Klause Kastel-Staadt: Schöner Schinkel über der Saar

Es grenzt an ein Wunder, dass die Klause in Kastel-Staadt noch nicht völlig überlaufen ist. Denn wer hinfährt entdeckt: Verwunschene Natur und ein Kleinod des preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Klause Kastel-Staadt, Schinkel, Kapelle

Die Klause bei Kastel-Staadt.

Ohne den rastlosen Karl Friedrich Schinkel hätte das Königreich Preußen wohl anders ausgesehen. Der talentierte Oberbaurat gab nicht nur Berlins Mitte ihr berühmtes Gesicht. Auch in Brandenburg, Aachen oder Bonn hinterließ der bedeutendste deutsche Baumeister des 19. Jahrhunderts seine Handschrift.

Die Verbindung von Schönheit und Zweckmäßigkeit war sein Markenzeichen. Dabei plante Schinkel sowohl im klassizistischen als auch im neugotischen Stil. Zum Beispiel Meisterwerke wie das Alte Museum, das Schauspielhaus oder die Neue Wache in unserer Hauptstadt. Aus seiner Feder stammen die Römischen Bäder im Potsdamer Park von Sanssouci, genauso wie das Schloss Granitz und der Leuchtturm auf Rügen.

Und Schinkel war es auch, der nach den Wünschen seines Italien liebenden Auftraggebers im Jahr 1835 auf der Spitze eines Sandsteinfelsens eine Landmarke schuf: Die Klause in Kastel-Staadt. Ein echtes Juwel der Romantik.

Denkmalzone auf dem Plateau

Der kleine Ort Kastel hat eine ganz besondere Lage. Er liegt auf einem Hochplateau über der Saar. Unten im Tal, direkt am Fluss liegt Staadt, der zweite Teil des Ortes.

Rund 400 Menschen leben in dem Dorf in exponierter Lage. Lange zuvor haben dort schon Kelten, Römer, Franziskaner und Preußen gewirkt. Seit dem 4. Jh. v. Chr. befand sich dort eine befestigte Siedlung des Treverer-Stammes. Ein sogenanntes Oppidum, wo die Bewohner in Holzhäusern lebten. Unter römischer Herrschaft wurde daraus ein Castellum.

Zurück blieben Sehenswürdigkeiten wie ein Keltenwall, eine mittelalterliche Kirche oder die Reste eines römischen Theater. Doch die Hauptattraktion ist die Klause 200 Meter über der Saar. 

Schinkels Klause in Kastel-Staadt

Interessant ist schon ihre Entstehungsgeschichte. Denn was man heute Klause nennt, ist in Wahrheit ein Gebäude-Ensemble. Schon in keltisch-römischer Zeit war der vorspringende Felsen eine geweihte Stätte.

Im 13. Jahrhundert haben fromme Menschen zunächst zwei Kammern in den Fels geschlagen, die man heute noch sieht. Um 1600 ließen Franziskaner-Mönche dann an selber Stelle eine Kapelle mit Eremitage errichten. Im Laufe der Zeit avancierte der Rückzugsort zu einer beliebten Pilgerstätte. Aber nach der Französischen Revolution kamen keine Einsiedler mehr und die Anlage in exponierter Lage zerfiel.

Klause, Saar, Gedenkkreuz

Das Gedenkkreuz wurde zu Johanns 500. Todestag errichtet.

Fast wäre sie in Vergessenheit geraten, doch es sollte anders kommen. Denn der spätere König Friedrich Wilhelm IV. nahm sich der Ruine an. Auf dem Wiener Kongress war das Land an der Saar dem Königreich Preußen zugesprochen worden.

Der preußische Thronfolger beauftragte seinen genialen Architekten Karl Friedrich Schinkel, Hand anzulegen. Aus der verlassenen Eremitage sollte eine Grabkapelle für den blinden König Johann von Böhmen und Graf von Luxemburg werden.

Wer war Johann der Blinde?

In Luxemburg kennt jedes Kind Johann den Blinden. Immerhin war er der Gründungsvater der Schueberfouer, ein großes Volksfest im August. Als Blanne Jang, Blinder Johann, ist er in aller Munde. Denn damit bezeichnet man eine Luxemburger Spezialität, bei der es sich um eine mit Käse gefüllte und mit Speck ummantelte Grill-Wurst handelt. 

Schinkel, Kapelle, Saar

Vor allem ist  Johann von Böhmen der Herrscher, der schon erblindet auf Seiten Frankreichs gegen England in den Krieg gezogen war und 1346 in der Schlacht von Crécy starb. Selbst seine Gegner zollten dem blinden König Respekt und ließen die Leiche nach Luxemburg bringen. Über Umwege gelangten die Gebeine in die Hände von Jean-Francois Boch, der sie in der Alten Abtei in Mettlach aufbewahrte.

Der spätere König Friedrich Wilhelm IV.  erfuhr davon, als er auf einer Reise zur Besichtigung von Industrieanlagen auch die Porzellanmanufaktur in Mettlach besuchte. Der Industrielle überließ dem Kronprinz die sterblichen Überreste und bekam zum Dank einen nach einem Entwurf Schinkels gefertigten Brunnen.

