Matthiaskapelle: Die magische Schöne und zwei Burgen

Es war einmal vor langer Zeit… da hat eine Rittersfamilie zwei Burgen über Kobern errichtet. Eine davon allerdings ohne Baugenehmigung, was nicht gut gehen konnte. Die Ruinen sind heute ein schönes Ausflugsziel. Und die magische Matthiaskapelle leistet ihnen Gesellschaft. 

Matthiaskapelle, Kobern-Gondorf

Die Matthiaskapelle neben der Oberburg

Man muss nicht gläubig sein, um die Matthiaskapelle über Kobern als einen inspirierenden Ort zu empfinden. Wer sie betritt, lässt einfach die Ausstattung des gut 800 Jahre alten Gotteshauses auf sich wirken.

Dieses spätromanische Juwel hat ein ganz besonderes, nahezu mystisches Flair. Mit seinen schwarzen Säulen und den Fenstern mit Kleeblattbogenarkaden. Und vor allem mit dem Licht, das durch den 14 Meter hohen Turm einfällt.

Im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erneuert und restauriert, leuchtet der Innenraum in kräftigen Farben. Da ist der bunte Mosaikboden, in dem manche ein Zahlengeheimnis vermuten.

Matthiaskapelle, Kobern-Gondorf

Das reiche Innenleben der Matthiaskapelle

Und überall Verzierungen vom Feinsten. Beim achtsamen Betrachten fällt auf, dass einige Kapitelle seltsame Fratzen zeigen. Sollten sie die sakrale Stimmung konterkarieren?

Eine solche ungewöhnliche und zugleich rätselhafte Architektur ist weit mehr als nur ein Stein auf dem anderen.

Die Schönheit der Matthiaskapelle ist purer Genuss. 

Ihre Geschichte reicht bis in die Jahre um 1220 zurück. Man sagt, die Kapelle wäre damals als Aufbewahrungsort für eine kostbare Reliquie errichtet worden. Denn ein Ritter Heinrich II. von Isenburg-Kobern habe das Haupt des Apostels Matthias vom Kreuzzug nach Damiette um 1221 an die Mosel gebracht.

Vielleicht hat der Bauherr die Matthiaskapelle nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem errichten lassen. Bewiesen ist das allerdings nicht.

Matthiaskapelle, Kobern

Blick von der Niederburg auf die Matthiaskapelle

Die Reliquie blieb nur etwa 130 Jahre lang in Kobern. Dann gelangte sie über etliche Stationen in die Abtei St. Matthias in Trier, wo sie bis heute noch ruht.

Und so wäre die Matthiaskapelle nach dem Tod des Eremiten, der sie jahrelang bewachte, vermutlich zur Ruine verfallen. Hätte sich Friedrich Wilhelm IV. bei einem Besuch an der Mosel nicht ihrer angenommen.

Der spätere König beauftragte zum Glück den Koblenzer Architekten Johann Claudius Lassaulx, das Kunstwerk zu restaurieren.

Niederburg, Kobern-Gondorf, Mosel

Blick auf die Niederburg

Heute zählt der kleine Sakralbau zu den kunsthistorisch bedeutendsten spätromanischen Kapellen in Rheinland-Pfalz. Kein Wunder, verbindet er doch spätstaufische Architektur aus dem 13. Jahrhundert mit den Bemühungen 600 Jahre später, mittelalterliche Bauwerke in der Rheinprovinz zu erhalten.

Immer ab Ostern bis Allerheiligen öffnet die Kapelle an Sonn- und Feiertage von 11 bis 17 Uhr für Besucher.

Kenner schwärmen von der Matthiaskapelle.

Und auch die schöne Umgebung macht für einen Ausflug etwas her. Gleich nebenan streckt sich der Bergfried der Oberburg in die Höhe. Doch das Interessante daran ist das angrenzende Restaurant, wo man schön im Biergarten sitzen kann.

Und vom Vorplatz kann man auf die tiefer gelegene Niederburg blicken. Weil ihm die Oberburg zu mickrig geworden war, so heißt es, hat Gerlach I. von Kobern-Isenburg dieses Gemäuer um 1190 gebaut.

Niederburg, Kobern-Gondorf, Matthiaskapelle

Die Ruine der Niederburg in Kobern-Gondorf

Allerdings ohne die Kirche zuvor nach einer Baumgenehmigung zu fragen. Der Trierer Erzbischof Johann I. soll darüber so verärgert gewesen sein, dass er den Eigentümer aus dem Gemäuer lockte und sich gleich beide Burgen unter den Nagel riss.

Pech für Ex-Burgbesitzer Gerlach: Er bekam die Ober- und die Niederburg nur als Lehen zurück. So lief das damals. Später sprengten französische Truppen dann sowieso alles in die Luft.

Niederburg, Kobern, Kreuzweg

Der Kreuzweg zur Niederburg

Niederburg, Kobern-Gondorf

Blick vom Kreuzweg auf die Niederburg

Über einen alten Kreuzweg ist die Matthiaskapelle bis heute mit der Ruine verbunden. Gut zehn Minuten braucht man von einem Ort zum anderen und etwa zwanzig Minuten wieder bergauf zurück. 

Gelegentlich wird dieser lauschige Pfad tatsächlich noch von einigen Besuchern und Besucherinnen im ursprünglichen Sinne genutzt.

Niederburg, Kobern-Gondorf

Aussicht von der Niederburg aufs Tal

Doch die meisten beschreiten ihn, um in den Resten der Niederburg herumzuturnen. Geblieben sind zwar nur der Bergfried, einige Mauerreste und Nischen, durch die man rausgucken kann.

Doch von hier aus bietet sich eine schöne Aussicht auf die Weinberge im Tal. Und natürlich auf die magische Schöne oben auf dem Berg.

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