Kletterweg Erdener Treppchen: Wandern, wo der Pfeffer wächst

Klettersteige stehen an der Mosel hoch im Kurs. Doch der Kletterweg durchs Erdener Treppchen gilt immer noch als Geheimtipp. Dort trifft man auf Leitern im Fels und die Bremer Stadtmusikanten.

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Aussicht vom Kletterweg bis Ürzig

Falken segeln im warmen Aufwind um die Felsen herum, Tausende von Reben stehen Spalier. In der Ferne sieht man die Häuser von Ürzig. Tief unten glitzert die Mosel blau vor sich, darüber spannt sich die Hochmoselbrücke wie ein Strich in der Landschaft.

Das alles kann man ganz in Ruhe betrachten – man hat ja Zeit, denn im Weinberg herrscht Stau. So viel Betrieb im Hang ist selbst am Wochenende ungewöhnlich. Denn wie schön dieser spezielle Wanderweg in Erden ist, hat sich noch längst nicht überall herumgesprochen. 

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Unterwegs auf dem Kletterweg

Jetzt allerdings blockiert eine Menschentraube den Pfad, denn vor ihnen mühen sich zwei furchtsame Ausflügler im Schneckentempo an einer steilen Leiter am Felsen ab. Ein wartendes Mädchen fragt nach Eis, ein Junge hat Durst.

Das unspektakuläre Wandern, zu dem Opa die Enkel noch mit Geld bestechen musste, war gestern: Denn plötzlich sind die Wanderwege an der Mosel auch für Kinder attraktiv.

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Die Karawane zieht durchs Erdener Treppchen.

Beliebte Klettersteige an Mosel

Der Weinberg ruft und wird erhört: Denn in ausgewählten Hängen zwischen Koblenz und Trier haben Profis Trittstifte in Felswände getrieben. Nun kraxeln Wagemutige – und die sich dafür halten – besten gesichert an Drahtseilen entlang und überwinden Leitern auf dem Steig durch die Reben.

Zum Beispiel über Collis-Steilpfad in Zell oder durch den rege beschrittenen Calmont zwischen Bremm und Ediger-Eller.
Und auch bei Erden, elf Kilometer entfernt von Bernkastel-Kues, kann man die Steillage besonders schön bezwingen: Der hiesige Kletterweg führt durch das Erdener Treppchen und die Parzelle mit dem wohlklingenden Namen Prälat.

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Blick auf Erden

Die berühmte Hänge steigen auf der gegenüberliegenden Flussseite zwischen Ürzig und Kinheim steil zur Eifel an. Über alte Pfade erklettern Ausflügler Felsvorsprünge und die Weinbergterrassen zwei der besten Lagen an der Mittelmosel.

Kletterweg startet an der Kelteranlage

Gut 140 Höhenmeter dürfen in einem ständigen Auf und Ab überwunden werden. Das klingt vielleicht nicht wirklich viel, doch der Weg durchs Weinparadies ist so steil, dass für die Arbeiter vor Jahrhunderten Steintreppen ins Gestein gewerkelt wurden.

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Eine Treppe im Erdener Treppchen.

Anders als beim Klettersteigen in den Alpen ist zwar keine Sicherung nötig. Die Mütze an Stelle eines Helms kann dennoch nicht schaden, denn es geht fast immer durch die Sonne.

Schon die Römer wussten diese sonnenverwöhnten Weinberge zu schätzen, wie die Kelteranlage am Moselufer verrät. Das bestens gepflegte Altertümchen stammt aus der Mitte des 3. Jahrhundert nach Christus. Doch nur einen Steinwurf entfernt kam eine zweite zutage, die sogar noch etwa 100 Jahre älter ist. Sie ist Zeuge von fast 2000 Jahren Weinbau an der Mosel.

Bremen am Kletterwegs an der Mosel

Ein bisschen versteckt, gleich links neben dem Kelterhaus, liegt der Einstieg in den Kletterweg. Dort grüßen die Bremer Stadtmusikanten.

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Eine Stele mit den Bremer Stadtmusikanten.

Die Stele mit den wunderlichen Tiere weist darauf hin, dass es im Erdener Treppchen einen Bremer Weinberg gibt. Denn auf 1500 Quadratmetern wird der Bremer Senatswein angebaut – eine echte Rarität. Um Pflege und Ausbau kümmern sich Winzer vor Ort, verkauft wird im Bremer Ratskeller, der zum Weltkulturerbe zählt.

