Ballon „made in Schweich“: Glück ab, gut Land

Heute schon einen Ballon gesehen? Falls ja: Sehr wahrscheinlich, dass er aus der Werkstatt von der Mosel stammt. Denn die Firma Schroeder fire balloons in Schweich ist der einzige Hersteller von Heißluftballonen in Deutschland. 

Ein Heißluftballon aus Schweich fährt über die Mosel

Auch so kann ein Ballon aussehen. Fotos: Schroeder fire balloons.

Sanft steigt der bunte Heißluftballon in den Morgenhimmel. Vorbei an Weinbergen, über die Mosel hinweg, geht es hinauf in 400 Meter Höhe. Oben faucht der Gasbrenner, unten zieht gemächlich die Landschaft vorbei. Stille.

Hier gibt es kein Gerangel um den besten Platz, denn im Korb steht jeder am Fenster. Oben wird die Luft zwar dünner – aber was einem wirklich fast den Atem raubt, ist der Ausblick über die Landschaft! Die Häuser, die Autos, alles erscheint winzig klein. Eine perfekte Modelleisenbahn-Idylle.

Wo sie auch vorbei schweben, werden die Passagiere gefeiert wie Hollywood-Stars. Leute auf der Straße winken, holen ihre Kinder aus dem Haus und brüllen Grüße hinauf. Sogar Kühe recken ihre Köpfe nach oben. 

Ballone fliegen um die Wette. Foto: Schroeder fire balloons

Ballone fliegen um die Wette.

In den ersten Tagen der Luftfahrt sahen die Reaktionen der Menschen noch völlig anders aus: Vor über 200 Jahren befürchteten Zweifler den sicheren Erstickungstod der Passagiere oder dass Lebewesen beim Aufstieg gar platzen.

Landeten Ballone auf Feldern, wähnten Bauern sogar den Teufel am Werk – und gingen mit Mistgabeln los auf die Piloten.

Inzwischen wollen die Beobachter meist nur eines: selber einmal im Ballon durch die Lüfte kutschieren. Kein anderes Luftfahrzeug fasziniert mehr Menschen als ein Ballon. Und an der Mosel werden die bunten Giganten gemacht.

Ein Ballon von oben gesehen. Foto: Schroeder fire balloons

Von oben sieht die Welt ganz klein aus.

Weltweit gibt es rund 20 Hersteller von Heißluftballonen. Und in Deutschland genau einen: Gut jeder zweite Heißluftballon, der hierzulande zum Himmeln steigt, stammt aus der Werkstatt von Schroeder fire balloons in Schweich bei Trier. Dort werden sie auch repariert und gewartet.

Ballon „made in Schweich”

Angefangen hat alles vor 33 Jahren. Damals machte der Ingenieur Theo Schroeder sein Hobby zum neuen Beruf. Schon im Rentenalter, mit 65 Jahren, gründete er das neue Unternehmen.

Mit heißer Luft ging’s in den Folgejahren nach oben. Inzwischen führen Sohn Friedhelm Schroeder und Hans Kordel die Geschäfte. 

Ein Schroeder-Ballon vor einer Hochhaus-Kulisse in Dubai. Foto: Schroeder fire balloons

Ein Schroeder-Ballon vor einer Hochhaus-Kulisse in Dubai.

Insgesamt rund 1700 Ballone wurden seit damals unter die Völker gebracht. In die Schweiz und in die Niederlande. Nach Litauen, Belgien und Weißrussland. Auch in Südafrika, den Emiraten oder Ägypten sind die Ballone „made in Schweich” unterwegs.

Es ist eine exklusive Leidenschaft, der sich die Piloten verschrieben haben. Ein kleiner Ballon ist für etwa 35 000 Euro zu haben. Die teuerste Ausführung kann bis zu 15 Passagiere transportieren. Kostenpunkt für so ein fliegendes Hochhaus: um 100 000 Euro. Das ist der Preis für echte Handarbeit. Zudem ist jeder von ihnen ein Unikat.

Ballone aus reiner Handarbeit

Über 20 Männer und Frauen produzieren Körbe, Gasflaschen, Brenner und natürlich die imposanten Hüllen der Ballone. Und zwar alles in einem Betrieb.

Ein Korbmacher bei der Arbeit. Fotos: Schroeder fire Balloons.

Ein Korbmacher bei der Arbeit.

„Hier arbeiten  Korbflechter und Schleifer, Schlosser, Näherinnen und Ingenieure”, sagt Leo Ersfeld, Vertriebsleiter und selber erfolgreicher Pilot: Vor einigen Jahren fuhr er mit Kollegen in weniger als sieben Stunden 877 Kilometer von Gera bis nach Rumänien.

In der Brennerabteilung werden die gewaltigen Feuerspucker gebaut und gewartet, Schlosser stellen Bauteile her, und Rattan spielt die Hauptrolle in der Korbmacherei. 

Das Herz der Firma: Die Nähhalle. Hier entstehen die prächtigen Hüllen aus einem speziell beschichteten Nylonstoff. Je nach Größe werden dafür 400 bis 500 Teile zusammengenäht, erklärt der Vertriebsleiter.

Eine Näherin fügt den Ballon zusammen.

Eine Näherin fügt den Ballon zusammen.

Der Zuschnittplan für den Giganten wurde zuvor von Designern am Computer entwickelt. Dabei können mittels 3D-Technik die spektakulärsten Formen entstehen. So kommt ein Ballon auch mal als Katze, Pinguin oder sogar als Bierglas daher. 

Insgesamt 50 Heißluftballone verlassen im Jahr die Hallen in Schweich.

Mosel Ballon Fiesta

Und jeden Sommer rollt Schroeder fire balloons den roten Teppich aus für einen Massenstart am Flugplatz in Föhren. Tausende von Besucher kommen dann ins Industriegebiet, um das seltene Spektakel zu erleben.

Um dabei zu sein reisen Ballonfahrer aus ganz Deutschland, der Schweiz und den Beneluxländern an die Mosel. Darunter auch Teams aus England, Frankreich und Polen. Rund 80 Heißluftballone gehen an diesem Tag gleichzeitig in die Luft.

Bei der Mosel Ballon Fiesta im August heben rund 80 Ballone ab.

Massenstart bei der Mosel Ballon Fiesta.

Zwei Tage lang steigt die Mosel-Ballon-Fiesta mit Fuchsjagden und dem von den Zuschauern heiß geliebten Night-Glow – das ist das Befeuern der Ballone bei Nacht, im Takt der Musik. Und wer selber abheben mag, der bucht an diesem Wochenende einen „Schnupperflug”.

Es sind die Stille und die Aussicht, die eine Fahrt so besonders machen, schwärmt Leo Ersfeld. Wo es am Ende genau hingehe, wisse letztlich nur der Wind. Diese Prise Ungewissheit ist es, die das Ballonfahren zu einem Abenteuer macht.

 

Mehr Infos: www.moselballonfiesta.de

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