Schengen: Sehenswürdigkeiten im berühmtesten Dorf der Welt

Zwar ist Schengen den meisten Leuten ein Begriff, denn mit dem Abkommen wurde der Grundstein für ein grenzenloses Europa gelegt. Aber wie sieht es dort eigentlich aus? Ein Besuch im berühmtesten unbekannten Dorf der Welt.

Von Schengen hat eigentlich jeder schon gehört. Steht es doch seit mehr als drei Jahrzehnten für Reisen ohne Grenzkontrollen und Zoll in Europa.

Manche kennen Schengen durch das Visum, das sie für die Einreise in europäische Länder beantragen müssen. Doch es soll auch hierzulande nicht wenige geben, die Schengen nur für eine Abkürzung halten.

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„Die Wiege des grenzenlosen Europas“ steht in Schengen

Und viele von denen, die zumindest wissen, dass es sich um eine Ortschaft handelt, haben keinen Schimmer, wo sie eigentlich liegt. Vielleicht in Belgien oder in Deutschland? Falsch, Schengen ist auch kein „charmantes Dörfchen in den Niederlanden”, wie der ehemalige französische Präsident François Mitterrand einst sagte.

Schengen in Luxemburg

Schengen liegt in Luxemburg an der Mosel. Vis-à-vis vom deutschen Winzerort Perl und dem französischen Apach. Genau dort, wo das Saarland, Lothringen und Luxemburg das Dreiländereck bilden.

Täglich pendeln Deutsche und Franzosen unbehelligt von Kontrollen nach Luxemburg. Mal zur Arbeit, mal zum billigen Tanken. Viele Luxemburger wiederum sind auf die deutsche Seite der Mosel gezogen, um günstiger als in der Heimat zu wohnen. In Schengen ist Europa tagtägliche Realität. 

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Historisches Foto zum Schengener Abkommen

Dabei mussten Bauern früher sogar ihre Mistfuhre verzollen, wenn sie über die Brücke von Perl nach Luxemburg rollten. Doch am 14. Juni 1985 wurde das Schengener Abkommen unterzeichnet, das den teilnehmenden Staaten freien Personen- und Warenverkehr garantiert.

Schauplatz des historischen Akts war ein elegantes Fahrgastschiff der Luxemburger Moselflotte, die „MS Princesse Marie-Astrid”.

Abkommen auf der Marie Astrid

An Bord trafen sich die Vertreter Frankreichs, Deutschlands und der drei Beneluxstaaten, um die Verträge zu signieren und darauf mit Moselwein vom Schengener Markusberg anzustoßen.

Heute leben insgesamt 420 Millionen Menschen im Schengenraum, denn bislang haben 26 Länder das Abkommen unterzeichnet. Darunter auch Staaten, die nicht der EU angehören: Liechtenstein, Norwegen, Island und die Schweiz.

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Das Tourist-Office in Schengen

Mit einem Schlag war Schengen weltberühmt. Inzwischen kommen jährlich Zehntausende von Touristen, um jenen Ort zu sehen, in dem der Grundstein für ein grenzenloses Europa gelegt wurde. Und dann wundern sie sich, dass dieses Schengen, dessen Namen auf ihrem Visum steht, so winzig ist.

Denn eine Einkaufsmeile, Glamour und Wolkenkratzer suchen Besucher hier vergebens. Dafür gibt es neun Tankstellen, eine Kirche und ein Schloss. Gerademal rund 550 Einwohner leben im wohl bekanntesten Dorf dieser Erde.  

Europamuseum und Europadenkmal

Am Ufer erinnern das Europäische Museum und ein Europadenkmal an den historischen Akt. Auch das Touristen Office ist am einstigen Ankerplatz der Marie Astrid untergebracht.

Drei mächtige Stahlstelen mit Sternen symbolisieren die Ursprünge Europas mit der EGKS. Sie stehen für Frankreich, Deutschland und den Wirtschaftsverband des Benelux.

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Der Platz vor dem Europäischen Museum

Neun weitere Sterne sind in den Boden vor dem Denkmal eingelassen. Denn die Zahl 12 gilt als Symbol für Vollständigkeit und Einheit. Deshalb zieren auch zwölf Sterne auf blauem Grund die Europaflagge.

Vor dem Museum flattern die Flaggen der europäischen Länder. Den Platz dominieren drei Nationalsäulen mit 26 Sternen, welche die einzelnen Mitgliedsstaaten symbolisieren. Erkennbar sind sie an den eingemeißelten Markenzeichen der Länder.

Zum Beispiel stehen die Olympischen Ringe für Griechenland oder die Basilika Sagrada Família für Spanien. Neben dem Brandenburger Tor schmückt ein Gartenzwerg den deutschen Stern.

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Segmente der Berliner Mauer

Auf einem Friedenspfahl ist „Möge Frieden auf Erden sein” auf zwölf Sprachen zu lesen. Und ein paar Meter entfernt stehen zwei Originalteile der Berliner Mauer. Als Symbol für die Öffnung und den Wegfall der Grenzen.

Eines der Segmente ist mit dem Portrait und der Signatur des ehemaligen Sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow versehen.

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Die Skulptur „Ein Vorhängeschloss für Schengen“

An die Skulptur  „E Schlass fir Schengen” (Ein Vorhängeschloss für Schengen) haben Botschafter personalisierte Vorhängeschlösser bei ihren Ländern anbringen dürfen.

Und was gibt es sonst noch zu sehen?

Sehenswürdigkeiten in Schengen

Wahrzeichen von Schengen sind die Kirche und das Schloss von 1812. Es wurde auf den Fundamenten einer Wasserburg aus dem 13.Jahrhundert errichtet. Von dem ursprünglichen Bau blieb nur ein Festungsturm erhalten.

Der berühmteste Besucher war der Schriftsteller Victor Hugo. Seine Zeichnung von dem Turm schmückt noch heute das Etikett der Weine „Château de Schengen”.

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Das Biodiversum im Remicher Haff

Das Schloss ist von einem schönen Barockgarten umringt und gehört zum Tourismus-Projekt „Grenzenlose Gärten”. Auf der deutschen Seite empfiehlt sich ein Besuch der Römischen Gärten der Villa Borg in Perl. 

Sehenswert ist auch das nahe gelegenen „Haff Réimech” mit dem Umweltbildungszentrum Biodiversum. Das stille Naturschutzgebiet in den Moselauen ist zu einer Adresse für Birdwatcher geworden.

Grenzenlos wandern mit Aussicht

Über den WanderwegTraumschleife Schengen grenzenlos” kann man sich den Geist Europas erwandern. Aussichten ins Moseltal, in Richtung Luxemburg und Lothringen gibt es inklusive. Und am Ufer der Mosel führt der Rundweg „Dreiländerweg” durch die drei Staaten.

Zwar war das Schiff, auf dem die Verträge besiegelt wurden, nur bis 1992 unterwegs. Aber auch heute noch ist es möglich mit der „Princesse Marie-Astrid” über die Mosel zu schippern. Der Nach-Nach-Nachfolger des Luxusschiffs verkehrt zwischen Remich, Grevemacher und Trier. 

 

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