Die Hochmoselbrücke ist Deutschlands zweithöchste Brücke. Aber sie ist nur eine von acht beachtlichen Moselbrücken, die viel zu schade sind, um nur schnell drüber zu flitzen. Diese neun Bauwerke sind Sehenswürdigkeiten.
Sie sind der Stolz der Ingenieure und wichtig für die Mobilität in der Region. Insgesamt 107 Brücken spannen sich ab ab Neuves-Maisons über den schiffbaren Teil der Mosel, genau 51 sind es im deutschen Abschnitt zwischen Koblenz und Perl. Die Bauwerke verbinden Länder und Gemeinden miteinander, den Hunsrück mit der Eifel und somit auch die Menschen im Tal. Eigentlich.
Anders die neueste Moselbrücke, die nach acht Jahren Bauzeit seit 2019 den Fluss überspannt. Zwar schwärmen die einen von ihr als Wahrzeichen großartiger Ingenieurskunst, doch für die anderen ist sie vor allem ein Schandfleck in der idyllischen Bilderbuchlandschaft. Wohl kaum ein anderes Bauprojekt war so umstritten wie die Hochmoselbrücke zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig.
01 Die Hochmoselbrücke bei Zeltingen-Rachtig
Doch nun steht er da, dieser Brücken-Gigant der Superlative: Immerhin 1,7 Kilometer lang. Und mit 158 Meter so hoch, dass sogar das dritthöchste Kirchengebäude der Welt, der Kölner Dom (157 Meter), darunter Platz finden würde. Rekordhalter ist die neue Moselbrücke aber nicht: Hierzulande ist nur die Kochertalbrücke in Baden-Württemberg mit 185 Metern noch höher.
Die Fahrbahn ruht auf 10 Pfeilern, jeder davon rund 50 Meter tief in die Erde gerammt. Im August 2018 wurden 32.000 Tonnen Stahl im Zeitenlupentempo vom Hunsrück in Richtung Eifel über die Mosel geschoben und somit die letzten Brückenteile zusammengerückt. Ingenieure nebst Prominenz feierten den Brückenschlag, der bei Brücken so etwas wie das Richtfest ist.
Kosten: Knapp eine halbe Milliarde
175 Millionen Euro kostet allein die Hochmoselbrücke. Kosten des Gesamtprojekts: Rund 483 Millionen Euro. Denn die Brücke ist „nur” das Kernstück einer rund 25 Kilometer langen Neubaustrecke der B 50.
Die B 50neu, der sogenannte Hochmoselübergang, verläuft zunächst vom Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel in östliche Richtung. Gegenüber von Zeltingen-Rachtig wird die Straße dann durch einen 100 Meter langen Tunnel geführt, überquert via Hochmoselbrücke das Tal in Sichtweite von Ürzig, um schließlich vorbei an Longkamp im Hunsrück in die B 50 zu münden.
Eröffnung im November 2019
Mit dem Hochmoselübergang soll eine schnellere Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und den Benelux-Staaten geschaffen sein. Am 21. November 2019 rollten die ersten Autos über die gigantische Brücke. Aber vor der offiziellen Freigabe für den Verkehr wurde bei einem Bürgerfest auf der Hochmoselbrücke das Ende der Bauarbeiten gefeiert.
Und sie kamen zuhauf: Zig Tausende wollten über die Mega-Brücke zu laufen. Die Bilder dieser Bürgerfests der Superlative haben Geschichte geschrieben. Auch der neue Aussichts– und Rastplatz Moselblick wird gut angenommen. In der Form eines Bumerangs ragt der Panoramasteg aus der Landschaft heraus und bietet freie Sicht auf die Hochmoselbrücke.
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Übrigens: Im Vergleich mit der längsten Brücke der Welt wirkt die Hochmoselbrücke nahezu winzig. Denn die Große Danyang-Kunshan Brücke in China ist sage und schreibe 164,8 Kilometer lang.
02 Moselbrücke bei Lösnich und Erden
Über Jahrhunderte hinweg waren die Brücken in Trier und Koblenz die einzigen festen Mosel-Übergänge. 1874 wurde die erste feste Brücke in Bernkastel-Kues eingeweiht. Es folgten Bullay (1875) und Traben-Trarbach (1899). Um die andere Uferseite zu erreichen, waren die Menschen in den meisten Moselorten immer noch auf die kleinen Fähren angewiesen. Bei Wind und Wetter steuerten die Fährmänner die kleinen Gefährte hin und her.
Deshalb wurde der „Fährmann Hannes” im Mai 1968 zum Dank mit einem eigenen Schauspiel aus der Feder eines Erdener Bürgers bedacht. Denn von nun an benötigte man seine Dienste nicht mehr. Endlich konnte man die Mosel auch in Lösnich bei Erden zu Fuß überqueren.
