Razejungewingert: In diesem Weinberg wächst jetzt Lavendel

Nanu, was ist das? Statt grüner Reben hat sich Lavendel an den Hängen bei Lehmen breit gemacht. Mit dem Razejungewingert kam der Duft der Provence an die Mosel.

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Razejungewingert in Lehmen

Lavendel an der Mosel? Neugierige Radfahrer treten auf die Bremse, um sich in Ruhe über den violetten Teppich in der Landschaft zu wundern. Denn normalerweise sind solche Hänge doch mit Rebstöcken bevölkert. 

Hinter der duftenden Pracht steckt das bislang umfangreichste Projekt der „Lehmer Razejunge”. Denn die Männer des rührigen Vereins haben in der Lehmener Würzlay Tausende der nasenschmeichelnden Pflanzen in die Erde gesetzt.

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Rastplatz im Razejungewingert

Razejungen, das waren früher die Jungs, die im Winter den Mist zum Düngen in die steilen Weinberge trugen. Raz nannte sich ihre Kiepe aus Haselnussstöcken, die sie auf dem Rücken trugen.

Ursprünglich geht es dem Verein um die Rebe und das Bewahren der traditionellen Anbaumethoden an der Terrassenmosel. Außerdem engagieren sich die Lehmer Razejunge für Naturschutz und bringen zudem Kindern den Weinbau in der einzigartigen Kulturlandschaft nahe.

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Razejungewingert in Lehmen

Doch was soll aus den Weinbergen werden, wenn dort niemand mehr Trauben ernten will oder kann? Diese Frage hat den Verein umgetrieben. Denn inzwischen geben viele Weinbauern aus wirtschaftlichen Gründen auf oder weil sie keinen Nachfolger mehr finden.

Es duftet im Razejungewingert

Zurück bleiben unansehnliche, verbuschte Brachen, die man inzwischen mancherorts sieht. Dabei sind doch gerade die imposanten Weinberge das Aushängeschild der Region.

Deshalb sorgen an einigen Orten inzwischen Ziegen für freie Sicht im Wingert. Doch die Razejunge hatten im Wortsinn eine dufte Idee. Statt Reben haben sie auf etwa 2500 Quadratmeter Fläche echten Lavendel angepflanzt, um später aus Ernte zum Beispiel Öle und Gewürze zu gewinnen.

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Bienenvolk im Razejunge-Wingert

Die Männer legen sich mächtig ins Zeug. Inzwischen wachsen über 160 verschiedene Pflanzenarten auf 14 Lavendel- und Naturkräuterfelsterrassen. Zudem haben ein Bienenvolk und ein Weinbergslehrpfad für Kinder in der Nachbarschaft eine Heimat gefunden.

Und mittendrin haben die Razejungen einen originellen Holzrahmen aufgestellt. Durch diese „Schaufenster der Natur” sieht die Landschaft aus wie kunstvoll gemalt.

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Blick auf den Razejungewingert

Doch nicht nur menschliche Besucher geraten ins Schwärmen. Im Razejungewingert summt und brummt es. Denn auch Hundertschaften von Bienen, pummeligen Hummeln und Schmetterlingen umtanzen die Blüten. 

Der Razejungewingert ist nicht nur eine Augenweide. Sondern ein Hotspot biologischer Vielfalt, den die Initiative Lebendige Moselweinberge zum rekordverdächtigen Leuchtpunkt an der Mosel ernannte.

 

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