Mosel-Ballon-Fiesta: Glück ab, gut Land

Heute schon einen Ballon gesehen? Sehr wahrscheinlich, dass er von der Mosel stammt. Denn in Schweich sitzt der einzige Hersteller von Heißluftballonen in Deutschland. Und immer im August ruft die Firma zur „Mosel-Ballon-Fiesta” – ein tolles Spektakel.

Ballon, Mosel, Schweich

Auch so kann ein Ballon aussehen. Fotos: Schroeder fire balloons.

Sanft steigt der bunte Heißluftballon in den Morgenhimmel. Vorbei an Weinbergen, über die Mosel hinweg, geht es hinauf in 400 Meter Höhe. Oben faucht der Gasbrenner, unten zieht gemächlich die Landschaft vorbei. Stille.

Hier gibt es kein Gerangel um den besten Platz, denn im Korb steht jeder am Fenster. Oben wird die Luft zwar dünner – aber was einem wirklich fast den Atem raubt, ist der Ausblick über die Landschaft. Die Häuser, die Autos, alles erscheint winzig klein. Eine perfekte Modelleisenbahn-Idylle.

Ballone, Wettkampf, Mosel. Foto: Schroeder fire balloons

Ballone fliegen um die Wette. Foto: Schroeder fire balloons.

Wo sie auch vorbei schweben, werden die Passagiere gefeiert wie Hollywood-Stars. Leute auf der Straße winken, holen ihre Kinder aus dem Haus und brüllen Grüße hinauf. Sogar Kühe recken ihre Köpfe nach oben. 

Abenteuer Ballonfahrt

In den ersten Tagen der Luftfahrt sahen die Reaktionen der Menschen noch anders aus. Vor über 200 Jahren befürchteten Zweifler den sicheren Erstickungstod der Passagiere oder dass Lebewesen beim Aufstieg gar platzen.

Landeten Ballone auf Feldern, wähnten Bauern sogar den Teufel am Werk – und gingen mit Mistgabeln los auf die Piloten. Inzwischen wollen die Beobachter meist nur eines: selber einmal im Ballon durch die Lüfte kutschieren.

Ballone, Schweich, Mosel. Foto: Schroeder fire balloons

Von oben sieht die Welt ganz klein aus. Foto: Schroeder fire balloons.

Nach der Landung knallen die Champagner-Korken, denn die Fahrgäste werden in den Adelsstand der Aeronauten erhoben. Diese Zeremonie geht auf König Ludwig XVI. zurück, der eine Ballonfahrt nur Adeligen erlaubte. Heute fasziniert kein anderes Luftfahrzeug mehr Menschen als ein Ballon. 

Weltweit gibt es gerademal rund 20 Hersteller von Heißluftballonen. Und in Deutschland genau einen. Gut jeder zweite Heißluftballon, der hierzulande zum Himmeln steigt, stammt aus der Werkstatt von Schroeder fire balloons in Schweich bei Trier. 

Ein Ballon aus Schweich

Angefangen hat alles vor über 30 Jahren. Damals machte der Ingenieur Theo Schroeder seine Leidenschaft Ballonfahren zum neuen Beruf. Schon im Rentenalter, mit immerhin 65 Jahren, gründete er sein neues Unternehmen.

Mit heißer Luft ging’s in den Folgejahren steil nach oben. Inzwischen führen Sohn Friedhelm Schroeder und Hans Kordel die Geschäfte. Insgesamt rund 1700 Ballone wurden seit damals unter die Völker gebracht. In die Schweiz und in die Niederlande, genauso wie nach Litauen, Belgien und Weißrussland. Auch in Südafrika, den Emiraten oder Ägypten sind die Ballone „made in Schweich” unterwegs.

Schroeder-Ballon, Mosel, Dubai. Foto: Schroeder fire balloons

Ein Schroeder-Ballon vor einer Hochhaus-Kulisse in Dubai.

