Hereinspaziert! So spannend ist die Porta Nigra von innen

Fast jeder hat Triers Wahrzeichen zumindest schon auf einem Foto gesehen. Doch seine Geheimnisse gibt das römische Stadttor erst im Inneren preis. Was ist los auf den drei Stockwerken der weltberühmten Porta Nigra?

Porta Nigra; Trier

Die Porta Nigra: Früher der nördliche Ausgang, heute Mittelpunkt der Stadt.

Die Porta Nigra ist die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit in Trier. Sie zählt zum UNESCO-Welterbe und ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Kein anderes römisches Tor nördlich der Alpen ist so gut erhalten. 

Warum das aus ursprünglich hellgrauem Sandstein gebaute Monument so dunkel geworden ist, weiß niemand so ganz genau. Autoabgase waren es jedenfalls nicht. Denn schon im 11. Jahrhundert sprachen die Menschen vom Schwarzen Tor, der Porta Nigra. Der römische Name lautete vermutlich Porta Martis, Marstor. 

Das wahre Alter der Porta Nigra

Allerdings konnten die Archäologen im Sommer 2017 ein anderes Geheimnis des Stadttores in Trier endgültig knacken.

Denn bei Grabungen fanden sie einen Eichenpfosten im Fundament der Stadtmauer, die gleichzeitig entstand. Damals wurden Hölzer noch unmittelbar nach dem Fällen verbaut.

Porta Nigra, Trier

In der Porta Nigra, Trier

Deshalb konnten die Wissenschaftler anhand der Jahresringe in einem Stück Rinde den Baubeginn des Monuments exakt auf 170 nach Christus datieren. Derzeit war Marc Aurel der Kaiser. 

Die Porta Nigra ist also rund 150 Jahre älter als bislang gedacht.

Nur etwa ein bis zwei Jahre später soll das 36 Meter lange und knapp 30 Meter hohe Tor schon fertig gewesen sein, schätzen Experten.

Und die Porta steht noch heute.

Die Römer waren geniale Baumeister und Ingenieure. Tatsächlich haben sie die wuchtigen Steine damals ohne Mörtel übereinander getürmt. 

Porta Nigra, Trier

Im Innenhof waren früher die Böden der Kirchen eingezogen.

Dafür haben Arbeiter die mächtigen Blöcke in rund 7200 auf den Zentimeter passgenaue, bis zu sieben Tonne schwere Quader gehauen. Und jeweils zwei davon wurden durch Eisenklammern miteinander verbunden. 

Allerdings sicherte wohl nicht nur die massive Bauweise dem berühmten Tor die Existenz. Denn schon im Mittelalter haben sich Metalldiebe an den Klammern zu schaffen gemacht. Vermutlich hätten sie sogar die Steine weggeschleppt, um etwas anderes damit zu bauen.

Denn auch die anderen Stadttore Triers haben sich nicht einfach so in Luft aufgelöst: Sie wurde allesamt als Steinbrüche genutzt und recycelt.

Porta Nigra, Trier

Seit 1986 Unesco-Weltkulturerbe: die Porta Nigra

Doch zum Glück hat es sich der griechische Mönch Simeon 1028 im Ostturm der Porta gemütlich gemacht. Diese Klause hat er nie mehr in seinem Leben verlassen. 

Seine Zeit verbrachte er wohl in stillem Gebet. Doch natürlich musste auch Simeon essen und trinken: Unterstützer legten ihm Nahrung und Wein in einen Korb, den er an einem Seil zu sich nach oben zog. 

Die Porta wird zur Kirche

Schon kurz nach seinem Tod wurde der Einsiedler vom Papst heiliggesprochen. Und die Porta ihm zu Ehren auf Veranlassung des damaligen Bischof in zwei übereinander liegende Kirchen umgebaut. Deshalb blieb uns die Porta Nigra erhalten.

Dabei wurden die Torbögen zugeschüttet und eine breite Freitreppe gemauert, die ins Obergeschoss führte. 

Porta Nigra, Trier

Fast 800 Jahre lang diente die Porta Nigra als Kirche

Über fast 800 Jahre hinweg versammelten sich dort die Gläubigen zu ihren Gottesdiensten. Erst als Napoleon die Kirchen säkularisierte war damit Schluss.

Der französische Herrscher, der sich in der Nachfolge der antiken Kaiser sah, veranlasste im Jahr 1804 die Freilegung des römischen Tores.

Die Geschichte der Porta Nigra

Wirklich beeindruckend ist es daher, im Inneren  die  Hinterlassenschaften der Menschen aus rund 1800 Jahren Geschichte zu sehen. Schon die gewaltige Dimension des Bauwerks überrascht beim Betreten.

Immerhin diente der geräumige Bau den Römern nicht nur als Tor, sondern auch zur Demonstration von Wohlstand und Macht. Die Porta Nigra war sozusagen ein Angeber-Projekt.

Ein Relief in der Porta Nigra

Ein Relief in der Porta Nigra

Nett ist natürlich die Aussicht  aus den glaslosen Fenstern über Deutschlands wohl älteste Stadt. Und in der Simeonsklause, der Überlieferung nach der Raum, in dem sich der Heilige einmauern ließ, werden heute bunte Bilder zu seiner Vita auf die Steine projiziert.

Vor allem aber erzählen barocke Wandreliefs mit Heiligen, sowie Reste der Orgelempore und die romanische Apsis von der mittelalterlichen Episode als Kirche.

Porta Nigra, Trier, Gänge

Ein langer Gang in der Porta Nigra

Und das geübte Auge kann sogar Steinmetzzeichen und noch eine der antiken Metallklammern nahe der Wendeltreppe entdecken. Mit etwas Fantasie sieht man sogar noch die Römer zwischen den Säulen spazieren. Manchmal ist es auch ein Schauspieler verkleidet als Zenturio

Man läuft quasi durch die Zeit, in der Rom noch die ganze damals bekannte Welt regierte. Fast 1000 Jahre hielt das römische Imperium, dann ist es allmählich zerbröckelt.

Doch sein Vermächtnis an die Nachwelt, die Porta Nigra, steht immer noch wie eine Eins auf ihrem Platz.

 

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