Fast jeder hat Triers Wahrzeichen zumindest schon auf einem Foto gesehen. Doch ihre Geheimnisse gibt die Porta Nigra erst im Inneren preis. Wer genau hinguckt, kann sogar noch die Zeichen der römischen Maurer entdecken.
Trier ist so reich an antiken Schätzen, dass man mehrere Tage braucht, um sie alle anzusehen. Vor allem die Römerbauten und natürlich der Dom sind gut besuchte Touristenmagneten. Doch die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Porta Nigra, das Wahrzeichen der Stadt.
Seit fast zwei Jahrtausenden steht sie stoisch auf ihrem Platz und wurde schon von Togaträgern und Napoleons Truppen bewundert. Heute begeistert das wuchtige Monument Wissenschaftler und Reisende aus aller Welt. Kein Wunder, immerhin ist sie das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen. Auch deshalb hat es die „Pochta”, wie die Trierer und Triererinnen sagen, auf die Welterbe-Liste der UNESCO geschafft.
Warum ist die Porta Nigra schwarz?
Wann das aus ursprünglich hellgrauem Sandstein gebaute Monument so dunkel geworden ist, weiß niemand so ganz genau. Die Verfärbung gehen auf Witterungs- und Umwelteinflüsse zurück, aber auch auf natürliche Prozesse, da das Eisenoxid in dem Sandstein korrodiert.
Autoabgase waren es jedenfalls nicht. Denn schon im 11. Jahrhundert sprachen die Menschen vom Schwarzen Tor, der Porta Nigra. Der ursprüngliche Name lautete Porta Martis – das Tor, das dem Kriegsgott Mars geweiht war.
Allerdings konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Sommer 2017 dass größte Geheimnis des Trierer Stadttores endlich knacken. Denn bis dahin war nicht eindeutig bestimmt, wann die Römer die weltberühmte Porta eigentlich errichtet haben. Die Vermutungen reichten von 150 bis 320 nach Christus.
Das wahre Alter der Porta Nigra
Doch dann fanden Archäologen bei Grabungen einen Eichenpfosten im Fundament der Stadtmauer, die gleichzeitig entstand. Die Forschenden wussten: Damals wurden Hölzer unmittelbar nach dem Fällen verbaut. Deshalb konnten sie anhand der Jahresringe den Baubeginn des Monuments exakt auf 170 nach Christus datieren. Die Porta Nigra ist also rund 150 Jahre älter als bislang gedacht.
Derzeit war Marc Aurel der Kaiser (161 bis 180). Erst unter dessen Regierung wurde das bis dato wohl schutzlose Trier vor Germanen-Angriffen mit einem Mauerring gesichert. Es entstand eine 6,4 Kilometer lange bis zu acht Meter hohe Mauer, die ein Areal von 284 Hektar einschloss. Eine für antike Verhältnisse enorme Zahl. Zum Vergleich: Das römische Köln zählte 96 Hektar, Xanten 73 Hektar.
Wer heute durch Trier spaziert, trifft nur an wenigen Orten auf Fragmente des einst monumentalen Bauwerks. Etwa im Palastgarten oder im Kellergeschoss des Simeonstifts. Die Porta hat als einziges Überbleibsel der antiken Mauer die Zeiten überdauert.
Nach nur etwa ein bis zwei Jahren Bauzeit soll das 36 Meter lange und knapp 30 Meter hohe nördliche Stadttor fertig gewesen sein, schätzen Experten. Und die Porta steht noch heute. Nahezu unglaublich, wenn man bedenkt, dass Menschen dieses massive Bauwerk ohne Kräne oder Bagger aus eigener Kraft errichtet haben.
Tatsächlich haben Arbeiter die rund 7200 Steine damals ohne Mörtel präzise übereinander getürmt. Dafür wurden mächtigen Blöcke in auf den Zentimeter passgenaue, bis zu sieben Tonnen schwere Quader gehauen. Und jeweils zwei davon haben die Maurer durch Eisenklammern miteinander verbunden. Die Römer waren geniale Baumeister und Ingenieure.
Stadttor wird zur Doppelkirche
Allerdings sicherte wohl nicht nur die kluge Bauweise dem berühmten Tor die Existenz. Schon im Mittelalter machten sich Metalldiebe an den wertvollen Klammern zu schaffen. Vermutlich hätten sie sogar die Steine der Porta Nigra weggeschleppt, um etwas anderes damit zu bauen.