Es ist eine exklusive Leidenschaft, der sich die Piloten verschrieben haben. Ein kleiner Ballon ist für etwa 35.000 Euro zu haben. Die teuerste Ausführung kann bis zu 15 Passagiere transportieren. Kostenpunkt für so ein fliegendes Hochhaus: um 100.000 Euro. Das ist der Preis für echte Handarbeit. Zudem ist jeder von ihnen ein Unikat.

Ballone aus reiner Handarbeit

Über 20 Männer und Frauen produzieren Körbe, Gasflaschen, Brenner und natürlich die imposanten Hüllen der Ballone. Und zwar alles in einem Betrieb.

Ballone, Korbmacher, Schweich. Fotos: Schroeder fire Balloons.

Ein Korbmacher bei der Arbeit.

„Hier arbeiten  Korbflechter und Schleifer, Schlosser, Näherinnen und Ingenieure”, sagt Leo Ersfeld, Vertriebsleiter und selber erfolgreicher Pilot. Immerhin fuhr er mit Kollegen in weniger als sieben Stunden 877 Kilometer von Gera bis Rumänien.

In der Brennerabteilung werden die gewaltigen Feuerspucker gebaut und gewartet, Schlosser stellen Bauteile her, und Rattan spielt die Hauptrolle in der Korbmacherei. 

Das Herz der Firma: Die Nähhalle. Hier entstehen die prächtigen Hüllen aus einem speziell beschichteten Nylonstoff. Je nach Größe des Ballons werden dafür 400 bis 500 Teile zusammengenäht, erklärt der Vertriebsleiter.

Ballon, Nähhalle, Schweich.

Eine Näherin fügt den Ballon zusammen.

Der Zuschnittplan für den Giganten wurde zuvor von Designern am Computer entwickelt. Dabei können mittels 3D-Technik die spektakulärsten Formen entstehen. So kommt ein Ballon auch mal als Katze, Pinguin oder sogar als Bierglas daher. 

Insgesamt verlassen 50 Heißluftballone im Jahr die Hallen in Schweich. Und einige von ihnen kommen pünktlich zur Mosel Ballon Fiesta im Sommer wieder.

Mosel-Ballon-Fiesta für alle

Denn jedes Jahr im August rollt Schroeder fire balloons den roten Teppich aus für einen Massenstart am Flugplatz in Föhren. Dann kommen Zehntausende von Zuschauern ins Industriegebiet, um das seltene Spektakel mitzuerleben. Bunte Ballone am Himmel – so weit das Auge reicht! Immerhin 80 Heißluftballone heben bei der „Mosel Ballon Fiesta” gemeinsam ab.

Um an den beiden Tagen dabei zu sein, reisen Ballonfahrer aus rund zehn Nationen an die Mosel. Darunter Teams aus ganz Deutschland und der Schweiz, ebenso aus Großbritannien, Frankreich oder Polen. 

Mosel-Ballon-Fiesta, Föhren, Mosel. Foto: Schröder fire Balloons

Massenstart bei der Mosel-Ballon-Fiesta.

Beim landesweit größten Ballon-Treffen gehen die Ballonfahrer mehrmals zu Wettfahrten an den Start. Doch die meisten Besucher freuen sich auf das Night-Glow – wobei die Ballone im Takt der Musik in der Dunkelheit befeuert werden und leuchten, allerdings nicht abheben.

Am 16. August um 16 Uhr geht es los mit dem Familienprogramm. Großes Kino auch am Samstag, ab morgens früh um 7. Wer selber im Korb aufsteigen will, der kann für dieses Wochenende einen „Schnupperflug” buchen. Besser gesagt: Eine Schnupperfahrt. Denn nur wenn das Fortbewegungsmittel schwerer als seine Umgebung, spricht man vom Fliegen. Beim Ballon ist das aber anders. 

Es sind die Stille und die Aussicht, die eine Fahrt so besonders machen, schwärmt Leo Ersfeld. Wo es am Ende genau hingehe, wisse letztlich nur der Wind. Diese Prise Ungewissheit ist es, die das Ballonfahren zu einem Abenteuer macht.

 

Mehr Infos: www.moselballonfiesta.de

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