Die Römer haben nicht gekleckert, sondern geklotzt. Entlang der Mosel finden sich Dutzende Reste von Villen, Siedlungen, Kastellen oder Kelteranlagen. Bei so vielen Sehenswürdigkeiten kann man schnell den Überblick verlieren. Hier sind 14 Römerbauten, die es in sich haben.
Es waren die Römer, die das süße Leben an die Mosel brachten. Die Eroberer betrieben nicht nur Weinanbau auf hohem Standard – mit ihnen kamen hochkarätige Architektur und Lebenskunst über die Alpen. Zu einer Hochkultur zu gehören, brachte allerhand Annehmlichkeiten mit sich: Man vergnügte sich in Bädern, Theatern und bei Wagenrennen. Wer das nötige Kleingeld hatte, aß ausgewählte Speisen oder wohnte in komfortablen Villen mit Fußbodenheizung. In Sachen Ingenieurskunst stellten die Römer alles bisher Dagewesene in den Schatten.
Zwar zogen sich die Römer vor fast 1700 Jahren aus unseren Breiten zurück. Aber in Trier und entlang der Mosel finden sich noch heute bemerkenswert gut erhaltene römische Bauwerke, die man von innen besichtigen kann.
1 Prestigebau der Römer: Die Porta Nigra
Wahrzeichen der Stadt und weltberühmtes Aushängeschild der Mosel. Weltkulturerbestätte und eines der besterhaltenen römischen Stadttore überhaupt. Normalerweise werden Tore dieser Art als Schutz vor Feinden gebaut, doch dieses geht weit darüber hinaus. Tatsächlich war die Porta Nigra zu ihrer Entstehungszeit ein Angeber-Projekt.
Heute ist sie die Sehenswürdigkeit Nummer 1 in Trier. Doch längst nicht jeder weiß, welch kuriosen Wandel das Schwarze Tor seit der Antike erlebte. Denn die spannenden Details gibt die Porta Nigra erst bei einer Besichtigung des Inneren preis.
So spannend ist das Innere der Porta Nigra »
2 Schätze der Römer in Trier
Trier ist so reich an antiken Schätzen, dass man mehrere Tage braucht, um sie alle zu sehen. Hierzulande hat keine andere Stadt so viele Monumente der Römerzeit vorzuweisen. Sechs davon hat die Unesco zusammen mit der Igler Säuler und zwei christlichen Nachfolgebauten mit dem Weltkulturerbe-Siegel gewürdigt.
Da sind neben der Porta Nigra etwa die Barbarathermen, die Römerbrücke oder das Amphitheater. Über die Olewiger Straße gelangt man in die Arena, wo hohe Beamte oder Kaiser über Leben und Tod entschieden. Bis zu 20.000 Menschen saßen auf den Rängen, um sich an blutigen Kämpfen zu ergötzen. Ein Teil der Keller, wo Gladiatoren und Tiere auf ihren Auftritt warten mussten, ist noch heute begehbar.
Bei der Erlebnisführung „Der Gladiator Valerius” (erst für Kinder ab zehn Jahren zu empfehlen) berichtet ein als Römer verkleideter Schauspieler von den Kämpfen im Amphitheater.
Mit der Veranstaltung „Mythos Gladiator” bietet die ehemalige römischen Vergnügungsstätte Gruppen eine Besonderheit: Mit Schwert und Schild in die Hand, bekommen sie eine Ahnung davon, wie komplex der Gladiatorenkampf wirklich war.
Die besten Sehenswürdigkeiten in Trier»
3 Baden in den Kaiserthermen
Unterhaltung war fest verankert in der römischen Kultur. Wem nicht nach Kämpfen in der Arena oder nach Wagenrennen war, amüsierte sich in einer der öffentliche Badeanstalten.
Fast 20 Meter ragen die monumentalen Überreste der Kaiserthermen in die Höhe. Mäuerchen trennen die verschieden temperierten Räume voneinander. Unterirdisch wandert man durch schmale Gänge, wo Sklaven die Anlage mit riesigen Feuern beheizen sollten, während die reichen Römer in Marmorhallen baden, sich massieren lassen oder über das Weltgeschehen diskutieren wollten. Tatsächlich jedoch wurden die Therme niemals fertiggestellt.
4 Machtzentrum Konstantin-Basilika
Ab dem 3. Jahrhundert hielt der Kaiser Hof an der Mosel. Trier, das von nun an Treveris hieß, wurde sogar Hauptstadt der Praefectura Galliae. Ein Gebiet, das sich vom heutigen Großbritannien über Frankreich, Spanien und Portugal bis nach Marokko erstreckte.
