Maare in der Eifel: Schwimmen im Vulkan

Vor Jahrtausenden wüteten Feuerberge zwischen Mosel, Ahr und Rhein. Zurückblieben glitzernde Maare, die Markenzeichen der Eifel. Nirgendwo sonst in Deutschland kann man in einem Vulkansee schwimmen. 

 

Maare, Eifel, Holzmaar

Das Holzmaar zwischen Eckfeld und Gillenfeld.

Oh, wie zauberhaft ist dieser Ort. Libellen schwirren herum, Schäfchenwolken spiegeln sich im Wasser, ein Boot treibt einsam im Schilf. In aller Seelenruhe hocken Angler am Ufer, um in der beschaulichen Kulisse ihrem Hobby nachzugehen.

Hier kommen alle Zutaten zusammen für das perfekte Postkarten-Idyll. So ruhig und friedlich wirkt dieser See. Dabei brodelte und tobte die Erde hier einst ohne Unterlass. Und bis heute lodert das Feuer immer noch auf kleiner Flamme im Untergrund.

Das ist das Holzmaar, ein wundervolles Kleinod in der Nähe von Gillenfeld. Geboren unter Donnergetöse vor gut 20.000 Jahren. Denn damals wüteten die Feuerberge zwischen Mosel, Ahr und Rhein. Sie rauchten, rumpelten, spuckten und glühten.

Maare, Eifel, Holzmaar.

Schwimmen verboten, Angeln erlaubt: Das Holzmaar.

Über mehr als 40 Millionen Jahre lang haben die Ausbrüche das Mittelgebirge immer wieder erschüttert. Wer heute mit dem Auto durch die Eifel fährt, entdeckt Zeugen dieses Infernos zuhauf, denn mehr als 300 Krater und Schlackenkegel prägen die hügelige Landschaft.

Eine besonders imposante Hinterlassenschaft der explosiven Zeit sind die Maare. Wild-romantische Naturschönheiten, die uns lehren, dass nicht alle Vulkane wie Berge aussehen.

Einzigartige Maare in der Eifel

Aus der Vogelperspektive sieht die Gegend um Manderscheid und Daun aus wie eine Seenplatte. Natürlich sind die geologischen Kostbarkeiten längst als Markenzeichen der Region in aller Munde.

Immerhin 75 Maare wurden bislang von Wissenschaftlern in der Vulkaneifel gezählt, von denen das Eckfelder Maar, in dem das berühmte Urpferdchen gefunden wurde, mit rund 44 Mio Jahren das älteste ist.

Allerdings sind die meisten davon verlandet, nur zwölf sind ständig mit Wasser gefüllt. Weil sie so tiefblau glitzern, hat die Schriftstellerin Clara Viebig (1860 – 1952) die Maare „die Augen der Eifel” genannt.  

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Das Pulvermaar. Foto: Helmut Gassen/Eifel Tourismus GmbH

Und keines der Maare ist so perfekt wie das Pulvermaar. Fast kreisrund, mit einem geschlossenen Kraterwall, gehört es mit 74 Metern sogar zu den der tiefsten Seen in Deutschland. Hier in Gillenfeld gibt es einen Campingplatz nebst Tretbootverleih, auch ein Naturschwimmbad wurde eingerichtet.

Denn das Pulvermaar ist eines der wenigen Maare, in denen Schwimmen erlaubt ist. Zwar ist die Wassertemperatur der Maare durchaus gewöhnungsbedürftig. Dennoch schwärmen alle von der Sanftheit des weichen Wassers.

Schwimmen im Maar

Ein weiterer Superlativ ist das Meerfelder Maar. Denn mit einem Durchmesser von etwa 1,5 Kilometer ist es der größte Maarkessel, den die gesamte Eifel zu bieten hat. Außerdem liegt der Ort Meerfeld direkt in der Kraterebene. Wer kommt nur auf die Idee, ein Dorf in einem Vulkan zu errichten?

Tatsächlich schenkte Kaiser Wilhelm I. seinerzeit den Meerfeldern 12.000 Reichsmark, damit sie den Seespiegel zwecks Landgewinnung um zwei Meter absenken konnten. 

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Das Meerfelder Maar.

Und auch hier: nichts als Idylle. Das Ufer ist von Seerosen, Binsen und gelben Schwertlilien besiedelt. Über zehn verschiedene Fischarten tummeln sich im Maar. Von einem kleinen Steg klettern die Leute ins Wasser und schwimmen los. Oder sie treiben auf Luftmatratzen im erloschenen Vulkan. 

