Schloss Liebieg: Hier wohnte eine der reichsten Familien Europas

Das elegante Schloss Liebieg in Gondorf wird gerne für Hochzeitsfeiern genutzt. Doch wer kennt seine Geschichte? Hier wohnten einst ein steinreicher Fabrikant, ein Automobil-Pionier und eine Baronin, die mit einem spektakulären Fund für Furore sorgte.

Mosel, Schloss Liebieg

Das Schloss Liebieg in Gondorf

Wovon träumte wohl Dornröschen 100 Jahre lang? Vielleicht von diesem anmutigen Bau mit seinen Türmchen, Erkern und Balustraden. Am Ortsausgang von Gondorf steht das hübsche Schloss Liebieg, direkt an der Mosel gelegen.

Die einstige Niederburg – nicht zu verwechseln mit der Niederburg in Kobern – hat einen märchenhaften Charme. Kein Wunder, dass so viele Paare in dieser romantische Kulisse ihre Hochzeit feiern.

Allerdings kennen nur wenige die spannenden Geschichten der früheren Bewohner. 

Aus der Niederburg wird Schloss Liebig

Mal heißt es, ein Ritter Marsilius von Gondorf hätte die Burg zwischen 1255 und 1272 gebaut. An anderer Stelle ist zu lesen, der Ritter Engelbertus de Contrave (1158-1160) sei der erste bekannte Bewohner gewesen.

Fakt ist: Nach einigen Besitzwechseln inklusive Zerstörung durch die Franzosen, kaufte 1830 der Koblenzer Bankier Simon Clemens die ramponierte Burg.

Er vererbte sie seinem Sohn Peter, der sie von dem hoch geschätzten Kölner Baumeister Vincenz Statz zu einem neugotischen Landsitz umbauen ließ.

Mosel, Schloss Liebieg, Kobern-Gondorf

Nebengebäude von Schloss Liebieg

Und wie wurde aus der Niederburg Schloss Liebieg? Weil Clemens Tochter Angelika 1879 den Industriellen Theodor von Liebieg aus dem böhmischen Reichenberg (das heutige Liberec) ehelichte.

Damals wusste vermutlich jeder, dass man den Familiennamen Liebieg mit zwei „ie” schreibt. Denn die geadelten Liebiegs zählten zu den reichsten Unternehmern auf dem europäischen Kontinent: Neben Spinnereien und Webereien gehörten auch Wälder, Eisenbahnlinien, Porzellanfabriken und Hüttenwerke zu ihrem Imperium.

Kunstsammler und Autopionier

Hierzulande bleiben die Liebiegs vor allem als eifrige Kunstsammler und Mäzene in Erinnerung: Denn im Frankfurter Liebieghaus, der prächtigen Gründerzeitvilla von Heinrich von Liebieg, ist heute ein Museum untergebracht. 

In ihrer Heimat hinterließen die Textilfabrikanten eine ganz Reihe von architektonische Perlen. Zum Beispiel erbaute Theodor von Liebig Junior 1907 für seine Arbeiter die Siedlung Liebieg-Stadt.

Längst nicht jeder weiß, dass Theodor zudem die allererste Fernfahrt der Automobilgeschichte gelang: 1894 zuckelte er mit einem Benz Viktoria von Reichenberg nach Gondorf an Mosel.

Schloss Liebieg, Mosel, Gondorf, Park

Der Park von Schloss Liebieg.

Und seine Mutter Angelika sorgte als Schatzgräberin für Furore: Tatsächlich legte die Amateur-Archäologin im Park von Schloss Liebieg über 1000 römische und fränkische Gräber frei.

Die kostbaren Beigaben wie Keramiken, Waffen oder Schmuck werden als „Gondorfer Gräberfund” im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen verwahrt.

Hochzeit im Schloss Liebieg

Allerdings machte der Niedergang der Textilindustrie in Europa und die Enteignungen in der ehemaligen Tschechoslowakei auch vor den Liebiegs nicht halt. Nach einigem Hin und Her zogen 1990 neue Besitzer in Schloss Liebieg ein.

Heute dient das Anwesen als Eventlocation, wo zum Beispiel Paare im eleganten Spiegelsaal ihre Hochzeit feiern. Und durch den kleinen Park mit seiner kleinen Kapelle, dem Brunnen und alten Baumbestand darf jeder flanieren.

Ein Café oder ein Lokal zum Einkehren gibt es bislang leider nicht. Doch wer weiß. Denn seit Neustem gehört die prominente Immobilie der Schlossgut Liebieg GmbH. 


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