Erdener Kletterweg: Kraxeln, wo der Pfeffer wächst

Die Reben stehen Spalier, ein Farbenmeer quillt aus dem blanken Fels. Über Stufen und Leitern schlängelt sich der Pfad. Nur selten kann man dem Riesling so schön beim Wachsen zusehen. Eine Tour über den Kletterweg im Erdener Treppchen.

Aussicht vom Kletterweg in Erden

Aussicht vom Kletterweg bis Ürzig

Vögel segeln um die Felsen herum, in der Ferne sieht man die Häuser von Ürzig. Tief unten glitzert die Mosel still vor sich. Das alles kann man ganz in Ruhe betrachten – denn im Weinberg herrscht Stau. 

So viel Betrieb ist in diesen Hängen ungewöhnlich, denn normalerweise hat man den Pfad über lange Strecken ganz alleine für sich.

Jetzt allerdings blockieren ein paar wartende Leute den Weg. Denn vor ihnen müht sich eine Frau im Schneckentempo an einer Leiter ab. „Ich hätte jetzt gern ein Eis”, sagt ein Junge. „Und ich ein Glas Wein”, ergänzt seine Nachbarin mit Blick auf die Reben.

Unterwegs auf dem Kletterweg in Erden.

Unterwegs auf dem Kletterweg

Das unspektakuläre Wandern zu dem Opa die Enkel noch mit Geld bestechen musste war gestern: Jetzt sind die Weinberge auch für ganz junge Leute attraktiv. Denn inzwischen kraxelt man an Drahtseilen entlang und über Leitern durch die Hänge.

Ab in den Kletterweg

Klettersteige stehen an der Mosel hoch im Kurs. Ob nun der Collis-Steilpfad in Zell oder der berühmte Klettersteig durch den CalmontIn einigen Weinbergen zwischen Koblenz und Trier wurden Eisenleitern und Trittstifte in Felswände getrieben.

Aussicht vom Kletterweg im Erdener Treppchen.

Blick auf Erden

Auch in Erden kann man die Steillage inzwischen besonders schön bezwingen. Der hiesige Kletterweg führt durch das Erdener Treppchen und die Parzelle mit dem wohlklingenden Namen Prälat.

Zwei der besten Weinlagen an der Mittelmosel, gelegen zwischen Ürzig und Kinheim.

Ein bisschen versteckt, gleich links neben der römischen Kelteranlage am Moselufer, liegt der Einstieg in den berühmten Hang.

Eine Treppe im Erdener Treppchen.

Eine Treppe im Erdener Treppchen.

Die Strecke ist, je nach gewählter Tour, gerade mal zwischen 2,9 Kilometer und 4,3 Kilometer lang. Aber die haben es ganz schön in sich, denn der Weg durchs Weinparadies ist steil. 

Gut 140 Höhenmeter dürfen in einem ständigen Auf und Ab überwunden werden. Und fast immer geht es dabei durch die Sonne. Kein Wunder, dass sich hier so viele Mauereidechsen tummeln.

Verlaufen kann man sich auf diesem Kletterweg nicht, denn Hunderte von Stufen geben die Route vor durch das begehrte Fleckchen Land.

Leiter im Erdener Kletterweg

Leiter statt Treppe im Erdener Treppchen

Mal sind sie aus Beton, mal aus Metall, mal in den Rotschiefer gehauen. Das berühmte Treppchen gibt es also wirklich!

Über tausend Stufen ins Blaue 

Leitern aus Metall überbrücken Weinbergsmauern und kleine Felsen. Mal führt der Weg durch die Rebzeilen, dann wieder dicht am Fels entlang.

Doch Vorsicht: Auf den Passagen mit rutschigem Schiefergeröll kann man der berühmten Lage schnell näher kommen als man eigentlich wollte.

Rebzeilen im Erdener Kletterweg

Der Weg führt durch lange Rebzeilen

 

Felswand im Kletterweg Erdener Treppchen

Felswand im Erdener Treppchen

Der Kletterweg ist in drei Schwierigkeitsstufen unterteilt und entsprechend mit einem grünen, gelben oder roten Punkt markiert. Wer die (kurze) grüne Strecke wählt, hat den Kletterweg schon nach etwa 40 Minuten passiert.

Wer sich jedoch für die rote (anstrengendere) Version entscheidet, läuft über eine Stunde aufwärts über einen Serpentinenpfad bis zu einem verwunschenen Wald.

Eingang zum Wald im Erdener Treppchen

Buntes Spektakel am Felsen

Und wird für die Mühe mit einem kunterbunten Spektakel belohnt. Schon im Frühjahr leuchtet im Weinberg der Goldlack, der ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet ist. Der Duft von Wermut liegt in der Luft.

Das Berg-Steinkraut, das entlang der Mosel nur an diesem Steilhang wächst, winkt fröhlich mit seinen zitronengelben Blüten. Mauerpfeffer quillt aus dem blanken Fels.

Bank im Erdener Treppchen

Spektakel-Plätzchen im Treppchen

Wer Glück hat, entdeckt sogar eine linksgewundene Weinbergschnecke. Bei den meisten der Tiere dreht sich das Gehäuse nämlich andersherum. Auch der Uhu hat hier sein Revier. 

Unterwegs auf dem Kletterweg stehen an lauschigen Plätzen Bänke, wo man ganz in Ruhe auf deren Erscheinen warten kann. Natürlich immer mit grandioser Aussicht über die Mosel.

Es könnte dauern. Wie wäre es also mit einem Glas Riesling aus dem Erdener Treppchen oder gar dem Prälat? Und dann beim Trinken den Reben beim Wachsen zusehen.

 

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