Entstehung der Maare

Wer heute am Ufer sitzt, kann sich schwer vorstellen, welche Dramen sich hier einst abgespielt haben müssen. Die Hölle tat sich damals auf! Glühendes Magma und Wasser trafen aufeinander, explodierten, und krempelte mit einem gewaltigen Knall das Erdinnere um.

Aschewolken verdunkelten den Himmel, Lavabrocken und Sand wurden noch oben heraus gespuckt und bildeten einen Wall um den Krater. Der füllte sich über die Jahre mit Wasser. Auf diese Weise entstanden die Seen. Wer mehr über die Geburtsstunde der Maare wissen will, lässt es sich im Manderscheider Maar-Museum erklären.

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Das Naturfreibad im Schalkenmehrener Maar

Trotzt höllischer Vergangenheit strahlen die Maare heute etwas Beruhigendes aus, das sich kaum in Worten beschreiben lässt. Eigentlich sitzt man viel zu selten am Maar. Denn die romantischen Gewässer haben etwas Mystisches. Jedes auf seine eigene Art und Weise.

Hoch in der Gunst bei Touristen steht das 21 Meter tiefe Schalkenmehrener Maar. Denn es gibt einen Kiosk, eine Liegewiese, ebenso einen Bootsverleih. Am Steeg trainieren Kinder mit größtem Vergnügen, wie Pakete verschnürt ins Wasser zu springen: Die Arschbombe ist ein Lebensgefühl. 

Drei Dauner Maare

In dieser Gegend, ganz in der Nähe von Daun, boomt der Fremdenverkehr wie sonst kaum irgendwo in der Eifel. Denn vor Urzeiten wurden unmittelbar nacheinander gleich drei riesige Löcher in die Erdoberfläche gesprengt. 

Deshalb liegt unmittelbar über dem Schalkenmehrener Maar das kleine Weinfelder Maar, dessen dunkelblaues Wasser geheimnisvoll leuchtet. Zwar ist Schwimmen nicht erlaubt. Dafür gibt es Ruhe und Frieden im Überfluss. Ein fast melancholischer Ort, um den sich zahlreiche Geheimnisse und Geschichten ranken. 

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Das Weinfelder Maar, auch Totenmaar genannt.

Es heißt zum Beispiel, einst habe ein Schloss an der Stelle des Kraters gestanden, dessen Umrisse man heute auf der dunklen Wasseroberfläche noch erkennen könne.

Wahr ist: Früher gab es hier ein ganzes Dorf, doch wegen der Pest flohen die Weinfelder damals nach Schalkenmehren. Zurückgeblieben ist nur die kleine Martins-Kapelle am Nordufer des Maars. Wer im Inneren am Seil zieht, um das Glöckchen zu läuten, dessen Wunsch soll angeblich in Erfüllung gehen.

Bis heute begraben die Schalkenmehrener ihre Toten auf dem Friedhof rund um das Kirchlein. Deshalb wird das Weinfelder Maar auch Totenmaar genannt.

Das dritte der Dauner Maare ist nur wenige Gehminuten  entfernt. Vom Parkplatz zwischen dem Weinfelder und dem Schalkenmehrener Maar führt ein Weg auf den 561 Meter hohen Mäuseberg.

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Der Donketurm auf dem Mäuseberg.

Wie aus einem Märchenbuch entsprungen steht dort seit 1902 der Dronketurm, erbaut zu Ehren des Gründungsvaters des Eifelvereins, Adolf Dronke. Auf den Wiesen rings herum weiden Esel, Ziegen und Schafe.

Gleich neben dem Rapunzeltürmchen bietet eine Bank, ähnlich einer Hollywood-Schaukel, einen schönen Platz für eine Rast. Doch wer über die Wendeltreppe hinauf zur Plattform klettert, dem eröffnet sich eine Fernsicht über die Vulkanlandschaft wie gemalt. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis hin zur Hohen Acht.

Blick aufs Gemündener Maar

Dem Turm zu Füßen liegt 150 Meter tiefer das Gemündener Maar, eingebettet in Hügel, Wiesen und ganz viel Wald. Auch dort unten schwimmen Menschen entspannt durchs Wasser oder kurven mit Boote herum. Eine Augenweide. Doch vielleicht nur für den Moment?

Zwar liegt der letzte große Ausbruch nun schon 11.000 Jahre zurück. Dabei entstand das Ulmener Maar, Deutschlands jüngster Vulkan. Erdgeschichtlich gesehen ist diese Zeitspanne jedoch nur ein Wimpernschlag. 

