Fabelhafte Burg Eltz: Hier knipsen sich Instagrammer glücklich

Die romantische, einmalig gut erhaltene Burg Eltz! Nie erobert, nie zerstört, kein einziges Mal wechselte sie ihren Besitzer. Wie eine Eins balanciert sie auf einem Felsen in der Eifel. Ein Sammelsurium aus Türmchen und Erkern, das Besucher verzaubert – im Sommer wie im Winter.

Burg Eltz, Eifel

Blick auf die Burg Eltz

Das Türmchen – knips. Der Burghof – knips. Die Mauer – knips. Die Instagram-Gemeinde hat Burg Eltz als Hotspot entdeckt. Seitdem posieren sie schon früh am Morgen in Abendkleidern, mit einem Glas Wein in der Hand oder mit Hunden. Und schicken die Fotos in die ganze Welt.

Kaum eine andere Burg wird so oft auf den Social Media Kanälen geteilt. Kein Wunder, die Kulisse ist ja auch einfach zu schön: Ein mittelalterlicher Wolkenkratzer voller Türmchen, Erker, Giebel, Fachwerkfassaden und Spitzen. 

Schon seit Jahrhunderten sind die Menschen hin und weg vom Anblick der märchenhaften Silhouette. „Hoch, mächtig, verblüffend, finster. So etwas habe ich noch nicht gesehen”, schwärmt Victor Hugo (1802 – 1885) in seinem Tagebuch.

Burg Eltz, Eifel, Mosel

Der Eingang zur Burg

Damals lief der berühmte Schriftsteller (Der Glöckner von Notre Dame) zu Fuß von der Mosel zur Burg Eltz. Allerdings war die Herrschaft seinerzeit noch nicht eingestellt auf Touristen. Und der Franzose notierte: „Wir klopften. Der Hund bellt. Keiner da.”  

Wandern zur Burg vom Geldschein

Heute ist das anders: Während der Saison steuern rappelvolle Reisebusse den riesigen Parkplatz in der Nähe des historische Gemäuers an. Viele stapfen lieber ab Moselkern den romantischen Elzbach hinauf (2,5 km). Und geübte Wanderer schwören auf den rund 12 Kilometer langen Traumpfad Eltzer Burgpanorama ab Wierschem.

Tatsächlich laufen Menschen aus allen Himmelsrichtungen durch den Wald, um die prächtige Ritterburg vom alten 500-Mark-Schein zu sehen.

Burg Eltz, Eifel, Geldschein

Blumenbeet in der Burg Eltz

Zwar hat sich die Banknote längst in Luft aufgelöst, das Original ist jedoch bestens in Schuss. Denn es ist seit sage und schreibe 33 Generationen im Besitz derselben Familie, die sich um die Erhaltung der wunderschönen Anlage kümmert.

Immerhin über 850 Jahre muss man bis zu ihren Ursprüngen zurück. Damals war Friedrich Barbarossa der Kaiser. Er schenkte einem gewissen Ritter Rudolf von Eltz eine Wohnburg am Handelsweg zwischen Maifeld und Mosel. Und die Karriere der Adelsfamilie begann.

Einzigartige Architektur 

Warum die Burg heute so dramatisch „verbaut” ist? Weil die Eltz eine sogenannte Ganerbenburg ist, eine Art mittelalterliche WG für Verwandte.

Denn um Erbstreitigkeiten zu vermeiden, wurde die Burg Eltz im Jahr 1268 samt Besitztümern zum ersten Mal unter drei Nachkommen geteilt. Daraufhin baute jeder der Brüder seinen Teil des Gemäuers nach eigenen Plänen aus. Dabei entstand sozusagen je eine eigene Burg in der Burg.  

Burg Eltz, Eifel, Innenhof

Hier lebten damals gut 100 Eltzer mit ebenso viel Personal.

Und weil die Burg auf einem Felsen steht, konnte sie natürlich nicht in die Breite gehen. Deshalb ließen sich die Herren und Damen der Linien von Eltz-Kempenich, Eltz-Rodendorf und Eltz-Rübenach Türmchen, Gauben und Erker mauern, fast jede Generation setzte noch Stockwerke drauf. 

Gut 500 Jahre lang wuchs die Burg Eltz immer weiter. So kam das Bauwerk zu seiner einzigartigen, mannigfaltig verschachtelten Architektur. Genau dieses Zusammenspiel der Baustile, von Romanik bis zum Barock, macht die Eltz zu einer der schönsten deutschen Burgen.

Insgesamt acht bis zu 35 Meter hohe Wohntürme drängeln sich um den engen Burginnenhof. Geschmückt mit Fachwerk, Basaltsäulen, Rundbögen und Wappen.  

Burg Eltz, Eifel, Türmchen

Türmchen drängeln sich um den Innenhof der Burg Eltz.

