Kobern-Gondorf: Sehenswertes satt!

Schon mal in Kobern-Gondorf gewesen? Man entdeckt Sehenswürdigkeiten zuhauf. Etwa vier Schlösser und Burgen, eine echte Mine oder eine verlassene Sprudelfabrik. Aber auch das Stonehenge der Eifel.

Niederburg, Kobern-Gondorf

Blick auf Kobern-Gondorf

Wer an die Mosel fährt, den zieht es zunächst üblicherweise nach Bernkastel-Kues oder vielleicht Cochem. Allerdings wäre es ein Fehler, Kobern-Gondorf an der Terrassenmosel zu übersehen. Denn es gibt dort Bemerkenswertes zu entdecken.

Schöne urige Häuser tummeln sich in der Gemeinde zuhauf. Vielleicht kommen viele Kobern-Gondorfer deshalb erst gar nicht auf die Idee, ihren Gästen den Abteihof St. Marien in der Kirchstraße Nummer 1 zu zeigen. Dabei ist das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1321 eines der ältesten seiner Art in ganz Rheinland-Pfalz.

Aber den romanischen Turm, der einsam und allein im Weinberg steht, haben die meisten ohnehin wahrscheinlich schon von Weitem gesehen. Man vermisst das zugehörige Kirchengebäude. Tatsächlich beherbergte das Bauwerk die Glocken der Koberner Pfarrkirche, die im 12. Jahrhundert in der Nähe des heutigen Friedhofs stand. Inzwischen steht der Glockenturm im Dienste der Lubentius-Kirche.

Tipp: Der Koberner Friedhof ist einen Abstecher wert, denn dort sind Grabkreuze aus 300 Jahren zu sehen. Weil die meisten Menschen im 16. Jahrhundert nicht lesen und schreiben konnten, wurden auf den Basaltkreuzen dieser Zeit statt Namen sogenannte Hausmarken eingemeißelt. Das gleiche Zeichen war über der Haustür der Familie angebracht.

Matthiaskapelle, Kobern-Gondorf

Matthiaskapelle und Oberburg

Zauberhafte Matthiaskapelle

Kobern-Gondorf hat zwar erstaunlich viele ungewöhnliche Gebäude. Doch die wertvollste Attraktion ist die über 700 Jahre alte Matthiaskapelle (mehr dazu hier») auf dem Bergsporn. Sie wurde vermutlich für die Aufbewahrung einer wichtigen Reliquie gebaut. 

Spätestens beim Anblick der schwarzen Säulen und vielen Kapitelle wird manchem klar, den beschaulichen Ort wohl unterschätzt zu haben. Denn diese orientalisch anmutende Innenausstattung würden die meisten vermutlich eher in Spanien oder Portugal erwarten. So etwas Spezielles gibt es nirgendwo sonst an der Mosel.

Matthiaskapelle, Säulen, Kobern

Das Innere der Matthiaskapelle.

Burgenreich Kobern-Gondorf

Das romanische Kleinod steht gleich neben dem Bergfried der einstigen Oberburg. Allerdings hat Kobern-Gondorf jedoch nicht nur eine Burg, auch nicht zwei, sondern gleich vier historische Ritter-Gemäuer zu bieten.

Eines davon kann man von der Aussichtsplattform vor der Matthiaskapelle gut sehen: Etwa 50 Meter tiefer erhebt sich die Ruine der Niederburg im Weinberg über Kobern. Ein Postkarten-Anblick.

Niederburg, Kobern-Gondorf, Mosel

Blick auf die Ruine der Niederburg.

Gondorf trumpft mit einer kuriosen Schlossanlage am Moselufer auf. Wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als Wasserburg errichtet, wurde die Feste später von den Fürsten von der Leyen (nicht verwandt oder verschwägert) zum Schloss umgebaut. Dieses Adelsgeschlecht war damals das Mächtigste der ganzen Region.

1971 stand ihr Schloss beim Bau der neuen Bundesstraße im Weg. Doch statt es abzureißen, wurde der untere Teil für einen Tunnel geöffnet. Seitdem brausen Autos und Busse mitten durch.

Elegant präsentiert sich das Schloss Liebieg in der Nachbarschaft. Vor einigen Jahren entdeckte man auf dem Gelände eine römische Villa. Denn das Anwesen wird gerade zum Weingut mit Vinothek und Hotel umgebaut. Früher wusste jeder, dass man Liebieg mit ie schreibt. Denn hier lebte einer der reichsten Familien auf dem europäischen Kontinent. Eine spannende Geschichte (mehr dazu hier»).

