Weinbaugebiet Mosel: 25 Fakten für Besserwisser

Wie viele Rebstöcke stehen im Weinbaugebiet? Welches Weingut beherbergt den ältesten Keller? Wo werden Trauben mit Füßen gestampft? Hier gibt es Interessantes und Kurioses von Mosel, Saar und Ruwer. 25 Fakten für Besserwisser.

Erden, Kletterweg, Aussicht

Das Erdener Treppchen

1 Worum sich das Leben vieler Menschen an der Mosel dreht, ist nicht zu übersehen. Denn schätzungsweise 60 Millionen Rebstöcke stehen in den steilen Weinbergen Spalier.  

2 Die Mosel-Region ist zwar nicht das größte, aber eines der bekanntesten und vor allem das älteste der 13 Weinbaugebiete in Deutschland. Es beginnt an der Deutsch-Luxemburgischen Grenze und endet etwa 240 Flusskilometer später kurz vor der Moselmündung in Koblenz.

3 Neumagen-Dhron behauptet von sich, der älteste Weinort Deutschlands zu sein. Denn dort wurde das bekannte Grabmal eines römischen Weinhändlers aus dem 2. Jahrhundert gefunden. Das Original ist heute im Landesmuseum in Trier zu sehen, eine Replik steht im Ort. 

4 Deshalb liegt heute in Neumagen-Dhron auch die „Stella Noviomagi” , der Stern von Neumagen, vor Anker. Eine picobello hergerichtete römische Galeere. Doch anders als früher, wird das größte jemals im deutschen Sprachraum nachgebaute, schwimmfähige Römerschiff bei Bedarf von zwei 55 PS starken Dieselmotoren angetrieben.

5 In Winningen wird immer Ende August zehn Tage lang das älteste Weinfest Deutschlands gefeiert. Und kein anderes Dorf an der Mosel feiert länger. 

Römergräber, Nehren, Sehenswertes

Die Römergräber in Nehren

Die Römer im Weinbaugebiet

6 Zwar kümmerten sich vermutlich schon die Kelten um die Pflege von Reben. Doch erst die Römer waren es, die den Weinbau in großen Weingütern betrieben. In ihren Galeeren schoben sie den Wein in Amphoren über die Mosel, um die Bürger in den neu gegründeten Städten wie Trier und ihre Truppen zu versorgen. 

Soldaten hatten damals sogar Anrecht auf ein ordentliches Tagesquantum, selbst Sklaven bekamen ihre Ration. Der Wein war aus dem Leben der Römer nicht wegzudenken. 

7 Die Ursprünge der ältesten Weinkeller in Deutschland lassen sich bis in die Zeit der Römer um 330 n. Chr. zurückverfolgen. Sie gehören dem Weingut der Vereinigten Hospitien in Trier und können bei einer Führung oder Weinprobe besichtigt werden.

8 Überbleibsel aus dieser Zeit sind auch die ausgegraben Kelteranlagen etwa in Brauneberg oder Erden. In Piesport wurde sogar eine größten römischen Kelteranlagen nördlich der Alpen gefunden. Beim Kelterfest Anfang Oktober werden dort wie früher von kostümierten Piesporter Bürgern Trauben mit den Füßen gepresst.

9 Apropos: Die ehemalige Mosel-Weinkönigin Martina Servaty aus Mesenich stampfte sich sogar ins Guinessbuch der Rekorde. Dafür presste sie beim Wettkampf in New York 12,76 Liter Saft aus einem mit 50 Kilo Trauben gefüllten Fass.

Mosel, Weinbaugebiet, Erdener Treppchen

Im Erdener Treppchen

10 Im Mittelalter gehörten die Weinberge zum Eigentum der Kirche und Klöstern. Und manche, zum Beispiel die bischöflichen Weingüter in Trier, bewirtschaften sie auch noch heute.

Das Kirchengut Wolf (im gleichnamigen Stadtteil von Traben-Trarbach) besitzt den vermutlich einzigen Weinkeller, der direkt unter einer Kirche liegt. Das Weingut wurde von den frommen Brüdern des gemeinsamen Lebens gegründet, die ab 1478 im Wolfer Kloster lebten. Das historische Kellergewölbe entstand rund zehn Jahre später.

11 Heute bewirtschaften im Weinbaugebiet rund 3000 Winzerbetriebe eine Anbaufläche von insgesamt 8.713 Hektar, was der Größe von etwa 12.283 Fußballfeldern entspricht. 

Kirchenweingut Wolf, Weinbaugebiet Mosel, Boor

Der Keller unter der Kirche in Wolf

Weinbaugebiet Mosel, Saar und Ruwer

12 Dabei zählen die Regionen um die beiden Nebenflüsse mit zum Weinbaugebiet Mosel. Deshalb wurde es auch lange Zeit als „Mosel-Saar-Ruwer” bezeichnet.