Denn auch die anderen drei Stadttore Triers haben sich nicht einfach so in Luft aufgelöst: Sie wurde allesamt als Steinbrüche genutzt und recycelt. Dabei waren sie nicht weniger wichtig als die Porta.
Dass es die Porta heute noch gibt, ist dem griechischen Mönch Simeon zu verdanken. Denn der fromme Mann zog sich im Jahr 1028 in den Ostturm der Porta Nigra zurück. Diese Klause hat der Eremit angeblich nie mehr in seinem Leben verlassen. Seine Zeit verbrachte er wohl in stillem Gebet. Als Simeon nach sieben Jahren starb, wurde er im unteren Geschoss zu Grabe getragen.
Schon kurz nach seinem Tod hat der Papst den Einsiedler heiliggesprochen. Die Porta Nigra wiederum wurde ihm zu Ehren in zwei übereinander liegende Gotteshäuser umgebaut: Einer Unterkirche für das einfache Volk und einer Oberkirche für die Angehörigen des gegründeten Simeonstifts. Dafür wurde ein Chor angebaut, der Südturm um einen Glockenturm erweitert und das gesamte Erdgeschoss mitsamt der Tore zugeschüttet.
Eine breite Freitreppe führte von nun an zur Volkskirche im ersten Obergeschoss – von dort gelangte man über eine Außentreppe in die Stiftskirche auf der zweiten Etage. Ein Modell im Inneren des Stadttors zeigt, wie das Gebäude damals ausgesehen hat.
Über fast 800 Jahre hinweg versammelten sich dort die Gläubigen zu ihren Gottesdiensten. Als sakrosankter Ort blieb die Porta Nigra unangetastet und für die Nachwelt erhalten. Erst als Napoleon die Kirchen säkularisierte war damit Schluss. Der französische Herrscher veranlasste im Jahr 1804, dass alle mittelalterlichen Einbauten wieder entfernt werden sollten. Seitdem zeigt die Porta wieder ihr antikes Gesicht.
Die Geschichte der Porta Nigra
Wirklich beeindruckend ist es daher, im Inneren die Spuren der Menschen aus rund 1800 Jahren Geschichte zu sehen. Schon die gewaltige Dimension des viergeschossigen Bauwerks überrascht beim Betreten. Tatsächlich diente die Torburg den Römern nicht nur als Verteidigungsbau, sondern auch zur Demonstration von Wohlstand und Macht. Die Porta Nigra, die wir heute noch bewundern, war damals sozusagen ein Angeber-Projekt.
Was sieht man noch? Nett ist die Aussicht aus den glaslosen Fenstern über Deutschlands wohl älteste Stadt. Und in der Simeonsklause, der Überlieferung nach der Raum, in dem sich der Heilige einmauern ließ, werden heute bunte Bilder zu seiner Vita auf die Steine projiziert.
Vor allem aber erzählen barocke Wandreliefs mit Heiligen, sowie Reste der Orgelempore und die romanische Apsis von der mittelalterlichen Episode als Kirche. Man sieht Säulen, Kapitelle und Gesimse. Und das geübte Auge kann sogar noch die Steinmetzzeichen und nahe der Wendeltreppe eine der antiken Metallklammern entdecken.
Führung mit Zenturio
Wer einen Römer zwischen den Säulen spazieren sieht, hat keine Erscheinung. In Wahrheit handelt es dabei um einen Schauspieler verkleidet als Zenturio, der bei einer Führung die Geschichte der Porta Nigra erzählt. Wer zufällig hinein gerät, könnte glauben, er befinde sich mitten im Dreh zu einem Sandalenfilm.
Man läuft quasi durch die Zeit, in der Rom noch die ganze damals bekannte Welt regierte. Rund 100 Jahre lang war Trier eine der bedeutendsten Städte des Imperiums – dann begann der Niedergang. Erst fielen die Germanen ein, dann mehrfach die Franken. Um 475 n. Chr. lebten nur noch rund 3000 Menschen in Stadt. Die Prachtbauten der einst blühenden Kaiserresidenz zerfielen nach und nach. Doch die Porta Nigra steht noch immer wie eine Eins auf ihrem Platz.
Damit das so bleibt, wird sie derzeit von einem Teil ihrer Patina befreit. Doch keine Sorge: Trotz Reinigung wird aus der Porta Nigra keine Porta Blanca werden.
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