Gut 100 Eltzer nebst Bediensteten lebten damals auf rund 120 Kammern und Sälen verteilt. Heute ist Dr. Karl Graf von und zu Eltz-Kempenich, genannt Faust von Stromberg, verantwortlich für die Burg. Denn durch den Ankauf des Anteils des Freiherrn von Eltz-Rübenach gelangte die Burg 1815 in den Alleinbesitz der Kempenicher Linie der Grafen von Eltz. 

Auch im Winter schön

Der Burgherr lebt in Frankfurt am Main und öffnet die Anlage zwischen April und November für Touristen. Immerhin eine Viertelmillion Menschen wollen „the german castle” jedes Jahr sehen.

Wer das Gemäuer (fast) für sich alleine haben will, kommt deshalb besser im Winter.

Burg Eltz, Eifel, Winter

Winterlicher Blick auf die Burg Eltz.

Denn ab November schließt der Graf für vier Monate seine Burg. Tatsächlich ist die Stimmung dann nochmal anders und der Anblick fast ohne Touristen einmalig.

Mit ein kleines bisschen Glück ist das Türmchen-Tohuwabohu sogar in Schnee gehüllt. Allerdings bleibt das kostbare Innenleben den Besuchern und Besucherinnen bis zum Frühling verborgen. Denn hinein kommt man nur bei einer Führung. 

Burg Eltz, Eifel, geschlossenes Tor

Auch Hypnose nützt nichts. Der Besucher muss warten bis die Burg im Frühjahr wieder öffnet.

Wie haben die Menschen früher auf der Burg gelebt? Haben sie nicht gefroren? Und was bedeutet die Rose im Rittersaal? Die Besucher erfahren, dass die Rose des Schweigens für das Versprechen steht, dass das gesprochene Wort niemals den Raum verlässt. 

Mit Sachverstand beantworten die Guides alle Fragen zu „ihrer Burg”. Immerhin ist es in manchen Familien aus der Gegend sogar Tradition, als Burgführer zu arbeiten.

Führung in die Schatzkammer

Natürlich wird bei einer Führung alles geboten, was man in einer Ritterburg so erwartet: Geschichte, Geschichten und natürlich Rüstungen. Aber auch Gold- und Silberarbeiten von Weltrang oder Gemälde bekannter Künstler werden gezeigt. 

Ein Glanzlicht ist der Rittersaal mit dem originalen Wappenfries und Narrenköpfen, die die Redefreiheit symbolisieren. Schließlich durften die Narren im Mittelalter alles aussprechen, ohne Strafen befürchten zu müssen. 

Burg Eltz, Eifel, Fassade

Die Fassade der Burg Eltz.

Und die Schatzkammer im Keller birgt Skurriles wie den legendären „Dukatenscheißer”. Die Menschen im Mittelalter hatten einen eigenen Humor. In einem Schlafgemach der Burg Eltz steht auch das vermutlich älteste noch erhaltene bemalte Renaissancebett der Republik. Sogar die dunklen Holzböden sind noch original erhalten. 

Unzerstörte Burg Eltz

Denn anders als nahezu alle anderen Gemäuer in der Region blieb die Burg Eltz während der Erbfolgekriege verschont. Der Grund: Die riesige Sippe hatte damals glücklicherweise einen Verwandten auf der anderen Seite. Anton zu Eltz-Üttingen diente zum entscheidenden Zeitpunkt als bedeutender Offizier im französischen Heer.

So gelang es, die Burg aus der Liste der zu zerstörenden Bauwerke zu streichen. Ohne die guten Beziehungen des Familienclans hätte die Burg es vermutlich kaum bis heute geschafft.

Burg Eltz, Burg Trutzeltz.

Die Ruine der Trutzeltz. Sie wurde als Belagerungsburg errichtet.

Zwar überstand die Anlage Kriege ebenso wie die Angriffe mit Kanonen und Katapulten durch den Kurfürsten Balduin von Trier. Sogar ein schwerer Brand im Kempenicher Haus 1920 konnte wieder ausgebügelt werden.

Allerdings nagte gewaltig der Zahn der Zeit am Fachwerk und dem Jahrhunderte alten Gemäuer. Deshalb wurde die Burg Eltz ab 2009 für über 4 Millionen Euro rundum saniert. Fast drei Jahre lang verschwand sie dafür hinter Planen und Gerüsten. Seitdem glänzt sie wieder wie neu. Und wird so vielleicht sogar den Euro überdauern.

 

Öffnungszeiten, Adresse, Preise

Adresse:
Gräflich Eltz’sche Kastellanei Burg Eltz
Burg Eltz 1
56294 Wierschem
burg-eltz.de

Anfahrt: Ins Navi „Burg Eltz in Wirschem” eingeben, den Schildern bis zum Parkplatz folgen. Parkgebühr: 2 €, Wohnmobil 4 €.

Vom Parkplatz aus geht es entweder zu Fuß zur Burg (etwa 10 Minuten) oder per Pendelbus. Für den Rückweg ist das eine gute Idee, denn der Berg ist sehr steil. Kostenpunkt: 2 € pro Strecke.

Eintrittspreis für die Führung inklusive Schatzkammer: 10 €

 

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