Drei ganze Tage lang hat das Dorf mit den benachbarten Gemeinden die neue Brücke gefeiert. Und noch heute freuen sich Autofahrer, wenn sie von Lösnich über die Brücke die andere Uferseite ansteuern: Über den grandiosen Anblick der aufsteigenden Weinberge gegenüber.
03 Moseltalbrücke bei Winningen
Lange Zeit war die Winninger Moseltalbrücke mit 935 Meter Länge die größte und höchste aller Brücken am Fluss. Schnurgerade führt sie die A 61 in 136 Meter Höhe vom Hunsrück in Eifel.
Vater der Autobahnbrücke war der Stuttgarter Fritz Leonhardt, der mit dem Fernsehturm in seiner Heimatstadt neue Maßstäbe setzte. Auch die bis dahin größte Hängebrücke Europas in Köln-Rodenkirchen geht auf den einflussreichen Bauingenieur zurück. Genauso wie die Galata-Brücke in Istanbul und die Sachsenbrücke in Pirna.
Beliebter Aussichtspunkt
An der Mosel wurde 1969 der erste Spatenstich gesetzt, seit Dezember 1972 rauscht über der Spitzenlage Winninger Uhlen der Verkehr. 40 Millionen Mark hat der Bau damals gekostet. Und bis heute kommen Leute, um sich das technische Bauwerk zwischen Dieblich und Winningen von nahem anzusehen.
Am Aussichtspunkts Blumslay an der Autobahnraststätte Moseltal-West treffen Autofahrer auf Wanderer. Tatsächlich wird der Moselsteig durch die Autobahn nicht unterbrochen. Denn die Moseltalbrücke bietet eine Besonderheit: Unmittelbar unter dem Brückenkörper entlang führt ein Fußweg auf die andere Straßenseite.
Und wer das imposante Bauwerk von oben sehen möchte, checkt bei schönem Wetter am Flugplatz Koblenz-Winningen ein und schwebt mit einem Berufspiloten über die Brücke und Mosel.
04 Doppelstockbrücke in Bullay
Diese Moselbrücke ist ein einzigartiges Konstrukt: Seit 1879 verkehren auf der unteren Etage erst die Fuhrwerke und heute Autos, während auf der zweiten Etage Eisenbahnen rollen.
Die Doppelstockbrücke zwischen Bullay und Alf ist hierzulande die allererste ihrer Art und war Teil der legendären Kanonenbahnstrecke, die einst die preußische Hauptstadt Berlin mit Metz in Lothringen verband. Die Stadt an der Mosel gehörte damals zu Deutschland, da Frankreich das Gebiet Elsass-Lothringen nach dem Deutsch-Französischen Krieg abtreten musste.
Wer heute mit der Moselweinbahn nach Traben-Trarbach fährt, bekommt unterwegs gleich zwei Superlative historischer Eisenbahnarchitektur sehen: Zunächst die Doppelstockbrücke. Dann durchquert der Zug den 459 Meter langen Prinzenkopftunnel unter dem Aussichtsturm, um in Pünderich 768 Meter über Deutschlands längstes Hangviadukt zu donnern.
Eingezwängt zwischen Felsen und Fluss wurden unter Kaiser Wilhelm I. die 92 imposanten Gewölbebögen in den Weinberg gebaut. Heute gehören die Doppelstockbrücke und das Pündericher Viadukt zur Moselstrecke. Doch noch immer gilt dieser Abschnitt als eine der schönste Bahnstrecken im Land.
Tipp zum Wandern: Der Rundweg „Die Kanonenbahn – der eisenbahnhistorische Kulturweg Bullay-Reil” mit dem Prinzenkopfturm.
05 Hängebrücke in Wehlen
Auch Wehlen punktet mit einem Alleinstellungsmerkmal. Und zwar nicht nur mit einer beachtlichen Anzahl von Sonnenuhren im Dorf. Sondern auch mit seiner außergewöhnlichen Brücke, die die Ortschaft mit ihren Weinbergen am gegenüberliegenden Ufer verbindet.
Schon von Weitem ist die Golden Gate Bridge des kleinen Mannes auch bei Nebel gut zu erkennen. Anders als die leuchtend rote große Schwester in San Francisco hat, fügt sich die Wehlener Brücke in dezentem Grün in die Landschaft ein. Seit 1947 schlägt sie sich mit einer Gesamtlänge von 207 Metern über die Mosel.
Allerdings hatte Wehlen – damals eigenständig, inzwischen ein Stadtteil von Bernkastel-Kues – in der Vergangenheit reichlich Pech mit seinen Brücken. Tatsächlich ist dieser Blickfang bereits der dritte Übergang an selber Stelle.
Die erste Brücke wurde 1915 fertiggestellt, hielt aber schon drei Jahre später dem Hochwasser nicht stand und stürzte ein.
Und den Nachfolger von 1925 haben deutsche Truppen 1945 in die Luft gejagt. Die dritte Brücke, wie sie heute in Wehlen steht, haben die Winzer des Ortes mitfinanziert. 1949 wurde sie eingeweiht.
