Enderttal: Acht Mühlen, ein Wasserfall und Mettwurst

Das Enderttal, auch Tal der wilden Endert genannt, ist für Wanderer ein Glücksfall. Wer dort unterwegs ist, läuft über Trampelpfade, sieht einen Wasserfall und kehrt zum Mittagessen in eine uralte Mühle ein. Auch Untrainierte haben gute Karten.

Wasserfall, Rausch, Enderttal

Wasserfall „Die Rausch,“ im Enderttal

Ein Wasserfall, schroffe Natur und eine unverlaufbare Wegeführung. Das Enderttal hat einen guten Ruf als Wanderrevier. Ein Glücksfall – nicht nur für alle, die ein zerklüftetes Tal mit felsigen Pfaden, viel Wald, Holzbrückchen und einer Reihe ehemaliger Mühlen erlaufen möchten. Sondern eben auch für jene, die keine Lust darauf haben, sich stundenlang unter Schweiß auf einen Weinberg oder Hügel zu quälen.

Auf dem Erlebnisweg „Tal der wilden Endert“ kann jeder was erleben – garantiert. Immerhin landetet der Wanderweg sogar schon beim alljährlichen Wettbewerb des Wandermagazins auf dem höchsten Siegertreppchen.

Per Abkürzung ins Enderttal

Der namensgebenden Bach ist unterwegs ein ständiger Begleiter. Er fließt von der Eifel bis in die Mosel nach Cochem durch das verschwiegene Tal. Da er in Ulmen entspringt, ist das Örtchen eigentlich auch der Ausgangspunkt der rund 22 Kilometer langen beliebten Route. Doch das Sahnestück beginnt ab Kilometer 12. Deshalb lassen viele die 1000 Jahre alte Burgruine und das Ulmer Maar links liegen und steigen am Kloster Maria Martental in den Erlebnisweg ein.

Das Kloster mit 800 Jahren Tradition liegt unmittelbar über dem Tal der Wilden Endert. Von dort schlängelt sich der 12 Kilometer lange Wanderweg gemächlich bergab bis nach Cochem am Endertbach entlang. Für Ruhe suchende Städter genau das Richtige. Doch so ein Fußmarsch kann mehr sein als Erholung für die Ohren. Da ist zum Beispiel auch die Freude darüber, die Tour überhaupt geschafft zu haben. Weil auf der Strecke noch nicht einmal 50 Höhenmeter bewältigt werden müssen, haben auch weniger ambitionierte Sportskanonen gute Karten.

Proviant kann man getrost zu Hause lassen. Denn unterwegs gibt es zwar lauschige Picknickplätze, aber auch gleich drei empfehlenswerte Einkehrstationen.

Gasthaus an der Wallfahrtskirche

Der Startpunkt am Kloster Martental bei Leienkaul ist vom Cochemer Endertplatz bequem mit der Linie 713 über Kaisersesch zu erreichen. Von der Bushaltestelle geht man zunächst die Straße hinab zur gleichnamigen Wallfahrtskirche. Und siehe da, schon hier gibt es das erste Gasthaus. Wer sich mit Devotionalien aller Art eindecken will, wird vielleicht im Klosterladen mit geheimen Öffnungszeiten fündig.

Wegweiser, Enderttal, Martental

Wegweiser an der Wallfahrtskirche Martental

Aber man ist ja nicht zum Shoppen, sondern zum Wandern her gekommen. Nur gut 500 Meter von der Kirche entfernt, offenbart der Wald Ausflüglern seinen ersten Zauber: Es ist der Wasserfall „Die Rausch“, ein Augenschmaus. Schon von Weitem ist zu hören, wie das Wasser des Sesterbachs etwa sieben Meter tief der Endert entgegen stürzt. Eine Brücke, wie sie romantischer kaum sein könnte, überspannt das kleine Spektakel. Tipp für den Sommer: Die Füße ins Wasser hängen und dem wilden Bach dabei zusehen, wie er über die dicken Steine hüpft.

Von dort leitet der Erlebnisweg mit seinen grün-weißen Markierungen  in Richtung Napoleonsbrücke. Nach der Überquerung der Landstraße zeigt sich das Enderttal dann endlich in seiner ganzen Schönheit. Gerade noch lief man auf Asphalt, doch schon wenige Minuten später wird es still und einsam.

Acht Mühlen am Endertbach

Über acht Kilometer bahnt sich nun der Pfad seinen Weg mal links und mal rechts entlang des kleinen Gewässers durch eine grüne Idylle. Manche Abschnitte sind mit Seilen gesichert. Er führt an Felsen vorbei, über Stege und Stufen und auf abenteuerlichen Brückchen über den Bach, an dem verstreut acht ehemaligen Mühlen liegen.

Früher verrichteten im abgeschiedenen Enderttal rund 30 Mühlen ihr Tagwerk. Sie heißen zum Beispiel Maxmehrmühle, Browels- oder Thönnesgensmühle. Der Alltag war damals beschwerlich. Heute klappert nichts mehr am rauschenden Bach. Zwar sind einige der alten Gebäude tipptopp renoviert, aber bewohnt und können deshalb nicht besichtigt werden.

Rasten in der Göbelsmühle

Doch etwa auf halber Strecke passiert man die Göbelsmühle – und sollte nicht einfach daran vorbeiwandern. Warum nicht? Weil das Kleinod seit mehr als 100 Jahren als Ausflugslokal bewirtschaftet wird. Wie schön. Unter Sonnenschirmen fläzen Wanderer in aller Seelenruhe am Endertbach. Doch auch ein Blick in die urige Mühlenstube lohnt sich. Geboten wird einfache Kost. Aber was braucht es an einem solchen Ort auch mehr als Kuchen, Mettwurst oder Mühlenbier?

Mehrere Brückchen sind auf dem nächsten verwunschenen Abschnitt zu überqueren, bis die ersten Häuser Cochem ankündigen. Nach der Schneidersmühle geht der schmale Pfad in einen breiten Waldweg über und führt zur letzten Mühle, der Weißmühle, die allerdings als solche nicht mehr erkennbar ist. Einen zweiten Blick wert ist jedoch die Spezialität im Restaurant des Neubaus: Forellen aus eigenen Teichen.

Ins Enderttal zu Onkel Willi

Von hier sind es noch knapp drei Kilometer bis nach Cochem, dem Ziel der Wanderung. Wer keine Lust mehr hat, nimmt halt den Bus. Die 450 Meter bis zur Haltestelle Winneburg sind auch mit vollem Bauch noch zu schaffen. Wer jeder noch etwas Aussicht tanken möchte, der baut einen Abstecher über die Cochemer Ritterrunde in die Tour mit ein.

Der Einstieg liegt an der L98, wenige Minuten von der Weißmühle entfernt. Der Pfad führt steil nach oben, belohnt aber mit einem grandiosen Blick auf die Ruine der Winneburg, Cochem und die Reichsburg. Mit der Sesselbahn geht’s wieder nach unten. Direkt gegenüber der Talstation liegt das Mosellandhotel Zum Onkel Willi – eine weitere beliebte kulinarische Adresse im Enderttal.