Die Ruine der Burg Landshut ist ein historischer Ort mit Restaurant. Die Aussicht von diesem Lokal ist selbst für das Moseltal außergewöhnlich. Ein Besuch in Bernkastels Top-Sehenswürdigkeit.
Bernkastel-Kues hat es gut, denn das Mittelmosel-Städtchen ist mit einer bemerkenswerten Altstadt und allerlei Sehenswürdigkeiten gesegnet. Während der Saison kommen Reisende zuhauf, um sich wie auf einer Ameisenstraße durch das Labyrinth aus verwinkelten Gassen zu schieben.
Es gibt eine Aussichtsplattform, ganz wichtig Skywalk genannt, liebevolle Museen wie das Cusanus-Geburtshaus oder den weinseligen Gewölbekeller der Mosel-Vinothek. Vor allem aber einen urigen Marktplatz von prächtigem Fachwerk umstellt. Und obendrein, zur Krönung sozusagen, sogar noch die feine Ruine einer Burg.
Burg Landshut wird zur Ruine
Es ist historisch nicht belegt, wer zuerst eine Burg auf den Bergrücken über Bernkastel setzen ließ. Aber sicher ist: Die Burg Landshut, deren Ruine man heute sieht, wurde gegen Ende des 13. Jahrhundert auf den Resten mehrerer Vorgängerburgen errichtet. Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Heinrich II. von Vinstingen hatte derzeit das Sagen.
Seine Nachfolger bauten die Anlage weiter aus und verschönerten sie. Da ist von gediegenen Kammern, Türmen und prächtigen Säulen die Rede. So lässt es sich leben. Über viele Jahrzehnte hinweg verbrachten die Trierer Erzbischöfe auf der Bernkasteler Burg ihre Sommerfrische. Den Ehrennamen Landshut soll sie vermutlich im Jahr 1512 bei einem Besuch von Kaiser Maximilian erhalten haben.
Der Name leitet sich wohl aus dem Altdeutschen Landeshuata ab, was so viel wie Hüterin des Landes heißt und ihre Funktion als Wehr- und Schutzburg unterstreicht: Mit Türmen und dicken Mauern versehen, galt die Burg Landshut als uneinnehmbar in der damaligen Zeit. Tatsächlich trotzte sie Belagerungen, Kriegen und Kämpfen im Ort. Doch gegen ein Feuer, vermutlich verursacht durch einen Blitzeinschlag, kam selbst die wehrhafte Veste nicht an: Am 8. Januar 1692 fackelte die einst stolze Burg bis auf die Grundmauern ab. Die Ruine fiel in einen langen Dornröschenschlaf.
Burgruine wird zum Ausflugsziel
Fast 150 Jahre später kam ein echter Prinz zu Besuch. Es war der spätere König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Die Stadtgemeinde schenkte dem Regenten die in Trümmern liegende Burg. Wahrscheinlich spekulierte man darauf, dass er das Gemäuer wieder aufbauen würde. Immerhin hatte er schon die zerstörte Burg Stolzenfels am Rhein als prächtiges Schloss wieder auferstehen lassen. Aber der Kronprinz winkte ab und die Burg Landshut blieb als Ruine zurück. Seit 1920 gehört sie zum Besitz der Stadt Bernkastel-Kues.
Wer heute Rittersäle, mittelalterliches Interieur oder ein Verlies erwartet, wird folglich enttäuscht – denn nur die Außenmauern und der Bergfried blieben erhalten. Dennoch gehört die Anlage über dem Doppel-Städtchen zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region. Die mächtigen Mauerreste prägen das Antlitz des Städtchens und werden bei Dunkelheit hübsch ausgeleuchtet.
Wanderung oder Burg Landshut Express?
Reisende unserer Tage können die einst als uneinnehmbar geltende Burg Landshut auf verschiedene Arten erobern. Mit dem Fahrrad zum Beispiel. Die Straße führt an der St. Anna-Kapelle vorbei. Sportliche Radler stellen sich gerne der Herausforderung. Auf dem E-Bike verliert der steile Berg seinen Schrecken, doch komfortabler ist die Anfahrt mit dem Auto. Der Parkplatz liegt etwa fünf Gehminuten oberhalb der Burg.
Nostalgiker kaufen sich ein Ticket für den gelben Oldtimer-Bus, den Burg Landshut Express. Seit über 50 Jahren kutschiert der rüstige Veteran Ausflügler während der Saison im Stundentakt vom Gestade den Berg hinauf bis fast vor das Burgtor und wieder zurück.
Aber die allermeisten Besucher und Besucherinnen kommen zu Fuß. Per Pedes braucht man vom Marktplatz aus eine gute halbe Stunde. Die Route führt wahlweise über Treppen am Schützenhaus vorbei oder über den Serpentinenpfad durch den Schlossberg. Allerdings sind beide Weg recht steil. Wer einen moderaten Anstieg sucht, dem sei der Familien-Rundweg durch den Wald empfohlen: Der Spaziergang führt von der Altstadt am Tiefenbach entlang zum kleinen Wasserfall und schließlich über Asphalt hinauf zur Burg.