An der Saar sind knapp 700 und an der Ruwer nur etwa 180 Hektar mit Reben bepflanzt. Doch 2006 wurden Saar und Ruwer aus dem Namen des Anbaugebiets ersatzlos gestrichen. Denn das Bundeskabinett befand, dass sich „Mosel” allein international besser ver­mark­ten ließe.

Anders als an der Saar, war es den Ruwer-Winzern bis 2020 auch nicht mehr erlaubt, den Flussnamen Ruwer auf die Flaschen-Etiketten schreiben zu lassen. Der Grund: Mögliche Verwechslungen mit Weinen des Trierer Stadtteils Ruwer. Weil aber dort inzwischen keine Weinberge mehr bewirtschaftet werden, kehrte der Name mit dem Jahrgang 2019 auf die Flasche zurück. 

13 Das einzige Weinbaugebiet des Saarlandes liegt an der Obermosel in der Großgemeinde Perl. Deshalb ist der im Bereich „Moseltor” gewachsene Wein auch ein Moselwein.

Doch der ebenfalls zum Weinanbaugebiet Mosel gehörende Saarwein entsteht ausschließlich in Rheinland-Pfalz und eben nicht im Saarland. Denn an der Saar wird Weinbau nur zwischen Serrig und Konz an ihrer Mündung in die Mosel betrieben.

Mosel, Weinbaugebiet, Winninger Uhlen

Blick auf den Winninger Uhlen

14 Das Saar-Weingut von Hövel in Konz-Oberemmel weist zwei Besonderheiten auf: Zum einen reift dort der Wein in einem 1100 Jahre alten Gewölbekeller mit 42 Fuderfässern. Zum anderen beherbergt es das weit und breit einzige Korkenzieher-Museum. Rund 2000 Exemplare sind seit 1980 zusammen gekommen.

Riesling, Elbling, Rivaner

15 Zu Recht wird die Mosel in erster Linie mit Weißwein in Verbindung gebracht. Immerhin sind 91 Prozent der Rebfläche an Mosel, Saar und Ruwer mit weißen Rebsorten bestockt. 

16 Die Moselaner sind Spezialisten in Sachen Riesling. Satte 5.000 Hektar der Anbaufläche beansprucht der Platzhirsch für sich. Nirgendwo auf der Welt gibt es ein größte Riesling-Anbaugebiet. Tipp: Im Spätsommer erkennt man die Riesling-Trauben im Weinberg an den kleinen schwarzen Punkten.

Erst mit großem Abstand folgt der Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt. Die Nummer drei fühlt sich vor allem auf den Muschelkalkböden der Obermosel pudelwohl: Es ist der Elbling, den schon die Römer an die Mosel gebracht haben sollen. Der Riesling ist in der Gegend ein Außenseiter: Die Winzer in Perl, Nittel oder Wasserliesch setzen eher auf Burgundersorten, die bestens zum Kalkstein passen. 

17 Der älteste urkundliche Nachweis des Rieslinganbaus an der Mosel stammt aus dem Jahr 1464. Verzeichnet wurde er in einem der Rechnungsbücher des St. Jacobs-Hospital, das heute zu den Vereinigten Hospitien in Trier gehört und eine Kunstgalerie beherbergt. 

18 Große Namen wie „Piesporter Goldtröpfchen”, „Wehlener Sonnenuhr” oder „Erdener Treppchen” stehen wie Hollywood-Buchstaben im Hang. Die Königslage, der „Bernkasteler Doctor”, gehört zu den berühmten Weinbergslagen der Welt.

Um die gerademal 3,25 Hektar große Lage ranken sich viele Legenden. Wahr ist: Im Jahr 1900 erwarb der Geheimrat Julius Wegeler eine 4.300 Quadratmeter große Parzelle am Doctorberg. Er zahlte 100 Goldmark pro Rebstock – allerdings waren die im Keller befindlichen Weine enthalten. So ein hoher Preis wurde in Deutschland nie mehr für einen Weinberg erzielt.

 

Mosel, Weinbaugebiet, Bernkasteler Doctor

Der Bernkasteler Doctor

19 Auch die größte deutsche Kellerei hat in Bernkastel-Kues ihren Sitz. Pro Tag füllt das Unternehmen Peter Mertes am Kueser Moselufer rund eine Million Flaschen und schickt sie in alle Welt.

20 Den teuersten Weißwein der Welt hat der Winzer Egon Müller produziert: Die 2003er Scharzhofberger Trockenbeerenauslese wurde 2015 für 12.000 Euro netto je 0,75-Liter-Flasche versteigert.