In der Konstantin-Basilika bekommt man eine Ahnung von der imperialen Größe Roms. Sogar die Porta Nigra fände in ihr Platz. Tatsächlich war der monumentale Bau im 4. Jahrhundert die Audienzhalle der Kaiser, die damals in der Stadt residierten – und nicht wie heute die Hauptkirche der evangelischen Gemeinde. Auch dieser Römerbau trägt das UNESCO-Siegel.
5 Alter Weinkeller der Römer
Den römischen Vorfahren verdankt die Stadt nicht nur bauliche Sehenswürdigkeiten, sondern auch lukullische Genüsse: Der älteste Weinkeller Deutschlands geht auf die Römer zurück, war allerdings einst keiner. Um 330 n. Chr. wurde er als Kornspeicher und Lagerhalle, vermutlich auch für Wein, gebaut – oberirdisch. Dann häuften sich über die Jahrhunderte Schutt und neue Häuser darüber. Heute liegt der Keller fast vier Meter unter der Erde.
Seit Gründung des Stiftungsweingutes der Vereinigten Hospitien wird dort Wein ausgebaut und gelagert. Hinein kommt man bei einer Führung. Weinprobe inklusive.
6 So lebten die reichen Römer: Villa Borg
Salve! Die römische Villa Borg in der Gemeinde Perl zeigt, wie man sich das Leben der reichen Römer an der Mosel vorstellen kann. Zwar hatten die Bewohner das Anwesen um 400 n. Chr. aufgegeben, sodass sie verfiel. Doch die Anlage mit Tor- und Herrenhaus wurde so rekonstruiert, wie sie vor rund 2000 Jahren ausgesehen haben könnte. Nun können Besucher durch römische Gärten flanieren. Sogar das feudale Badehaus funktioniert wie früher.
Damals trug Mann oder Frau von Welt von schmuckvollen Nadeln gehaltene elegante Gewänder und ließ sich frische Austern liefern. Schalen- und Nadelfunde sind der Beweis. Schlemmen wie die alten Römer gefällig? Lukullus sei Dank, kommen in der Taverne der Villa Borg römische Speisen auf den Tisch. Ein Highlight ist alle zwei Jahre das große Römerfest am ersten Wochenende im August.
Römische Villa Borg, Im Meeswald 1, 66706 Perl-Borg
7 Römisches Mosaik in Nennig
Noch reicher ausgestattet als die Villa Borg war die nur wenige Kilometer entfernte römische Villa in Nennig. Das unscheinbare Haus in der Römerstraße hat es im Wortsinn in sich. Denn hinter der Fassade verbirgt sich der wohl bedeutendste Mosaikfußboden nördlich der Alpen, der einst die Empfangshalle schmückte.
Der aus dem dritten Jahrhundert stammende Teppich aus 3 Millionen Einzelsteinchen zeigt detaillierte Szenen aus dem Amphitheater wie Gladiatoren-Kämpfe. Es ist ein 160 Quadratmeter großer römischen Schatz, für den Besucher in Rom Schlange stehen würden. Nur wenige Kunstwerke dieser Art können am originalen Fundort besichtigt werden.
Römische Villa Nennig, Römerstraße 11, 66706 Perl-Nennig
8 Römische Villa Mehring
An der Römischen Weinstraße zählen der Römerkeller in Kenn, die (teils begehbare) Wasserleitung in Pölich und die Villa Urbana in Longuich zu den Sehenswürdigkeiten aus römischer Zeit. In der im 2. Jhdt. n. Chr. erbauten Villa lebte vermutlich einst ein höherer Beamte aus Trier. Die Räume der rekonstruierten Gebäude können nur bei einer Führung besichtigt werden.
Jederzeit zugänglich ist die Villa Rustica in Mehring. Allein die ursprüngliche Größe des Gebäudes mit über 25 Räumen gibt eine Ahnung vom Reichtum des römischen Besitzers. Tatsächlich gehörte es wohl einst zu den prächtigsten Herrenhöfen im Trierer Land. Allerdings wurde die Villa nur zum Teil rekonstruiert. Die Reste des luxuriösen Fußbodenmosaiks sind zu sehen, genauso wie Wände aus schwarzem Marmor. Öffentliche Toiletten gibt es dort auch — nicht aus der Römerzeit.
Römische Villa Mehring, in der Kirchheck, 54346 Mehring
9 Kelteranlagen in Piesport und Erden
In der Gegend um Bernkastel-Kues haben die Römer im großen Stil Weinbau betrieben. Davon zeugen die vielen antiken Kelteranlagen. Zum Beispiel in Brauneberg, gegenüber von Erden oder in Maring-Noviand.
