Beilstein entdecken: Ein Dorf wie eine Filmkulisse

Beilstein zieht an. Denn hier gibt es eine Burg, die pure Moselromantik – und es gibt Rainer Vitz. Seine Stadtführungen sind es, die den Beilstein-Besuch zu einem echten Erlebnis machen.

Beilstein an der Mosel

Die Klosterkirche der Karmeliter. Im Hintergrund die Burgruine Metternich.

Zwischen steilen Weinbergen drängelt sich ein Häusermeer, davor nimmt die Mosel elegant eine Kurve. Auf einem Hügel thront die barocke Karmeliterkirche und auf der anderen Seite die Burg Metternich – vielmehr deren attraktive Reste. Der britische Maler William Turner malte die Szenerie und machte sie weltberühmt.

Das kleine Beilstein ist ein Kleinod der Moselarchitektur, dem man sich am besten vom gegenüberliegendem Moselufer nähert. Denn nur von Ellenz-Poltersdorf hat man den vollen Blick auf das denkmalgeschützte Ensemble.

Beilstein, Ellenz, Fähranleger

Postkartentauglich: Blick auf Beilstein vom Fähranleger.

Dann kann man mit der Fähre ans Beilsteiner Ufer übersetzen oder über die nächste Brücke fahren, um in Ruhe durch das mittelalterliche Dorf zu bummeln.

Ganz Beilstein besteht aus Fachwerkhäuschen, verbunden durch Torbögen, verwinkelten Gässchen und Stiegen. Geranien vor den Fenstern, Weinreben klettern die Fassaden empor. Alles ist winzig klein. Hier kennt wirklich noch jeder jeden. Wer je einen dieser uralten Heimatfilme im Fernsehen gesehen hat: Hier steht man mittendrin.

Beilstein, Mosel, Weingasse

Die Weingasse

Eines der schönsten Dörfer an der Mosel

Mit einem Schoppen Wein auf einer der Terrasse sitzen, etwa am Alten Zollhaus oder im Hotel Lipmanns, und dabei den Schiffen (zum Weiterlesen: Hier sind Sie auf dem richtigen Dampfer!») auf der Mosel zusehen: Das ist so gemütlich, dass dieses Wort, das es nur in unserer Sprache gibt, vermutlich in Beilstein erfunden wurde.

Das historische Kleinod wirkt wie aus der Zeit gefallen, ein Dorf wie aus dem Märchen. Der Beiname „Dornröschen der Mosel” kommt nicht von ungefähr. Denn das mittelalterliche Stadtbild blieb wie in kaum einem anderen Moselort erhalten.

Beilstein, Kloster, Burgruine Metternich

Das Karmeliterkloster und die Burgruine Metternich.

Die Armut ließ bauliche Veränderungen in der Vergangenheit gar nicht zu. Zudem konnte man Beilstein lange Zeit nur über den Wasserweg erreichen. Es gab an der Mosel keine Zufahrtsstraße und auch aus dem Hunsrück führten allenfalls Trampelpfade ins Dorf. Das ist inzwischen aber anders.

Von verschlafen und verwunschen kann heute während der Saison keine Rede mehr sein. Denn für viele ist Beilstein das schönste Dorf an der Mosel. Und so schieben sich täglich Hundertschaften von Touristen durch die Bachstraße, eine Art Hauptschlagader in der winzigen Gemeinde.

Beilstein, Bachstraße.

In der Bachstraße liegen die meisten Hotels und Restaurants.

Hotspot Kloster mit Restaurant

Sie shoppen Souvenirs, bevölkern den 700 Jahre alten Marktplatz oder verkosten die Weine des Ortes im ehemaligen Von Metternich´schen Zehnthaus, eine Art mittelalterliches Finanzamt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.

Spanische Besatzungstruppen haben im 17. Jahrhundert die Schwarze Madonna zurückgelassen. Wer die 50 Zentimeter große Skulptur besichtigen will, steigt zur Karmelitenkirche St. Josef empor. Tatsächlich besitzt das Nest die größte Dorfkirche an der Mosel. 

Die Karmeliterkirche in Beilstein.

Die Karmeliterkirche in Beilstein.

Das ehemalige Kloster beherbergt auch ein Restaurant – mit „Hochwürdens Leibspeise” etwa kann man der Besichtigung einen würdigen Schlusspunkt setzten.

Beilsteins Burg Metternich

Von dort ist es aber auch nicht mehr weit bis zur proper sanierten Ruine der Burg Metternich. Das Gelände ist weitläufiger als man vielleicht zunächst meint. Der hochhaushohe Bergfried will bestiegen, steinerne Bögen wollen durchschritten werden. Dann ist da natürlich noch die Fürst Metternich Stube. Auf der Speisekarten stehen Süßes und Deftiges aus der Moselküche, die unversperrte Sicht über Beilstein gibt es gratis hinzu.

Zum Weiterlesen: Burg Metternich: Zum Herrschen geeignet»

Burg Metternich, Beilstein

Von der Mosel aus betrachtet: Die Burg Metternich.

Wer früh am Morgen nach Beilstein kommt, kann fast alleine in die Illusion der Vergangenheit eintauchen. Zwischen elf Uhr und 19 Uhr wird das Dorf von Schiffs- und Busladungen heimgesucht. Danach ist Frieden.

Die allermeisten Besucher reisen zwar gegen Abend wieder ab. Doch einige, die als Touristen kamen, blieben für immer. Da sind zum Beispiel die beiden irischen Frauen, die sich in Beilsteiner Winzer verliebten. Oder die Französin, die heute die Schiffstickets verkauft. Es gibt Schweden, Engländer und den Deutsch-Amerikaner, der mit seiner mexikanischen Frau eine Galerie betreibt.

