Zauberhaftes Ediger: Fachwerk-Romantik wie vom Zuckerbäcker gebaut

Noch nie in Ediger gewesen? Dann haben Sie keinen Schimmer, was Ihnen entgeht. Denn es gibt: Eine umtriebige Dorfgemeinschaft, Fachwerk-Romantik und einen sympathischen Dialekt. Und dann ist da noch die Sache mit dem „Stohlgang”.

 

Mosel, Ediger

Blick in ein Ediger Gässchen.

Etwa in der Mitte von Cochem und Zell, wo die Weinberge am allersteilsten sind, liegt dieses bezaubernde Dorf. In Sichtweite des fast vertikalen Calmonts, berühmt als der steilste Weinberg Europas.

Die Mosel legt ab hier noch 73 Kilometer bis zu ihrer Mündung in Koblenz zurück. Die Reben wachsen im Feuerberg, im Hasensprung oder im Osterlämmchen. Herrlich, diese Namen. 

Dieses kleine Fleckchen Erde blickt auf eine ellenlange Geschichte zurück: Die ersten Siedler waren die Kelten. Danach brachten die Römer den Wein, dicht gefolgt von den Franken, um ihre Spuren in der Sprache zu hinterlassen.  

Mosel, Ediger, Alte Schule

Die alte Schule von 1540.

Man sieht Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, stapft über Kopfsteinpflaster und schreitet durch mittelalterliche, steinerne Tore. Hier Weinranken und Efeu, da quellen Blumen in allen Farben aus den Kästen.

Unterwegs im Bilderbuchdorf Ediger 

Herzlich willkommen in Ediger! Oder wie man hier sagt: Edscha. Denn die Mundart ist quicklebendig. 

Kaum ein anderer Ort im Tal glänzt mit so viel Giebelfachwerk, Adelssitzen und Klosterhöfen auf so engem Raum. Sogar die sieben Meter hohe Stadtmauer mit Türmen aus dem 14. Jahrhundert ist noch weitgehend erhalten. 

Mosel, Ediger, Fachwerkhaus

Das höchste Fachwerkhaus an der Mosel steht in Ediger.

Es ist ein moselromantisches Bilderbuch, durch das Besucher hier spazieren. Aber Ediger ist kein Museumsdorf. Ganz und gar nicht. Viele Dorfbewohner leben schon seit Generationen in den historischen Mauern. Auch Zugezogene haben hier ein neues Zuhause gefunden. 

Es gibt erstaunlich viele junge Familien. Neuerdings sogar einen Lotto-Gewinner. Wenn etwas passiert, dann geht das schneller viral als auf Facebook. 

Mosel, Dorf, Ediger, Holle Häuschen

Das Haus des Gastes steht hier seit fast 400 Jahren.

Natürlich behaupten viele Ort von sich, besonders schön zu sein. Die Doppelgemeinde Ediger-Eller hat es allerdings schriftlich: Beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft” wurde sie mit einer Goldmedaille belohnt.

Dafür wurde saniert als gäbe es kein Morgen. Dabei haben die Menschen das fabelhafte Kunststück vollbracht, barocken Mief aus den mitunter handtuchschmalen Gassen zu kehren und dennoch ihr historisches Erbe zu bewahren.  

Mosel, Ediger, Norbert Krötz

Norbert Krötz am Eingang der Synagoge. Eine Station der Dorfführung.

Inzwischen zeigen etliche Fachwerkbauten wieder ihre jahrzehntelang hinter Putz versteckten Fassaden. Lassen Sie sich doch deren Geschichten bei einer Ortsführung von Norbert Krötz erzählen. Der Ediger kennt in seiner Heimat jeden Winkel, jede Katze, jeden Stein.

Seine Tour startet am Holle Häuschen, dem „Haus des Gastes”. Anmutig und windschief steht es schon seit 1623 am Fluss.

Häuser als Sehenswürdigkeiten

An den Markierungen an der Hauswand kann man ablesen, wie hoch die Fluten der eigentlich so beschaulichen Mosel manchmal steigen. Am Schwalbensaal hingegen werden die Ankunfts- und Abflugzeiten der Vögel seit den 80er-Jahren notiert.

Schwalbensaal in Ediger

Schwalbensaal in Ediger

Natürlich kann man sich in Ediger auch an fast jeder Ecke einen zwitschern. Zum Beispiel moderne Gastronomie in alten Gemäuern gefällig? Im Springiersbach Hof, von den Mönchen des Eifler Klosters im 18. Jahrhundert gebaut, haben Gabriele und Michael Borchert ein schickes Wein-Café eingerichtet. 

Da stehen aber auch das höchste Fachwerkhaus der Region und das Schulgebäude von 1540 neben der Kirchenpforte. Und eine kleine, restaurierte Synagoge.

Springiersbacher Hof, Ediger

Terrasse vom Springiersbacher Hof

Und über den Köpfen glitzert das achteckige Aushängeschild der Gemeinde: Die Ediger sind stolz auf den Kirchturm von St. Martin, den die Fachwelt sogar als den am reichsten verzierten seiner Art in Europa feiert. Und dann ist da natürlich noch die Kreuzkapelle mit dem berühmten Steinrelief „Christus in der Kelter”. 

Vor allem aber sind da die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger der Doppelgemeinde. Ob nun Kindertheater oder  Straßenfeste, Weinverkostungen oder Fußballturnier – irgendetwas geht immer. Kein Wunder, die umtriebige Dorfgemeinschaft ist in sage und schreibe über 30 Vereinen und Gruppen organisiert. 

Mosel, Dorf, Ediger, Kirchturm

Der Kirchturm in Ediger

Da ist der Karnevalsclub. Oder die Römergruppe. Von Brauchtumspflegern bis zu Anglern sind sämtliche Interessen vertreten. Tatsächlich haben sich sogar Alphornbläser an der Mosel zusammengetan. Die  „Eijefaasdouedängeler” machen stattdessen mit Eichenbrettern Musik. Interessant, auf ’was für Ideen man hier so kommt.

Weinfest mit Stohlgang

Ein wenig seltsam mutet auch der Name dieser Veranstaltung für Außenstehende an: Jedes Jahr im August feiern alle am Montag nach dem Weinfest den „Edschara Stohlgang”! Was sich dahinter verbirgt?

Angefangen hat alles mit ein paar Leuten, die mit Musikinstrumenten durch die Straßen zogen. Inzwischen reisen sie aus allen Himmelsrichtungen an, um die verwinkelten Gässchen zu belagern. Im Gepäck: Wurst, Käse, Kartoffelsalat – und einen Stuhl. 

Noch nie in Ediger gewesen? Nun wissen Sie, was Ihnen entgeht.

 

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