Seit 1405 wird in dem Gewölbelabyrinth unterm Rathaus Wein ausgeschenkt. Dort können die Besucherinnen und Besucher aus rund 600 verschiedenen Weinen wählen, die alle aus deutschen Weinbaugebieten stammen. Was in der renommierten Weinhandlung lagert, bestimmte 33 Jahre lang Karl-Josef Krötz. Der Ratskellermeister, der Ende 2022 in den Ruhestand ging, stammt gebürtig aus Neef.

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Leiter statt Treppe im Erdener Treppchen

Das Erdener Treppchen gibt es wirklich

Die Kletterei beginnt fast vom Start weg, denn nur wenige Meter oberhalb der Stele muss die erste langen Leiter bewältigt werden, die quasi die Kletterwegaspiranten aussiebt. Wer schon hier Probleme hat, der sollte besser gleich wieder umdrehen.

Mal führt der Weg durch die Rebzeilen, dann wieder dicht am Fels entlang. Schwierige Passagen sind mit Drahtseilen abgesichert. Verlaufen kann man sich auf diesem Kletterweg nicht, denn Hunderte von Stufen geben die Route vor.
Mal sind sie aus Beton, mal aus Metall, mal direkt in den eisenhaltige, rote Schieferboden gehauen.
Dieses markante Gestein in Erden geht auf vulkanische Aktivitäten vor Urzeiten zurück. Auf den Passagen mit rutschigem Schiefergeröll kann man der berühmten Lage schnell näher kommen als man eigentlich wollte.

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Der Wanderweg führt durch lange Rebzeilen

Drei Routen durch den Kletterweg

Drei Routen zwischen 2,9 und 4,3 Kilometern Länge stehen zur Wahl. Die Rundwanderweg unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen sind mit einem grünen, einem gelben oder roten Punkt markiert.

Wer die grüne Strecke wählt, hat den Kletterweg schon nach etwa einer Stunde passiert. Für die gelbe Route sollte man 1,5 Stunden Gehzeit einplanen. Wer sich für die anspruchsvolle rote Version entscheidet, läuft gut zwei Stunden aufwärts. Über einen Serpentinenpfad geht es durch einen verwunschenen Wald bis zum Aussichtsplatz auf dem Burgberg. Dort oben haben einst die Kelten eine Wallanlage errichtetet.

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Felswand im Erdener Treppchen

Artenvielfalt am Kletterweg

Unterwegs bietet die Natur ein kunterbuntes Spektakel. Weil es nur so wimmelt von seltenen Tiere und Pflanzen, wurde das Erdener Treppchen ausgezeichnet mit dem Titel „Leuchtpunkt der Artenvielfalt”.

Im Frühjahr leuchtet im Weinberg der Goldlack, der ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet ist. Der Duft von Wermut liegt in der Luft. Das Berg-Steinkraut, das entlang der Mosel nur an diesem Steilhang wächst, winkt mit seinen zitronengelben Blüten. Mauerpfeffer quillt aus dem blanken Fels.

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Buntes Spektakel am Felsen.

Unterwegs bietet die Natur ein kunterbuntes Spektakel. Schon im Frühjahr leuchtet im Weinberg der Goldlack, der ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet ist. Der Duft von Wermut liegt in der Luft. 

Das Berg-Steinkraut, das entlang der Mosel nur an diesem Steilhang wächst, winkt fröhlich mit seinen zitronengelben Blüten. Mauerpfeffer quillt aus dem blanken Fels. Zarte Bläulinge flattern herum. Auch der Uhu, die größte Eulenart der Welt, hat im Erdener Treppchen sein Revier.

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Eine Mauereidechse im Felsen.

Eidechsen verstecken sich in Mauerritzen, scheue Schlingnatter kreuzen den Weg und, sehr viel langsamer, Weinbergschnecken. Die gemächlichen Tiere kamen einst als lebendiger Proviant mit den Römern in die Region.

Weinbergschnecken haben normalerweise rechtsgewundene Gehäuse. Doch wer Glück hat, entdeckt eines der seltenen Exemplare mit linksdrehendem Haus. Schneckenkönig werden sie genannt.

Bank im Erdener Treppchen

Spektakel-Plätzchen im Treppchen

Zum Glück gibt es ausreichend Bänke, an denen man wieder Kräfte sammeln kann, und in aller Ruhe auf das Erscheinen der Schnecke warten kann. Natürlich immer mit grandioser Aussicht über die Mosel.

Bis zum Auftritt des Tieres kann es eine Weile dauern. Wie wäre es währenddessen mit einem Glas Riesling aus dem Erdener Treppchen oder gar dem Prälat? Die kleine Rastplätze sind wie dafür gemacht, mit den Tropfen anzustoßen, die rundherum wachsen.

 

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