten. 

Mosel, Weinbaugebiet, Winninger Uhlen

Blick auf den Winninger Uhlen

Noch bis Ende der 1980er Jahre hatte das Rotwein-Verbot bestand. Inzwischen ist der Spätburgunder, der Pinot noir, mit etwa 365 Hektar wieder die viertgrößte Sorte im Weinbaugebiet. Insgesamt 9,8 Prozent der Rebfläche teilen sich Rebsorten wie Dornfelder oder Frühburgunder mit Merlot, Cabernet Sauvignon oder sogar Syrah.

Dann ist da noch der Regent, eine Kreuzung aus der weißen Sorte Diana und der roten Sorte Chambourcin. Er wurde als Sorte erst 1996 freigegeben und reicht geschmacklich am ehesten an südländische Weine heran.

Mildes Klima im Moseltal

Die Hänge sind oft so schwindelerregend steil, dass man sich kaum vorstellen kann, wie sich ein Mensch dort oben überhaupt halten kann, um die Trauben zu lesen. Der Bremmer Calmont gilt sogar als der steilste Weinberg Europas. Mit einer Neigung von 68 Grad – das ist mehr als der Anlauf der Oberstdorfer Skisprungschanze.

Warum bauen die Winzer in so schwierigen Lagen überhaupt an? Weil der Wein viel Licht und Wärme brauchen, um prima zu gedeihen. In südlichen Ländern wie Italien wachsen die Reben meist in der Ebene. 

Mosel, Weinbaugiet, Calmont

Im Bremmer Calmont

Doch hier im Norden bekommen sie von beidem mehr an nach Süden gerichteten Steilhängen ab. Zudem speichert der Schiefer im Boden die Sonne und gibt die Wärme nachts wieder an die Pflanzen ab.

Das sind beste Voraussetzungen für den Stoff, den Weinfans an der Mosel so lieben. Der typische Riesling ist fruchtig-frisch, mit der Würze des Millionen Jahre alte Schiefergesteins. Schiefer gibt es nur in wenigen Anbaugebieten.

Der Schiefer macht‘s

Nirgendwo sonst fallen die Weine so mineralisch aus wie an der Mosel. Um 1900, dem Goldenen Zeitalter des Weinbaus an der Mosel, schätzte das alle Welt. Die Herren der Weinberge erzielten für Steillagen-Riesling Preise, die sogar jene großer Bordeaux’ überstiegen. Deshalb entstanden im Kaiserreich die prachtvollen Jugendstilbauten in Traben-Trarbach.

Doch zwei Weltkriege und Holocaust, pappsüßer Massenwein und Weinskandale verprellten die Kundschaft. Es folgte eine lange Depression, die den gesamten deutschen Weinbau erfasste.

Mosel, Weinabaugiet, Steillage

Steillage bei Bernkastel

Viele Betriebe gaben. Der Ruf des Moselweins war ruiniert. Es dauerte lange, bis er sich erholte – dank einer Generation von Winzern und Winzerinnen, die wieder Wein wie ihre Großväter und Vater machen. Und die vor allem auf die ursprünglichen Stärken ihrer Heimat, die Steillagen, setzen.

Schon bei einer Wanderung durch die 2000 Jahre alte Kulturlandschaft bekommt man eine Ahnung von der Mühe, die der Weinbau in diesen Weingärten macht.

Mosel, Weinberg, Vollernter

Ein Vollernter bei der Arbeit.

In der Steilstlage helfen keine dicke Maschinen, die durch die Rebzeilen fahren, um Trauben von den Stöcken zu schütteln. Ganz oben im Wingert kommt es auf Muskelkraft und teure Handarbeit an.

Doch die Königsklasse reift eben in den kargsten Lagen am besten. Weil die Reben metertief wurzeln müssen, um ihren Durst und Bedarf an mineralischen Nährstoffen zu stillen. Das gibt dem Moselriesling seinen typischen Geschmack. Dort oben auf dem blanken Schieferstein entstehen süffige Wunder. 

 

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