Einsiedelei Bruder Heinrich: Geheim und verwunschen

Raus aus dem Trubel, rein in die Stille. Die Einsiedelei Bruder Heinrich ist ein Ort der Kategorie „secret places”. Ein schönes Ausflugsziel für alle, die gerne dahin gehen, wo nicht viele andere hinkommen. Aber man muss das Kleinod erstmal finden.

einsiedelei, secret place, Ediger

Die Einsiedelei „Bruder Heinrich“.

Gäbe es eine Sammlung der stillsten Orte der Welt, wäre die Einsiedelei Bruder Heinrich wohl einer davon. Denn nur wenige kennen diesen verschwiegenen Platz in tiefster Waldeinsamkeit. Dort hat nur die Natur das Sagen. Dabei ist die „Anreise” gar nicht kompliziert – wenn man die Eremitage einmal auf der Karte gegenüber von Ediger-Eller identifiziert hat.

Ein guter Orientierungspunkt ist der Turm an der B 49. Ein gutes Stück flussabwärts vom Ortskern steht das 16 Meter hohe Gebäude mutterseelenallein in der Landschaft. Vor gut 700 Jahren war er noch Teil eines Gehöfts und von einer kleinen Siedlung umgeben. Damals diente er den Herren von Lehmen als Wohnturm. 

Allerdings hat sich der Ort drumherum schon vor langer Zeit in Luft aufgelöst. Stattdessen erhebt sich dort die Spitzenlage Elzhofberg. Und auf dem Berg genau gegenüber dem Lehmener Turm, versteckt sich die Einsiedelei Bruder Heinrich im Wald.

Wanderung zur Einsiedelei Bruder Heinrich

Wegweiser, Einsiedelei, Senheim

Wegweiser zur Einsiedelei in Senheim.

Eigentlich könnte man mit dem Weinberg im Rücken einfach nur immer weiter geradeaus nach oben laufen. Wenn nicht die Mosel, ihr Altarm und die Insel Taubengrün, Rückzugsort von Reihern und Komoranen, dazwischen lägen.

Deshalb muss man zunächst über die Mosel-Brücke bis nach Senheim fahren. Vom Hafen aus führt ein Sträßchen flussaufwärts am Ufer entlang. Nach ein paar hundert Metern weist rechter Hand ein Holzschild den Weg durchs Naturschutzgebiet zur Einsiedelei Bruder Heinrich.

Über breite Forstwege führt die Route durch den Wald immer weiter den Berg hinauf. Nach gut drei Kilometern ist das Ziel fast erreicht. Wer nun dem Wegweiser folgend den abenteuerlichen Abstieg über einen handtuchbreiten Pfad unversehrt bewältigt hat, stößt nach etwa 100 Metern auf das an einem hohen Sandsteinfelsen kauernde Gebäude.

Einsiedel Bruder Heinrich, Eingang

Eingang zur Einsiedelei.

Wer war Brohra Haärich?

Betreten ist natürlich erlaubt. In dem kargen Raum steht ein Bank zum Ausruhen. Über eine Leiter gelangt man auf eine Empore, von der man auf die Bank runtergucken kann. 

Über die Geschichte der ehemalige Einsiedelei und ihre Bewohner ist nicht allzu viel bekannt. Jedenfalls nicht historisch belegt. Doch fragt man die Menschen in der Region, erzählen sie blumig von Bruder Heinrich, der einst mit seiner Ziege in dem kleinen Bruchsteinbau hauste.

Einsiedelei Bruder Heinrich, Empore

Blick von der Empore in die Klause.

Brohra Haärich“ kennt in der Gegend jedes Kind. Der von allen verehrte Eremit soll jedem mit Rat und Hilfe zur Seite gestanden haben. Bruder Heinrich kannte sich mit Heilkräutern aus und sammelte Geld, um Leibeigene und Pächter in Not frei zu kaufen. Er soll über 100 Jahre alt geworden sein.

Bruder Heinrichs Tagwerk bestand daraus, zur Messe in der nahe Peterskapelle zu pilgern und sich danach von den Nonnen im Kloster Stuben verköstigen zu lassen. Dann ging es mit dem Kahn ans andere Ufer nach Bremm, um die Winzer und Treidel-Wirtschaften in Ediger, Eller und dem inzwischen verschwundenen Moselort Lehmen zu besuchen. 

Einsiedelei Bruder Heinrich, Figur, Mosel

Eine Einsiedler-Figur am Eingang.

Einsiedelei wird spezielles Ausflugsziel

Die Einsiedelei Bruder Heinrich hat schon immer die Fantasie der Moselaner beflügelt. Kein Wunder, denn die historischen Quellen sind mager. Tatsächlich existierte eine Behausung an dieser Stelle schon vor der Gründung des Klosters Stuben im Jahr 1137. Ein frommer Eremit namens Walther soll sich dort um 1100 häuslich eingerichtet haben, informiert ein Zettel an der Wand der Klause. Angeblich wurde er über 100 Jahre alt.

Im Jahre 1179 wurde dem Kloster Stuben ein Prior mit dem Namen Heinrich zugeteilt. Er soll sich in seiner Freizeit in die Klause zurückgezogen haben. Letztmalig hat wohl ein gewisser Peter Scheidt in der Eremitage gewohnt. Aktenkundig ist, dass der Prior 1677 dem Kloster sein Vermögen vermachte.

Von dem Kloster Stuben blieben nur drei Mauern der Klosterkirche zurück. Doch die Einsiedelei Bruder Heinrich ist bestens erhalten. Um die Jahrtausendwende haben freiwillige Helfer immerhin 1100 Arbeitsstunden in die behutsame Sanierung der Ruine investiert. Dabei wurden über 50 Kubikmeter Geröll weggeschafft und 12 Kubikmeter Bruchsteine vermauert. Entstanden ist ein wunderbarer Ort, den man dennoch meistens ganz für sich alleine hat.