Der Thronfolger verehrte den toten König und sah sich als dessen Ahnen. Verkörperte er doch die Ideale des europäischen Rittertums. Aber der Ausbau der Klause diente wohl auch als Machtdemonstration, da die Preußenmonarchie die Luxemburger Dynastie abgelöst hatte. Wer der Herr im Haus war, zeigte man in der damaligen Zeit oft mit Denkmälern, Prachtbauten oder Burgen. 

Ein Grab für den blinden König

Und so erweiterte und restaurierte Schinkel die Klause hoch über der Saar. Für den Bau des Königsgrabs nutzte der Architekt das erhaltenen Erdgeschoss des verfallenen Baus. Darauf gestaltete er eine Kapelle, die mit Arkadenfenstern und Glockengiebel an italienische Baukunst erinnert.

Grab, Johann der Blinde

Der verlassene Sarg von Johann dem Blinden.

Durch bunte Glasfenster fällt das Tageslicht zuweilen mystisch in die Gruft. Darin steht ein Sarkophag, der bis 1946 die Gebeine des böhmischen Herrschers verwahrte. Zwar ist das Grab schon lange leer. Denn die Luxemburger holten ihren toten König heim, um ihn in ihrer Kathedrale Notre Dame zu bestatten. Aber das Kleinod des preußischen Baumeister glänzt nach wie vor als Juwel der Romantik.

Zugang zur Klause bekommt man nur von oben über die in den Felsen gehauene Treppenstufen. Kaum hat man das Kassenhäuschen passiert, eröffnet sich eine verwunschene Welt mit Felsen, Nischen, Bänken, Wegen und Aussichtsplätzen im üppigen Grün. 

Kasteler Felsenpfad, Saar

Die Klause liegt mitten im Wald mit Sandsteinfelsen.

Schinkel war fasziniert von der Verbindung von Landschaft und Architektur. Und die Ausflügler, die herkommen, sind es auch. Den besten Blick auf die Klause bietet der sogenannte Elisensitz. Auch dieser Aussichtspunkt geht auf den Baumeister Schinkel zurück. Es soll der Lieblingsplatz der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm gewesen sein, der Kronprinzessin Elisabeth von Bayern und Tante der Kaiserin Sisi.

Aber nicht nur für Architektur-Interessierte ist die Klause in Kastel-Staadt ein kleines Paradies. Auch wer abseits vom Trubel der Welt ein Refugium der Muße, der Schönheit und der Kunst sucht, ist an diesem zauberhaften Ort gut aufgehoben.

 

Infos für den Besuch der Klause

Adresse Parkplatz: König-Johann-Straße 66, 54441 Kastel-Staadt. Von dort sind es nur noch wenige Minuten zu laufen.

Anfahrt: Man erreicht die Klause entweder in etwa 25 Minuten von Konz an der Mosel über Saarburg, Krutweiler und Staadt.

Öffnungszeiten: März bis Ende Oktober, Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Juli und August bis 17 Uhr. Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Achtung: Montag und Dienstag geschlossen.

Eintritt: 3,50 €

Einkehren: In der Kirchstraße 1 gilt die Devise „Do It Yourself”. Dort können regionale Produkte per Knopfdruck geordert werden. Zum Beispiel Römerwurst, das Kasteler Viez oder das Honigbier Cervisia Castel. Der gut bestückte Automat ist für Ausflügler ein Glücksfall, denn weit und weit ist kein Gasthaus oder Supermarkt in Sicht.

Wandern: Der rund neun Kilometer lange Kasteler Felsenpfad führt entlang des Hochplateaus von Kastel-Staadt. Der Weg verbindet die Klause, eine grandiose Felsenlandschaft und Aussichtspunkte wie den Elisensitz miteinander. Eine weitere Besonderheit ist der Altfels, der erklettert werden kann. Startpunkt: Parkplatz vor der Klause.

Archäologischer Pfad: Schon Kelten und Römer haben auf dem Felsenplateau Bemerkenswertes hinterlassen. Ein 2,5 Kilometer langer archäologischer Rundwanderweg verbindet Sehenswürdigkeiten aus drei Jahrtausenden miteinander. Etwa einen Keltenwall und ein römisches Theater, das erst 2008 freigelegt wurde. Um 200 n. Chr. bot es Platz für etwa 3500 Menschen. Hinter dem Bühnenraum öffnete sich ein weiter Blick ins Tal. Von den Sitzreihen blieben nur einige zurück. Doch die Aussicht können Besucher noch heute genießen.

Sehenswertes bei der Klause

Sehenswürdigkeit: Vor dem Eingang der Klause steht eine einsame Kirche, umgeben von einem kleinen Friedhof. Schon zur Römerzeit diente das Gelände als Begräbnisstätte. Bis 1442 war sie die Pfarrkirche des Ortes, ihr Turm entstand im 12. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde angrenzend ein Ehrenfriedhof für gefallene Soldaten angelegt.

Interessante Häuser: Kastel hat noch einen Schinkel, denn auch die Schule im Dorf wurde nach den Plänen des berühmten Architekten gebaut. Eine Tafel am Haus Kirchstraße 18 in Kastel erinnert an den Schriftsteller Arno Schmidt, der dort vier Jahre lang gewohnt hat.

Sehenswerte Ruine: Im nahe gelegenen Freudenburg ließ der blinde König Johann von Böhmen im 14. Jahrhundert eine Burg auf einem schmalem Felsen bauen. Die Reste des Palas und der Wohngebäude stehen noch.