Doch die größte Kelteranlage trat in Piesport zutage. Tiptop restauriert funktioniert das Relikt aus dem 4. Jahrhundert noch heute und kann bei einer Führung besichtigt werden.
10 Das Römerschiff Stella Noviomagi
Schon die Römer waren mit ihren Galeeren auf der Mosel unterwegs. Wer sich einen Eindruck davon machen möchte, dem sei ein Ausflug nach Neumagen-Dhron empfohlen. Denn dort liegt das originalgetreu rekonstruierte Weinschiff Stella Noviomagi vor Anker, mit dem man auf Moselreise gehen kann.
Keine Sorge: Selber rudern steht nicht auf dem Programm. Angetrieben von zwei Dieselmotoren, werden die Passage an Bord komfortabel über den Fluss getragen.
Auf Mosel-Fahrt wie die Römer»
11 Kastell der Römer in der Burg Landshut
Die Burgruine Landshut in Bernkastel-Kues bekommt schon immer viel Besuch. Immerhin bietet ihr Bergfried eine tolle Aussicht über die Mosel. Der englische Maler William Turner hat sie gleich mehrmals gemalt. Doch vor einigen Jahren kamen bei Bauarbeiten zufällig die Reste einer Höhenbefestigung aus der Epoche Kaiser Konstantins zutage.
Deshalb wurde die Burg picobello saniert, um das römische Erbe in Szene zu setzen. Dabei herausgekommen ist ein Ausflugsziel mit Restaurant, das man schon wegen der Aussicht jedem nur ans Herzen legen kann.
12 Doppelgrabkammer in Nehren
Auch über den Tod hinaus setzte die römische Elite auf Luxus und Prestige. Kostbare Vasen, Schmuck oder Schalen gaben sie ihren Verstorbenen mit auf ihre letzte Reise ins Jenseits. Etwa Kunstwerke wie das Diatretglas, das man in einem Sarkophag in Piesport fand. Oder das blaue Glasschiff aus dem Steinkammergrab in St. Aldegund. Weltweit fanden Archäologen bisher nur fünf ähnliche Boote.
Von der Bestattungskultur der Römer künden zahlreiche Grabanlagen im Moseltal. Selten sind sie jedoch so gut erhalten wie in Nehren, wo heute zwei römische Totentempel in der Weinlage Römerberg stehen.
Die beiden Tempelchen wurden zwar rekonstruiert. Doch die Wandermalereien in der linken Grabkammer blieben tatsächlich im Original bis heute erhalten. Man kann sie durch ein kleines Fenster in der Tür betrachten.
13 Römer und Kelten auf dem Martberg
Zwar haben schon Kelten auf dem Martberg bei Pommern eine Siedlung mit einem Bergheiligtum gebaut. Doch auch nach der römischen Eroberung behielt der Tempel zunächst seine Bedeutung.
Die mitunter kuriosen Ausgrabungsfunde werden heute im Stiftsmuseum von Treis-Karden gezeigt. Doch die rekonstruierte Tempelanlage auf dem Tafelberg ist ein attraktives Ausflugsziel geblieben. Denn im Martberg Café warten Wein, Kaffee und Kuchen. Vor allem herrscht auf dem Tafelberg noch heute eine göttliche Atmosphäre.
Auf dem Berg bei den Göttern »
14 Römischer Tempelbezirk Tawern
Durch Tawern, gelegen zwischen Saarburg und Trier, führte einst eine wichtige römische Straße. Um die Götter gewogen zu stimmen, haben die Menschen am Wegesrand ein Heiligtum gebaut. Etwa in der Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. wurden auf dem Metzenberg zunächst die Opferstätte und später einen Tempel errichtet. Vor allem Merkur, der Gott des Gewerbes, des Handels und des Verkehrs, wurde dort bis ins 4. Jahrhundert verehrt.
Das Landesmuseum Trier hat den Tempelbezirk ausgegraben und zum Teil auf den Grundmauern rekonstruiert. Heute kann er jederzeit bei freiem Eintritt besichtigt werden – sogar in Begleitung des digitalen Gottes Merkur. Am Eingang des Tempels befindet sich ein QR-Code, der auf die Seite einer 30-minütigen Audioführung leitet.
Der Weg zum Parkplatz ist im ganzen Ort ausgeschildert. Von dort ist der Komplex nur zu Fuß bergauf durch den Wald in etwa 15 Minuten zu erreichen.












