Hängebrücke Geierlay: Über diese Brücke musst du gehen

Im Hunsrück ist etwas Spektakuläres entstanden: die wohl schönste Hängebrücke Deutschlands. Auf der Geierlay kann man in 100 Metern Höhe über ein Seitental der Mosel spazieren. Ein Abenteuer für alle, die schwindelfrei sind.

Hängebrücke, Geierlay, Hunsrück

Abenteuer im Hunsrück: Schon über 700.000 Besucher haben die Hängebrücke getestet.

Normalerweise geht es in Mörsdorf eher beschaulich zu. 600 Einwohner, eine Zwergschule, zum Großeinkauf fahren die Mörsdorfer in die Stadt. Denn die Gemeinde liegt abgelegen im Hunsrück, rund 15 Kilometer von Cochem und Remmidemmi entfernt.

Das ist zwar nicht gerade am Arsch der Welt, doch man kann ihn von hier aus schon sehen. Wer Ruhe in der Abgeschiedenheit sucht, ist in Mörsdorf also normalerweise goldrichtig. 

Doch dann waren plötzlich Park-Einweiser nötig, um den Verkehr am Wochenende in den Griff zu bekommen. Denn seit Oktober 2015 kann man hier rund 100 Meter über einem Seitental der Mosel spazieren: Die Hängeseilbrücke Geierlay brach alle erwarteten Besucher-Rekorde.

Touristenmagnet Hängebrücke

November 2015. Wir parken am Besucherzentrum und folgen zu Fuß dem Hinweisschild „Hängeseilbrücke Geierlay”. Doch schon an der nächsten Kreuzung wissen wir nicht mehr weiter. „Das kann doch jetzt nicht immer so weitergehen”, sagt eine Frau am Straßenrand zu ihrem Begleiter mit Blick auf die vielen Touristen. Offenbar eine Anwohnerin.

Hängebrücke, Geierlay, Hunsrück

Das Besucherzentrum der Hängebrücke.

Ich frage lieber eine andere Passantin, wo es lang geht. „Erst rechts, dann links, dann folgen Sie einfach den Menschenmassen”, klärt eine freundliche Mörsdorferin auf.

‚Über diese Brücke musst Du gehen’ lautet der Werbe-Slogan und gefühlt die halbe Welt nimmt ihn wörtlich. Allein in den ersten drei Wochen nach der Eröffnung strömten rund 45 000 Menschen in den einsamen Hunsrück. 

Webcam sendet ins Internet

Bis zum Jahresende zählte die Webcam am Brückenkopf schon über 100 000 Besucher. Jede Minute schickt die Kamera mit integriertem Zählwerk ein neues Bild auf die Website der Hängeseilbrücke.

Wagemutige aus ganz Deutschland, Frankreich, Holland und England fallen in die kleine Gemeinde ein. Mörsdorf – eine Art Wacken im Hunsrück.

Hängebrücke, Geierlay, Hunsrück

Die Karawane zieht zur Hängebrücke.

Hinter einer Kurve entdecken wir die Massen auch schon. Wir schließen uns der Karawane an und laufen über einen etwa 1,5 Kilometer langen Feldweg in Richtung Wald. Unterwegs informieren Schilder über Windkraft und die Hunsrück-Landschaft. Sehr nett gemacht. Liest allerdings kein Mensch. Denn alle wollen so schnell wie möglich zur Brücke.

Eine Brücke wie im Hochgebirge

Und dann steht sie plötzlich da und sieht einfach toll aus. Nach dem Vorbild nepalesischer Hängeseilbrücken schwingt sich die Geierlay von einem Brückenkopf zum anderen. Immerhin 360 Meter gilt es zu überwinden von Mörsdorf nach Sosberg am anderen Ende der imposanten Stahl-Holz-Konstruktion.

Überall stehen Leute herum. Einige fachsimpeln über die Technik, manche verkünden, dass sie keinesfalls einen Fuß auf die Holzplanken setzen werden. Aber alle sind begeistert von der Hängebrücke.

Hängeseilbrücke, Hunsrück

Wandern mit Gegenverkehr. Wer stehen bleibt, macht sich unbeliebt.

Eine Menschenmenge drängelt sich wie auf einer Ameisenstraße über das imposante Bauwerk. Wir reihen uns ein. Die Hängebrücke wackelt unter den Füßen. „Das wird noch schlimmer”, verspricht mir ein entgegenkommender Mann mit blassem Gesicht.

Ich stapfe weiter. Die Brücke schwankt. Ein Mann hintern mir spekuliert nervös (und vor allem laut) über Anzahl der Besucher und wie viele Menschen die Brücke wohl trägt. