Zell: 17 Gründe für den Besuch

Zell ist einer dieser Orte, die es zweimal auf der Landkarte gibt. Doch nur wer an der Mosel landet, trifft auf die Schwarze Katz. Was macht das Städtchen für Reisende attraktiv?

Zell, Mosel

Zell am Zeller Hamm.

Zell ist einer dieser Orte, die man zweimal besuchen kann, ohne ans selbe Ziel zu reisen. Denn Zell hat einen Doppelgänger – zumindest was den Namen betrifft. Immer wieder mal wird das Moselstädtchen mit dem mondänen Zell am See in Österreich verwechselt.

Da buchen Touristen versehentlich Unterkünfte im falschen Zell, Navis schlagen zu dem vermeintlich in Rheinland-Pfalz gelegenen Ort eine alpenlastige Route vor, Pakete landen im Nachbarland. Sogar Immobilienmakler konnten schon vom Vergooglen profitieren. Wer einen Ausflug oder Urlaub online plant, sollte deshalb sicherheitshalber das anvisierte Reiseziel zweimal checken. Tatsächlich könnten die Namenszwillinge kaum unterschiedlicher sein. Dort: Alpenkino, Pistengaudi, Kaiserschmarrn. Hier: Flussschleifen, Riesling, Schieferdächer.

Onlinebuchungen sind tückisch, telefonische aber auch. Denn beide Zells sind kurioserweise unter der gleichen Vorwahl 06542 zu erreichen. Fazit: Wer „Zell” googelt oder in sein Navi eingibt, achte auf den Zusatz: „an der Mosel”.

Welche Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse zeichnen das Städtchen in lieblicher Lage aus? Da ist einiges, das nur an der Mosel gibt. 17 Gründe für den Besuch.

Zell ist ein Aussichtsreich

Prinzenkopf, Marienburg, Aussichtspunkte

Auf dem Prinzenkopfturm hat man die Marienburg im Visier.

1 Zell liegt etwa auf halbem Weg zwischen Koblenz und Trier. In dieser Gegend ist die Mosel doppelt schön – im Wortsinn. Denn die Altstadt sowie die Stadtteile Merl und Kaimt schmiegen sich an die markante Schleife, die man als Zeller Hamm kennt: Hier umspült der Fluss über eine Strecke von fast 14 Kilometer einen schmalen Halbinselberg.

Auf der Höhe steht der jederzeit zugängliche Prinzenkopfturm, der ein 360-Grad-Panorama bietet, das für viele Kenner der Region auf der Bestenliste ganz weit oben steht. Denn auch nüchtern betrachtet, kann man von der Plattform aus die Mosel zwei Mal sehen. Geradeaus überdauert die Marienburg die Zeit. Auf der rechten Seite präsentiert sich märklinhaft das Pündericher Viadukt der Kanonenbahn, einmal umgedreht erscheinen Bullay und der Weinort Zell.

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Wer ist die Zeller Schwarze Katz?

2 Die Einheimischen behaupten zwar, dass es noch andere Sehenswürdigkeiten gibt, aber die Hauptattraktion ist der Wein, das erkennt man auf den ersten Blick. Wie hinein getupft ins Rebenmeer verteilt sich das 4200-Einwohner-Städtchen auf die Hunsrücker und Eifeler Seite. Mit einer bestockter Fläche in der Größe von rund 460 Fußballfeldern (331 Hektar), ist Zell nach Piesport die zweitgrößte Weinbaugemeinde an der Mosel.

Zell hat eine echte Berühmtheit in petto: die Zeller Schwarze Katz. Man begegnet ihr auf jedem zweiten Flaschen-Etikett, als XXL-Skulptur im Kreisverkehr, ja sogar als Denkmal mit Brunnen im Herzen der Altstadt.

Die Geschichte des tierischen Maskottchens kann jedes Zeller Kind erzählen. Sie spielt im Jahr 1862 im Keller des Weingut Mayntzer in der Käsgasse 2 (heute Am Römerbad): Drei Weinhändler konnten sich nach längerem Proben nicht zwischen drei Fässern entscheiden. Doch dann sprang die Katze des Hauses auf eines davon, machte einen Buckel und verteidigte es fauchend. Ihr Einsatz überzeugte die Männer: Sie kauften genau diesen Wein – der prompt ein Bestseller wurde. Die Lage, in der er gewachsen war, wird seither Zeller Schwarze Katz genannt.

Altstadt mit Fußgängerzone

3 Die Anlaufstelle Numero Uno ist die Altstadt mit der langen Fußgängerzone: In der Balduinstraße reihen sich Geschäfte, Straußwirtschaften, Boutiquen und kleine Souvenir-Läden dicht an dicht.

Mittelpunkt ist kleine Marktplatz, der die Hauptgeschäftsstraße mit der Moselpromenade verbindet. Hier steht der Brunnen mit der Zeller Schwarze Katz und das Rathaus, ein rotes Backsteingebäude, Baujahr 1881. In der Weinlounge nebenan schenken die Zeller Winzer abwechselnd ihre Tropfen aus. Ob nun der Platzhirsch Riesling, Bacchus, Kerner oder Spätburgunder – probieren ist das Ah und Oh. Auch die Straußwirtschaften und Vinotheken sind gute Adressen.

Weinproben und Bienen besuchen

Bienen, Imker, Zell, Met

Fleißige Bienen im Zeller Weingut Weis.

4 Wer die Zeller Weine richtig kennenlernen will, kehrt zur Weinprobe bei einem der Zeller Winzer ein. Zum Beispiel bei Robert Weis. Der Zeller und seine Frau Birgit bewirtschaften ein kleines Weingut im Nebenerwerb. In den Regalen steht neben Weinen aus der Zeller Schwarzen Katz auch goldgelber Met, das einst als das Getränk der Götter galt. Die wichtigste Zutat ist der Honig aus der eigenen Hobbyimkerei. Wer mehr über die faszinierenden Welt der Bienen und die Honigherstellung wissen will, bucht einen Termin. Der Hobby-Imker nimmt Erwachsene und Kinder gerne mit zu seinen fleißigen Bienen.

Erlebnis Lichtweinprobe

5 Eine besondere Art der Wein-Verkostung ist eine sensorische Lichtweinprobe im Rathauskeller. Dabei lernt man, dass die Augen die Geschmacksknospen, je nach Farbe der Beleuchtung, ganz schön an der Nase herumführen können. Tatsächlich haben selbst schon Kenner den Tropfen im Glas in blau illuminierten Räumen besser bewertet als bei grünem oder weißem Umgebungslicht. Das erklärt das Phänomen, dass ein Lieblingswein aus dem Urlaub zuhause oft ganz anders schmeckt. Buchbar bei der Tourist-Info.

Wahrzeichen von Zell

6 Zell ist ein viel besuchter Ort, so war das schon immer. Vor rund 800 Jahren vom Kurfürsten mit Stadtrechten betraut, erhielten die Bürger das Privileg, sich mit einer Mauer zu schützen. Das Bauwerk wuchs empor, hoch und solide, mit Toren und massiven Türmen. Doch 1689 zerstörten französische Truppen die Befestigung bis auf wenige Reste.

Pulverturm, Zell

Der Pulverturm, das Wahrzeichen von Zell

Stehen blieb der Runde Turm, der als Wahrzeichen von Zell eine zweite Karriere machte. Kaum ein Foto von Zell kommt ohne ihn aus: Es sieht so aus, als hätten ihn jemand extra für Postkarten arrangiert. Wie ein Wächter ragt er aus den Weinbergen hinaus. Wegen seiner günstigen Lage wurde das Gebäude einst als Lagerstätte für Schießpulver genutzt. Das brauchte ihm den Beinamen Pulverturm ein. Ebenso erhalten ist der nur etwa 100 Meter entfernte Viereckige Turm im Zeller Bachtal. Zusammen bilden sie die perfekte Kulisse, falls mal wieder ein Teil von Harry Potter gedreht werden müsste.

Zell und der Tabak

7 Die Vergangenheit liegt in Zell immer viel näher als man denkt. Das Rathaus beherbergt neben dem Bürgermeister, einer Vinothek und der Tourist-Info auch das Gedächtnis der Stadt: Im Heimatmuseum sind Funde aus der Kelten- und Römerzeit und historische Geräte des Weinbaus ausgestellt.

Das klingt zwar erst mal eher mittelspannend. Doch zwischen Werkzeug und Gerätschaften der Zeller Winzer sind auch Zigarrenschachteln zu sehen. Was längst nicht jeder weiß: Fast 100 Jahre lang haben fleißige Hände in Zell in insgesamt zehn Fabriken Zigarren gewickelt. Die erste gründete Johann Baptist Gräff im Jahr 1850. Auch die Trierer Firma Neuerburg mit der Zigarrenmarke Overstolz und die Koblenzer Firma Mostert betrieben Filialen im Ort. Der Tabak stammte unter anderem aus der Wittlich Senke.

Die Vitrine enthält allerlei Utensilien wie Tabakschneidemaschinen oder Druckmatern zur Beschriftung der Zigarrenkisten. Eine Ahnengalerie präsentiert die längst verblichenen Zeller Tabakfabrikanten.

Restaurants im Bahnhof oder Schloss

Schloss Zell, Zell

Das Schloss Zell in Zell. Foto: Norbert Krötz

8 Zell hat auch ein Schloss. Es wurde um 1530 von dem trierischen Kurfürsten Richard von Greiffenklau errichtet. Früher ging dort der Hochadel ein und aus. Sehr viel später feierte Curd Jürgens in den Räumlichkeiten die Hochzeit mit seiner vierten Frau Simone Bicheron. Die Älteren erinnern sich vermutlich an den Schauspieler, der 1958 für den Film Der Schinderhannes in Beilstein vor der Kamera stand.

Auch heute noch können sich auch ungekrönte Häupter in dem Ensemble einquartieren, denn darin werden ein Hotel und ein italienisches Restaurant betrieben.

9 Im Vergleich zum Schloss ist der Zeller Bahnhof quasi ein Neubau. Er wurde 1905 errichtet. Hier machte die Moseltalbahn halt. Der gut besuchte Salonwagen brachte ihr den Beinamen Saufbähnchen ein. Mit der Moselkanalisierung kam das Aus und nur noch wenige Relikte erinnern an die einstige Lebensader des Tals.

Im Inneren hat sich der ehemalige Bahnhof seinen Charme bewahrt. Von jeher beherbergt er ein Restaurant, wo heute neben typischen Klassikern auch Heimat-Gerichte wie Winzer-Sülze oder Wildpastete aus Zeller Wäldern auf den Tellern landen.

Die ältesten Häuser in Zell

10 Zell hat eine ganze Reihe historischer Gebäude, doch das moseltypische Fachwerk ist rar. Schuld daran sind gleich zwei Brandkatastrophen: 1848 und 1857 gingen etliche Häuser der Altstadt in Flammen auf.

Zwei der ältesten Häuser von Zell stehen in der Fußgängerzone: Das Haus Müllen (Balduinstraße 37) wurde 1532 erbaut, das Haus Bohn, (Balduinstraße 32) zwei Jahre später. Auch das Haus von Flottwell (Hauptstraße 32) im Stadtteil Zell-Merl mit Fachwerk aus dem Jahr 1480 und die Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1786 überstanden die Feuerkatastrophen.

Übrigens: An der Kirche in Zell-Merl ist die wahrscheinlich älteste Hochwassermarke der Mosel angebracht, kam bei einem Forschungsprojekts der Fachhochschule Trier heraus. Sie stammt aus dem Jahr 1534.

Blickfang Wellenburg 

Wellenburg, Zell, organische Architektur

Hingucker am Ortsausgang: Die Wellenburg.

11 Das wohl meistfotografierte Gebäude in Zell dürfte die Wellenburg in der Merlerstr. 1a am Ortsausgang sein. Mit seinen geschwungenen Formen wirkt das Haus, als wäre es einem Fantasy-Film entsprungen. Organisch nennt man die von der Natur inspirierte Architektur – Antoni Gaudí oder Friedensreich Hundertwasser beherrschten sie in Perfektion.

Der Blickfang hat kaum Ecken und Kanten, dafür viele märchenartige Details: So sitzen auf dem Dach vier Drachen als Wächter. Als Windfahne grüßt die Zeller schwarze Katz. Doch nur wer ganz genau hinguckt, entdeckt ein kupfernes Herz, gehalten von zwei Händen. So wie im Mittelalter jeder Handwerker sein Gewerk durch Zunftzeichen an seinem Haus bekannt gab, steht dieses Symbol für den Beruf des Bauherrn Dr. Hermann-Josef Simonis, der Arzt und Psychotherapeut ist.

Ganz und gar nicht alltäglich ist auch das Dach, die sogenannten Wilde Deckung. Nur wenige Dachdecker beherrschen diese Technik. Während des Verlegens werden die Schieferplatten behauen und Stück für Stück von Hand zusammen gesetzt. Das ist echte Handwerkskunst.

Camping in Zell-Kaimt

12 Wer Ruhe sucht, findet sie in dem Stadtteil am gegenüberliegenden Ufer. Eine Fußgängerbrücke verbindet die Altstadt mit Kaimt. Bitte lächeln! Auf der Zeller Seite wurde ein Greeting-Point eingerichtet, von dem aus man via Webcam Zuschauer in aller Welt grüßen kann.

Manche sagen, das Schönste an Kaimt sei der Blick auf die Zeller Altstadt – besonders am Abend, wenn sich die beleuchteten Häuser in der Mosel spiegeln. Doch auch hier gibt es enge, verwinkelte Gassen, einige Straußwirtschaften und eines der schönsten Fachwerkhäuser im Moseltal: Es gehört zum Weingut Treis und wurde um das Jahr 1600 am Ufer erbaut.

Wohnmobilisten steuern den Campingplatz an. Wer es dem alten Griechen Diogenes gleichtun will, übernachtet im Weinfass, in dem vor ein paar Jahren noch 9500 Liter Wein gelagert wurden.

Lost place in Zell

Marienthaler Hof, lost place, Zell Mosel

Fast verschwunden: Der Marienthaler Hof.

13 Auch die Liebhaber von Lost place finden in Zell ihr Glück. Schon ganze Generationen von Moselkindern haben sich in der Ruine Marienthaler Hof gegruselt. Nur so viel sei verraten: Sie versteckt sich in den Weinbergen nordwestlich von Kaimt.

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Wandergebiet Zell

14 Auf dem Moselsteig dürfen Wanderer auf einem der wohl schönsten Pfade Deutschlands wandeln: Zell ist der Endpunkt der Etappe 14 kommend von Reil und zugleich der Start der Etappe 15 in Richtung Neef. Ein Rundwanderweg führt im Zeichen der Schwarzen Katz zum Fotospot Moselkino mit Blick auf die sich windende Mosel in Richtung Merl und der Marienburg.

15 Rund um den Ort gibt es eine ganze Reihe von Routen, von denen manche so malerisch sind, dass man ständig stehenbleiben möchte – angeblich, um die Aussicht zu genießen. In Wahrheit aber, war der letzte Anstieg doch ein wenig schweißtreibender als gedacht.

Am anspruchsvollsten ist sicherlich die Tour zum Collis-Turm. Seit nunmehr über 100 Jahren steht das hübsche Bauwerk ganz weit oben im Weinberg. Sein Name verweist auf den römischen Ursprung von Zell, denn Collis bedeutet auf Latein so viel wie Hügel.

Collis-Turm, Zell, Aussichtsplattform

Die Aussichtsplattform unter dem Collis-Turm.

Zwar erreicht man das Türmchen recht bequem über einen Rundweg. Spannender ist jedoch der Aufstieg über Collis-Steilpfad mit kleinen Kletterpassagen. Oben angekommen, kann man dann die Mosel samt Zeller Altstadt, Merl und Kaimt überblicken. Wenn die blaue Fahne weht, ist der Ausschank auf der Terrasse geöffnet. Immer am ersten Sonntag gibt es „Tapas am Turm”. Schöne Landschaft, ein Häppchen Essen, dazu ein, drei Gläschen, so lässt es sich leben.

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Schifffahrt von Zell nach Cochem

16 Wer nicht wandern will, kann sich von einem Ausflugsdampfer über die Mosel tragen lassen. Ein Bestseller ist die Schifffahrt von Zell nach Cochem mit Schleusenpassage. Wer das Ruder lieber selbst in die Hand nimmt, macht sich mit einem Kanu oder Motorboot auf Entdeckungstour. Das passende Gefährt verleiht der Campingpark Zell in Kaimt.

Weinfeste in Zell

17 Und dann sind da noch die Feste. In Zell wird gefeiert, was das Zeug hält: Weinfeste, Freiluftfeste, Kellerfeste, Feste der Feste. Egal ob im Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter: Der Kalender ist rappelvoll mit Terminen. Da sind zum Beispiel das Weinfest der Zeller Schwarze Katz am letzten Juni-Wochenende, das Keltische Weingelage in Kaimt, das Merler Weinfest oder das Barlfest. 

Zell kann auch sportlich: Immerhin über 500 Läufer und Läuferinnen treten beim jährlichen Citylauf durch die Altstadt an, dabei gibt es für jeden eine entsprechende Strecke. In den Gassen herrscht Volksfeststimmung. Ein weiteres Highlight ist das Wanderevent Gieh roff of dat Häisje – mit Weinbegleitung, versteht sich.