Beilstein, historischer Marktplatz

Der Marktplatz in Beilstein

Zusammen bringen es die 136 Beilsteiner Bürger und Bürgerinnen auf insgesamt dreizehn Nationen. „Wir sind ein Schmelztiegel”, lacht Rainer Vitz. „New York kann sich hinter uns verstecken.”

Auch Rainer Vitz ist ein Zugereister. Ursprünglich stammt der Wahl-Beilsteiner aus Mönchengladbach, machte aber schon als Kind Ferien an der Mosel. „Wer öfter her kommt wird vom Beilstein-Virus befallen, und beschließt, im Rentenalter hier ein Haus zu kaufen”, erzählt Rainer Vitz. „Ich habe das eben schon etwas früher gemacht.”

Beilstein, Mosel, Gasse

Ein stilles Gässchen in Beilstein.

Stadtführung mit Seltenheitswert

Rainer Vitz kennt in Beilstein jeden Winkel und die Geschichte von jedem Stein – und gibt sein Wissen mit Eloquenz an jedem Wochenende mehrmals täglich an interessierte Besucher und Besucherinnen weiter.

Rainer Vitz bietet einzigartige sozial-historische Führungen an, die einen Beilstein-Besuch erst zu einem echten Erlebnis machen. 

Beilstein, Mosel, Gasse

Die alte Winzerschänke

Unterwegs erzählt der Stadtführer anhand historischer Fotografien an den originalen Schauplätzen von 700 Jahren Leben der Beilsteiner Männer und Frauen. Dabei verrät er so manches Detail, was man bislang noch nirgendwo nachlesen konnte.

Zum Beispiel dass es in Beilstein einst einen Ritterturnierplatz gab und dass eine heute so hübsche Restaurant-Terrasse früher ein Friedhof war. Um all diese Infos heraus zu bekommen, hat der Stadthistoriker Zeitzeugen befragt, bergeweise Bücher gelesen und bei Kaffeekränzchen mit Beilsteiner Witwen Erstaunliches erfahren. 

Beilstein, Stadtführung

Rainer Vitz bei einer Führung.

Das Wunder von Beilstein

Wie die Geschichte des armen Hausmädchens, das einem kinderlosen Paar nach dessen Ableben plötzlichen Reichtum verdankte. „Vom Tellerwäscher zum Millionär: In Beilstein werden solche Träume noch wahr”, wirbt Rainer Vitz während einer Führung für sein Dorf.

Über das alte Kopfsteinpflaster stapft der Historiker mit seiner Gruppe zum Café Klapperburg. Ein kleines Café plus Kaffeemühlen-Museum in der Bachstraße 33. Als während des Dreißigjährigen Krieges die Lepra Beilstein beherrschte, siechten in dem Gebäude die Aussätzigen dahin. Verließ ein Erkrankter das Haus, musste er mit einer Holzklapper seine Krankheit signalisieren. So kam der Name des heutigen Lokals zustande.

Ein Haus in Beilstein.

Ein Haus in Beilstein.

Beilstein als Filmkulisse für Rühmann

Gleich hinter der Klapperburg wurde Beilsteins berühmtestes Stück Filmgeschichte geschrieben: Denn an der Klostertreppe stand Heinz Rühmann 1936 für den Film ‚Wenn wir alle Engel wären’ vor der Kamera. Ebenso schritt das Kölner Ur-Gestein Willi Millowitsch als ‚Der wahre Jakob’ die 108 Stufen hinab. 

Die Regisseure der alten Schinken waren damals so begeistert von der Kulisse, dass sie viele Kinokassenschlager in Beilstein drehten. Immer prominent besetzt, zum Beispiel mit der hinreißenden jungen Marianne Koch oder mit Curd Jürgens in der Rolle des „Schinderhannes”. Die ganz Großen gaben sich damals die Klinke in die Hand.

Die Klostertreppe in Beilstein.

Hier hüpfte schon Heinz Rühmann hinab. Die Klostertreppe.

Der unvergessene Heinz Rühmann residierte im Gästehaus der weinumrankten Winzerschenke. „Hier in Beilstein verliebte sich Heinz Rühmann in seine Kollegin und spätere Lebensgefährtin Leny Marenbach”, erzählt der Stadtführer. 

Insgesamt 15 Filme entstanden bislang in dem beliebten Mosel-Ort. Zuletzt diente Beilstein 1998 als Drehort für den Historienfilm ‚Vanity Fair’ der britischen BBC. Auch Rainer Vitz hatte darin einen kleinen Auftritt.

Beilstein, Dorf

Beilstein von oben betrachtet.

Aber der Historiker weist genauso daraufhin, dass dieses Moseldornröschen auch Dornen hat. Ob es nun um die bittere Armut der Beilsteiner im 16.Jahrhundert geht oder um eine Bauruine, die seit über 30 Jahren die Gerichte beschäftigt.

Jüdisches Leben in Beilstein

Auch wissen nur wenige, dass Beilstein in der Weingasse eine ehemalige Synagoge besitzt. „Sie stammt im Kern wohl aus dem beginnenden 14. Jahrhundert ”, so der Historiker.

Eingang zur ehemaligen Synagoge

In der ehemaligen Synagoge ist heute eine Galerie untergebracht.

Wer mehr als schöne Fassaden sehen will, der sollte sich deshalb unbedingt der „Sozialgeschichtlichen Stadtführung” anschließen. Rund zwei Stunden dauert die spannende Tour – „Ich überziehe immer”, garantiert Stadtführer Rainer Vitz – und ist keine einzige Minute langweilig.

Führungen: April – Oktober, 14:30 Uhr (samstags) bzw. 10:30 Uhr (sonntags. Treffpunkt: Marktplatz, Erw. 5,50 €, Kinder 3 €. Info Stadtführung