Planer der Brücke war der Regierungsbaumeister Fritz Leonhardt – wie auch bei der Winninger Brücke. In den 1990er Jahren musste sie rundumerneuert werden. Mit dem Prachtexemplar haben die Wehlener nun die einzige Hängebrücke an der Mosel.
06 Geierlay im Hunsrück
Schwindelfreie vor! Wer diese Brücke betritt, hängt im wahrsten Sinne des Wortes in den Seilen. In gut 100 Metern Höhe schwingt sich die kühne Konstruktion über das Mörsdorfer Bachtal.
Eigentlich verbinden Brücken dieser Art zwei Berge miteinander. Zum Beispiel in Nepal. Doch die Geierlay ist vor allem eine Attraktion: Die 360 Meter lange Hängeseilbrücke wurde ausschließlich dafür gebaut, um den Tourismus in der Hunsrück-Gemeinde Mörsdorf (etwa 15 Kilometer von Cochem entfernt) anzukurbeln.
Das ist auch gelungen: Inzwischen überquerten schon über 3.000 000 Menschen die Geierlay. Bis 2017 war sie die sogar die längste Hängeseilbrücke Deutschlands, dann ging dieser Rang an die Titan RT in Sachsen-Anhalt. Doch die Geierlay gehört immer noch zu den Top-Ausflugzielen in Rheinland-Pfalz.
07 Wahrzeichen von Traben-Trarbach
Im Jahre 1898 kam zusammen, was bis heute zusammen gehört: Der Berliner Bruno Möhring verband die noch bis 1904 eigenständigen Gemeinden Traben und Trarbach mit einer Bogenbrücke.
Als einer der bedeutendsten Architekten des Jugendstils entwarf der Baumeister auch die Rheinbrücke in Bonn, den Berliner Bülowbogen und die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in Dortmund. Es waren die goldenen Zeiten des Weinbaus. Damals rollte der Rubel in der berühmten Weinhandelsstadt. Wie man heute noch sieht, ließen sich Weinbauern und Händler von dem talentierten Baumeister aufwendige Jugendstil-Villen ans Moselufer setzen.
Auch für die neue Brücke gönnte man sich zur Krönung ein reich verziertes Brückentor.
Zwar wurde die ursprüngliche Bogenkonstruktion 1945 gesprengt und später durch eine unspektakuläre Zweckbrücke ersetzt. Aber das Trarbacher Brückentor mit den Trauben-Reliefs und dem tanzenden Winzerpaar in Lebensgröße blieb unversehrt erhalten.
Heute gilt es als Wahrzeichen der kleinen Stadt. Was die Glaskuppel des Reichstages für Berlin, das ist dieses Brückentor für Traben-Trarbach.
08 Die älteste aller Brücken in Trier
Wer rollte nicht schon alles über die 198 Meter lange Römerbrücke nach Trier: Ochsenkarren und Pferdefuhrwerke, Velos und erste knatternde Automobile. Vermutlich wurde sogar so mancher Prominente in einer Sänfte über die Mosel getragen.
Noch bis weit ins Mittelalter hinein war sie der einzige feste Flussübergang zwischen Koblenz und Metz. Tatsächlich ist die Römerbrücke sogar die älteste Brücke Deutschlands. Und noch heute verlassen sich etwa 14.000 Autofahrer pro Tag auf die Ingenieurskunst der antiken Römer.
Allerdings blieb nicht die komplette Brücke von damals erhalten. Denn über die Jahre wurde der Überbau einige Male neugestaltet, repariert oder verbreitert. Doch noch immer wird die Fahrbahn von fünf Originalpfeilern aus der Zeit um 150 nach Christus getragen.
Sehenswürdigkeit Römerbrücke
Grund genug, einmal genauer hinzusehen. Doch bislang steht die Römerbrücke im Schatten der Porta Nigra und vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Trier. Obwohl die Unesco auch dieses Bauwerk längst zum Weltkulturerbe erklärte.
Ein Tipp für Spezialisten: In der Nähe der Römerbrücke wurde schon im Jahr 17 v. Chr. eine Holzbrücke über die Mosel errichtet, von der noch Pfähle erhalten sind. Eine Scheibe dieser Pfähle ist im Rheinischen Landesmuseum in Trier ausgestellt.
09 Viadukt von Schengen
Bei Flusskilometer 241,96 überspannt ein Koloss die Mosel: Die Autobahnbrücke ist 607 Meter lang, 29 Meter breit und verbindet das saarländische Perl mit dem luxemburgischen Schengen.
Erbaut worden ist die Anlage, die aus zwei eigenständigen Brücken besteht, als deutsch-luxemburgisches Gemeinschaftsprojekt. Seit November 2002 rollt darüber der Verkehr. Heute überqueren täglich rund 30.000 Fahrzeuge das Bauwerk.

