Schloss von der Leyen, Gondorf, Oberburg

Schloss von der Leyen in Gondorf

Die Sage um den Tatzelwurm

Die Weinberge, die Burgen, der Fluss. Es wäre fast zu viel Idyll und Romantik, böte Kobern-Gondorf nicht auch Wunderliches. Hier kommt die Sage vom Tatzelwurm ins Spiel. Angeblich versteckte sich in der Gegend einst ein Fabelwesen – halb Löwe, halb Lindwurm.

Wie verbunden sich die Kobern-Gondorfer mit dem Tatzelwurm fühlen, zeigt der Brunnen auf dem Marktplatz. Außerdem windet sich ein etwa sieben Kilometer langer Wanderweg im Zeichen des Ungeheuers durch die Moselhänge. Taschenlampe nicht vergessen, denn die Tour führt zur sagenumwobenen Tatzelwurmhöhle.

Wandern auf dem Tönnchenkopf

Ein Geheimtipp für Wanderer, die fernab von allem Ruhe suchen, ist der sogenannte Tönnchenkopf. Schon von jeher fühlt sich der Mensch zu Höherem berufen. Auch deshalb zählen Aussichtstürme und Berge zu den Touristenmagneten.

Doch die mit rund 308 Metern höchste Erhebungen der Gemeinde kann man meistens ganz für sich alleine haben. Denn kaum jemand weiß, dass den Tönnchenkopf in Kobern-Gondorf überhaupt gibt. Dabei ist der Rundblick über das Maifeld, den Hunsrück und die Moselhöhen wunderschön.

So kommt man hin: Durch das Mühlental zum Euligerhof und dort dem Wirtschaftsweg Richtung Sürzerhof folgen. An der ersten Weggabelung weiter gerade aus und schließlich dem leicht ansteigenden Feldweg in Richtung Tönnchenskopf folgen.

Verlassener Ort Bellthal Moselsprudel

Belltal, Kobern, Sprudelfabrik

Die alte Sprudelfabrik

Noch ein Geheimtipp: Keine drei Kilometer nach dem Ortsschild, auf dem Kobern-Gondorf rot ausgestrichen ist, liegt der Eingang ins Belltal. Ein kleines Biotop und Sehnsuchtsziel von Jägern nach Lost Places. Denn dort befindet sich die ehemalige Fabrik Bellthal Moselsprudel, die es schon seit 1975 nicht mehr gibt. Seitdem verfielen die aus dem Jahr 1912 stammenden Gebäude der Versand- und Abfüllanlage. Inzwischen kümmert sich ein neuer Eigentümer um den Erhalt.

Ausflugsziel Sauerbrunnen

Zwar wurden nur die Mineralquellen im Belltal etwa ab 1870 gewerblich genutzt. Doch in Kobern-Gondorf finden sich mehrere sogenannte Säuerlinge. Zwar denkt man bei einem Vulkan nicht sofort an Wasser. Aber es stimmt, dass die Quellen vulkanischen Ursprungs sind.

Der Sauerbrunnen im Hohensteinsbachtal, im Volksmund „Buar” genannt, ist von jeher ein beliebtes Ziel für den Sonntagsspaziergang. Früher füllten Familien das gesunde Sauerbrunnenwasser in Flaschen ab, um es nach Hause zu tragen. Immerhin hatte ein Arzt fast Heilwasserqualität bestätigt. Auch die Bauern, die zu ihren Feldern unterwegs waren, wussten es zu schätzen. Und bis heute kostet es keinen Cent.

Sauerbrunnen, Kobern, Mosel

Der Sauerbrunnen mit Rastplatz

Der Tatzelwurmweg und die Route Koberner Burgpfad führen an der Quelle entlang. Anfahrt mit dem Auto: Ab Gondorf über die v. Isenburg Straße, weiter über die Lennigstraße bergauf in Richtung Wolken, an der Gabelung links liegt der Guidoborn, etwas weiter auf der rechten Seite befindet sich der Sauerbrunnen.

Unterwelt von Kobern-Gondorf

Wie es 130 Meter unter der Erdoberfläche wohl aussieht? Wer mag, schaut einfach im ehemaligen Bergwerk der Firma Krupp nach. Tatsächlich wurden in Kobern-Gondorf ab 1842 Eisenerz und andere Rohstoffe abgebaut. Heutzutage kann man noch in den Norbertusstollen in der Lennigstraße steigen.

Der Weg führt durchs knöcheltiefe Wasser 493,28 Meter weit in den Felsen hinein. Bis zu 150 Mann haben damals je 48 Stunden pro Woche in der düsteren Röhre geschuftet. Die Bergleute brauchten ein ganzes Jahr, um 100 Meter tief zu graben. Zum Verschiffen wurde das Erz mit einer Schienenbahn an die Mosel gebracht. Aber um 1895 fiel die Klappe für die letzte Schicht. Während des Zweiten Weltkrieg nutzten die Bürger und Bürgerinnen den Norbertusstollen als Luftschutzunterkunft.

