Schloss Berg in Nennig: Jetons, Sterneküche und ein verlassener Ort

Schloss Berg in Nennig an der Obermosel zieht an. In der Nobelherberge mit Sterne-Restaurant und Spielcasino rollt der Rubel. Doch auch die Fans verlassener Orte kommen auf ihre Kosten.

Schloss Berg, Nennig, Obermosel

Schloss Berg

Nennig, ein Ortsteil der saarländischen Gemeinde Perl, ist recht übersichtlich. Etwa 1350 Menschen leben vis-à-vis von Remich. Am Wochenende schieben sich Tanktouristen in einer langen Autoschlange über die kleine Moselbrücke. Die Winzer ernten auf den Muschelkalkböden an den Hängen der Mosel, die hier, nahe dem Dreiländereck bei Schengen, als natürliche Grenze zu Luxemburg fließt.

Ein römisches Mosaik und Schloss Berg

Doch wenn Archäologen, Feinschmecker oder Zocker „Perl-Nennig” hören, klingelt es in ihren Ohren. Zum einen bietet der Moselort ein rund 160 Quadratmeter großes besterhaltenes römisches Mosaik.

Schloss Berg, Nennig, Garten

Der Garten von Schloss Berg.

Zum anderen steht Schloss Berg am Ortsrand auf dem Hügel, das einst die Herren von Berg, später von Sierck bewohnten.

Ein Sehnsuchtsort für Feinschmecker und Zocker auf der Jagd nach dem großen Gewinn. Als Wahrzeichen der Obermosel hat das Anwesen dem römischen Mosaik den Rang abgelaufen.

Schloss Burg, Nennig, Spielcasino

Das Spielcasino im Anbau.

Die Wurzeln der ehemaligen Wasserburg reichen vermutlich bis ins 9. Jahrhundert zurück. Aber im 17. Jahrhundert wurde das mittelalterliche Gebäude – wie so viele Burgen – nach und nach zum Renaissance-Schloss umgebaut.

Im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, hat das Saarland das Anwesen in den 50er Jahren wieder aufbauen lassen und fast 30 Jahre als Schullandheim genutzt.

Spielcasino und Sterne-Küche

Heute rollt hier von morgens bis abends der Rubel. Denn inzwischen beherbergt Schloss Berg ein Luxushotel mit Spielkasino und ein Gourmet-Restaurant.

Nennig, Schloss Berg, Christian Bau

Schloss Berg: Sterneküche mit Christian Bau

Die Gäste kommen vor allem aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Aber es sollen tatsächlich schon Leute aus London zum Mittagessen eingeflogen sein. Immerhin drei Sterne erkochte sich Christian Bau im Restaurant Victor’s Fine Dining. „Außergewöhnlich”, urteilt der Michelin. „Die Reise lohnt sich.” Sowas spricht sich natürlich herum.

Zerfallene Schwester von Schloss Berg

Allerdings ist die benachbarte Unterburg, auch Niederburg genannt, ein Geheimtipp geblieben. Nur die Menschen, die sich lost Places verschrieben haben, zieht es zu dem Gebäude hinter dem herausgeputzten Schloss Berg.

Niederburg, Nennig, Obermosel

Die zerfallene Niederburg

Über dem Portal des Wohnturms ist eine Inschrift zu lesen: „Pax Intrantibus”, zudem die Jahreszahl 1709. Obwohl das Gemäuer früher vermutlich Teil der Burganlage war, ist von dem alten Glanz nicht viel übrig geblieben. Der Zerfall nagt an der Unterburg und hinterlässt Jahr um Jahr seine Spuren.

Lost place, Nennig, Obermosel

Das Eingangsportal

Der zugewucherte Schlossgarten ist längst nicht mehr passierbar. Kletterpflanzen erobern den Turm. Die Eingangstür am Ende der langen Treppe ist zwar geschlossen, doch zur Hälfte zerstört. Dennoch ist der frühere Charme nicht zu übersehen. Ein Sehnsuchtsort für Leute auf der Suche nach Lost Places.

 

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