Rotwein-Verbot im Weinbaugebiet

21 Bis Ende des 19. Jahrhundert war der rote Burgunder im Weinberg weit verbreitet. Dann wurden jedoch für Weißwein international bessere Preise erzielt. Deshalb wichen die roten Reben nach und nach dem Riesling, und wurden 1933 von den Nazis sogar gesetzlich verboten. Noch bis Ende der 1980er Jahre hatte das Rotwein-Verbot bestand.

Inzwischen ist der Spätburgunder, der Pinot noir, mit etwa 400 Hektar wieder die viertgrößte Sorte im Weinbaugebiet.

Der Dornfelder breitet sich auf 296 Hektar aus. Und insgesamt 9,8 Prozent der Rebfläche teilen sich Rebsorten wie Merlot oder Syrah mit Cabernet Sauvignon und Regent, einer Kreuzung aus der weißen Sorte Diana und der roten Sorte Chambourcin. Die Sorte wurde erst 1995 freigegeben und ergibt südländisch anmutende Rotweine.

Mildes Klima in der Steillage

22 Mit circa 3.500 Hektar Weinbergen in Steillagen gilt die Moselregion als das größte Steillagenweinbaugebiet der Welt. Die Hänge sind oft so schwindelerregend steil, dass man sich kaum vorstellen kann, wie sich ein Mensch dort oben überhaupt halten kann, um die Trauben zu lesen. 

Mosel, Weinbaugiet, Calmont

Im Bremmer Calmont

Der Bremmer Calmont gilt sogar als die steilste Weinberglage Europas. Mit einer Neigung von rund 68 Grad ist er steiler als der Anlauf der Oberstdorfer Skisprungschanze. Der Hang ist von einem beliebten Klettersteig durchzogen.

23 Warum bauen die Winzer in so schwierigen Lagen überhaupt an? Weil der Wein viel Licht und Wärme braucht, um zu gedeihen. In südlichen Ländern wie Italien wachsen die Reben meist in der Ebene. 

Doch hier im Norden bekommen sie von beidem mehr an steilen Südhängen ab. Zudem spiegelt der Fluss die Sonne, während der Schiefer ihre Wärme speichert und nachts die Pflanzen damit versorgt. Dass die Mosel so viele Schleifen zieht, ist ein Segen. Denn dadurch entstanden reichlich nach Süden gerichtete Hänge am Ufer. 

24 Der typische Mosel-Riesling ist fruchtig-frisch, mit der Würze des Millionen Jahre alte Schiefergesteins. Schiefer gibt es tatsächlich nur in wenigen Weinbaugebieten. Um 1900, dem Goldenen Zeitalter des Weinbaus an der Mosel, schätzte das alle Welt. Wer sich etwas Exklusives leisten wollte, griff damals zum Moselwein. Daher erzielten die Herren der Weinberge für Riesling Preise, die sogar jene großer Bordeaux’ überstiegen.

Der Schiefer macht‘s

25 Goldmark hatten die wohlhabenden Weinhändler genug. Deshalb entstanden im deutschen Kaiserreich die prachtvollen Jugendstilbauten nach den Entwürfen von Bruno Möhring in Traben-Trarbach. Es heißt sogar, das Doppelstädtchen sei derzeit die zweitwichtigste Stadt für den weltweiten Weinhandel nach Bordeaux gewesen.

Villa Breucker, Jugendstil, Traben-Trarbach

Die Villa Breucker, später Nollen

Aber zwei Weltkriege, pappsüßer Massenwein und Weinskandale verprellten die Kundschaft. Darauf folgte eine lange Depression, die den gesamten deutschen Weinbau erfasste. Viele Betriebe gaben derzeit auf.

Der Ruf des Moselweins war ruiniert. Und es dauerte lange, bis er sich erholte – Dank einer Generation von Winzern und Winzerinnen, die wieder Wein wie ihre Großväter und Vater machen. Und die vor allem auf die ursprünglichen Stärken ihrer Heimat, die Steillagen, setzen.

Mosel, Weinbaugebiet, Steillage

Steillage bei Bernkastel

Schon bei einer Wanderung durch die 2000 Jahre alte Kulturlandschaft bekommt man eine Ahnung von der Mühe, die der Weinbau in diesen Weingärten macht.

Denn in der Steilstlage helfen keine Vollernter, die durch die Rebzeilen fahren, um Trauben von den Stöcken zu schütteln. Ganz oben im Wingert kommt es auf Muskelkraft und teure Handarbeit an.

Mosel, Weinberg, Vollernter

Ein Vollernter bei der Arbeit.

Doch die Königsklasse reift eben in den kargsten Lagen am besten. Weil die Reben metertief wurzeln müssen, um ihren Durst und Bedarf an mineralischen Nährstoffen zu stillen. Das gibt dem Moselriesling seinen typischen Geschmack. Dort oben auf dem blanken Schieferstein entstehen süffige Wunder. 

 

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