Eine Besichtigung ist nur bei einer Führung möglich. Informationen unter: Kuratorium für Heimatforschung und -pflege Kobern-Gondorf, www.kuratorium-kobern.de

Kulinarisches Kobern-Gondorf

Die Ortsteile Kobern und Gondorf ziehen sich am Moselufer entlang. Der Ortsteil Dreckenach liegt etwas abseits der Mosel auf dem Maifeld. Dank Raps verwandeln sich die Felder im Frühjahr in ein goldgelbes und fotogenes Blütenmeer.

Als Besucher kann man hier wunderbar das Touristische mit dem Kulinarischen verbinden und besucht zum Beispiel die Familie Pichler. Denn ihr Betrieb hat sich auf die Herstellung von kaltgepressten Rapsöl spezialisiert. Den Produktionsprozess können Gäste bei Führungen kennenlernen.

Kontakt: Ölmühlen Dreckenach, Hauptstraße 3, 56330 Dreckenach, www.oelmuehlen-dreckenach.de

Villa Provence, Landcafe. Koberrn

Villa Provence, Landcafe. Koberrn

Außer den drei größeren Ortsteilen gehören noch über 20, meist auf den Moselhöhen liegende Weiler und Höfe zur Gemeinde. Die Villa Provence (mehr dazu hier») in den Sölliger Höfen ist ein Ort zum Durchatmen und um zur Ruhe zu kommen. Denn Monika Moritz betreibt hier ein detailverliebtes Café mit Garten und wunderbare 4-Sterne Gästezimmer.

Alte Mühle Höreth

Riesling, gute Küche und Mittelalter-Flair gesucht? Dann ab ins Mühltal, einem märchenhaften kleinen Kosmos in Kobern. Die viele Mühlen mahlen schon lange nicht mehr. Manche sind längst verschwunden, andere haben sich verwandelt. Im Restaurant der fast 1000 Jahre alten Mühle Höreth wird heute wie früher in kleineren und größeren Stuben gespeist. Auch ein Weingut und ein Hotel beherbergt das Gemäuer. 

Theater und Minigolf

Das Weingut Freiherr von Schleinitz zählt zu den Spitzenweingütern der Region. Schon der urige Innenhof lohnt den Besuch. Von Mai bis Oktober werden dort die Weine des Hauses und leckere Kleinigkeiten aus der Winzerküche kredenzt. Doch vor allem wird die Scheune des Winzerhofs im Sommer zur Bühne für ein anspruchsvolles Theater– und Musikprogramm.

Und noch etwas ist in Kobern-Gondorf anders als in anderen Moselorten. Zwar wird überall entlang der Mosel unter freiem Himmel Minigolf gespielt. In Traben-Trarbach befindet sich sogar der allererste Platz der Republik. Aber nur in Kobern-Gondorf wird wetterunabhängig auf 15 Bahnen Abenteuergolf gespielt. Die detailreiche Gestaltung der Halle mit Piraten, Schiffen oder Krokodilen macht diese Anlage besonders für Kinder attraktiv.

Das Eifel-Henge in Kobern-Gondorf

Kobern-Gondorf ist eine Wundertüte. Nur die wenigsten wissen, dass eine der größten bekannten keltischen Kultstätten in ganz Deutschland darin steckt. Ein kreisrundes Areal. Mit Wall und Graben und einem der Durchmesser etwa 190 Meter. Archäologen konnten rekonstruieren, dass in der Mitte ein Pfosten von acht bis zwölf Metern Höhe gestanden haben muss. Ein magischer Ort, über 3000 Jahre alt. Die ältesten Funde werden auf die Zeit um 1000 vor Christus datiert.

Tatsächlich muss der sogenannte Goloring den Vergleich mit der berühmte Ringanlage Stonehenge in England nicht fürchten. Dennoch ist das einstige Zentrum eines Totenkultes bislang kaum bekannt. Wie kann das sein?

Wohl deshalb, weil sich der Goloring hinter hohen Zäunen im Koberner Wald befindet. Keine 100 Meter entfernt rauschen Autos auf der A 48 vorbei. Doch wegen der früheren militärischen Nutzung ist das Gelände für Passanten abgesperrt. Nur in unregelmäßigen Abständen finden Führungen für angemeldete Gruppen statt. Auch am Tag des offenen Denkmals kann der Goloring besichtigt werden.