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Das Gemündener Maar

Nur, weil gerade kein Vulkan spuckt, heißt das nicht, dass die Feuerberge bei uns für immer Ruhe geben. Immerhin kam es zum Beispiel in der Osteifel während der letzten 450.000 Jahre durchschnittlich alle 5.000 bis 10.000 Jahre zu einem Vulkanausbruch.

Lange dachte man, die Vulkane seien erloschen, doch neuere Forschungen sehen das anders. Zum Beispiel geht der bekannte Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke davon aus, dass die Vulkane in der Eifel nur eine Pause eingelegt haben und aufwachen können.

Droht ein Ausbruch?

Denn unter den Füßen der Eifel-Bewohner tut sich immer noch etwas, ständig. Tatsächlich messen Forscher regelmäßig magmatische Gase, die Grüße aus der Tiefe senden. Deshalb sprudeln in der Region auch Hunderte von Quellen mit natürlicher Kohlensäure.

Aber keine Panik, denn Vulkanausbrüche kündigen sich im Gegensatz zu Erdbeben immerhin längerfristiger an. Doch bislang konnten weder Erdstöße noch Verformungen des Bodens beobachtet werden. Das wären typische Zeichen.  Untersuchungen deuten darauf hin, dass es durchaus noch einige Tausende Jahre dauern dürfte, bis die Eifel wieder explosiv wird.

 

Maare mit Natur-Freibad

Pulvermaar, 54558 Gillenfeld. Feriendorf mit Campingplatz.

Meerfelder Maar, Meerbachstraße 9, 54531 Meerfeld. Der Aussichtsturm „Landesblick” (ausgeschildert) bietet einen schönen Rundumblick über die Eifellandschaft und den Maarsee.

Meerfelder Maar, Eifel

Das Meerfelder Maar.

Gemündener Maar, Maarstraße, 54550 Daun-Gemünden. Reichlich Platz, Sprungturm, Kinderbecken. Allerdings wenig Schattenplätze.

Naturfreibad Schalkenmehrener Maar, Pitt-Kreuzberg-Weg, 54552 Schalkenmehren. Zudem gibt es einen Campingplatz und ein Hotel.

Noch mehr Tipps, wo Sie an der Mosel schwimmen können gefällig? Dann klicken Sie hier.

Auch diese Vulkanseen lohnen den Besuch

Geologische Einzigartigkeit: Der Windsborn Kratersee wurde lange fälschlicherweise als Maar bezeichnet. Dabei ist er einzige Kratersee nördlich der Alpen, der ständig mit Wasser gefüllt ist.

Tipp: Der Aufstieg hat es durchaus in sich, aber er lohnt sich. Denn auf dem Kraterrand eröffnet sich ein einzigartiger Blick auf die Mosenberg-Meerfelder-Vulkangruppe. Anfahrt von Manderscheid über die L16, am Ortseingang Bettenfeld der Beschilderung folgen.

Für Hobby-Ornithologen: Auf den Wiesen am Jungferweiher legen jährlich Zugvögel wie Kraniche eine Rast ein. Sogar Fischadler bei der Jagd konnten in dem Naturschutzgebiet schon beobachtet werden.

Tipp: Eine Wanderung im Frühjahr oder Herbst auf dem etwa drei Kilometer langen Rundweg. Anfahrt über die Straße Am Jungferweihe in Ulmen.

Holzmaar, Naturschutzgebiet

Man steht viel zu selten am Maar.

Schwimmen und Kultur: Im Laacher See wird im Sommer gebadet, geangelt und gesurft. Zwar halten viele das Gewässer für ein Maar, doch wissenschaftlich handelt es sich um eine Caldera. Mit dem benachbarte Kloster Maria Laach gilt der 3,3 Quadratkilometer große See als beliebtes Ausflugsziel, dass jährlich rund Million Touristen ansteuern.

Tipp: Am Ostufer gibt es Spannendes zu entdecken, denn dort steigen blubbernde Gasbläschen empor – ein Indiz für den schlummernden Vulkan.

Wandern in geschützter Natur

Mitten im Naturschutzgebiet liegt das Immerather Maar, nur wenige Gehminuten vom gleichnamigen Ort entfernt. Es ist fast kreisrund und lässt sich auf einem knapp einen Kilometer langen Uferpfad vollständig umschreiten. Zudem führt ein Maarwanderweg auf fünf Kilometern Länge durch das Naturschutzgebiet.

Burgbesichtigung: Über dem Ulmener Maar thront die frei zugängliche Ruine einer Ritterburg auf dem Kraterrand. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf den Maarsee, der als Trinkwasserreservoir für etwa 30.000 Einwohner dient.

 

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