ZUM WEITERLESEN: Dieser Aufstieg ist doch ein Spaziergang!»
Römisches Kastell entdeckt
Ein touristischer Hotspot war die Burg Landshut schon immer, denn die attraktive Ruine bietet Aussicht und viele fotogene Ecken. Aber erst im Sommer 2012 Jahren fanden Archäologen heraus, dass sie sogar zu den ältesten Bauwerken an der ganzen Mosel zählt. Denn damals stießen Forscher nach zunächst routinemäßigen Sicherungsarbeiten auf die Reste eines römischen Kastells, auf dessen Resten sich die Burg erhebt.
Die Fachwelt feierte die kleine Sensation. Denn man geht davon aus, dass es sich um das aus alten Quellen bekannte Princastellum handelt. Diese Anlage wurde wohl im dritten Jahrhundert als eine von rund 19 Bergbefestigungen gebaut, um die Kaiserresidenz in Trier vor dem Einfall von Barbaren zu schützen. Es war dem Namen nach das „erste Kastell” in der römischen Provinz Belgica.
Mit dem Fund ist die Stadt von heute auf morgen 1000 Jahre älter geworden – denn zuvor ging man von 700 Stadtgeschichte aus. Immerhin soll das Princastellum namensgebend für Bernkastel gewesen sein.
Römererbe kommt groß heraus
Erst kamen die Forscher, dann ein Kran und mit ihm viele fleißige Handwerker verschiedener Gewerke. Mehrere Jahre lang prägten himmelhohe Gerüste und Planen das Bild der Ruine. Denn mit einmal gründlich Durchkärchern war es nun nicht mehr getan. Stadt und Land nahmen Millionen in die Hand, um ihre Burg Landshut auf Vordermann zu bringen.
Jetzt fährt ein gläserner Aufzug die Besucher und Besucherinnen eine Etage hoch und wieder runter. Auf einem barrierefreien Rundweg wurde das römische Erbe in Szene gesetzt. Auch ein Sarkophag bekam an der Burgruine einen Platz, denn auf das antike Stück war ein Bauarbeiter ganz in der Nähe mit seiner Planierraupe gestoßen. Erstaunlich, was man in der Gegend so findet, wenn man nur lange genug in den Weinbergen buddelt.
Natürlich bekam auch der Burghof mit einer Terrasse ein frisches Gesicht. Vor allem aber wurde in den in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten ein neues Restaurant eingerichtet.
Ein im Wortsinn gehobenes Restaurant
Klassiker wie Flammkuchen, Rumpsteak oder Schnitzel stehen auf der Speisekarte, begleitet von einer Auswahl an Weinen von der Mittelmosel. Sicherlich nichts für Schnäppchen-Jäger ist der Bernkasteler Doctor. Ein Riesling mit Seltenheitswert.
Die Sage um die Namensgebung ist eng mit der Burg verbunden. Denn sie fällt in die Zeit, als Boemund II. auf Burg Landshut verweilte und dieser Wein ihn angeblich von einer schweren Krankheit heilte. Seither wird der benachbarte Weinberg Bernkasteler Doctor genannt.
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Speis und Trank muss man bezahlen, doch den Augenschmaus gibt es gratis dazu. Denn ein zehn Meter breites Panoramafenster eröffnet eine fantastische Fernsicht über die Weinberge, Bernkastel-Kues und die sich windende Mosel. Eine solche Fernsicht findet man in einem Restaurant sicherlich nicht alle Tage.
Ebenso imposant ist die Aussicht von der unmittelbar darüber liegenden Terrasse – an sonnigen Tagen. Und wer noch etwas höher hinaus will, löst für einen Euro ein Ticket am Automaten, um auf den Bergfried zu steigen. Der Weg zur Plattform führt über viele schiefe Stufen durch ein sehr enges Treppenhaus. Doch auf diesem Logenplatz angekommen, liegt einem die ganze Mosellandschaft zu Füßen.
Burg Landshut – Anfahrt und Führung
Anfahrt zur Burg Landshut vom Hunsrück aus: Der Beschilderung zur Burg Landshut folgen. Vom Parkplatz oberhalb der Burg sind es noch 200 Meter Fußweg bergab.
Von der Mosel aus: Kurz hinter dem Ortsausgang von Bernkastel (Richtung Andel) links durch den Tunnel in Richtung Monzelfeld. Nach zwei Kilometern rechts den Schildern folgen. Ein recht großer Parkplatz befindet sich etwas oberhalb der Burg, direkt an der Burg gibt es nur wenige Plätze.
Führungen ganzjährig jeden Sonntag um 11.30 Uhr, Dauer: 45 Minuten. Treffpunkt: Am Aufzug an der Burg. Anmeldung unter +49(0)6531/500190 oder im Mosel-Gäste-Zentrum.







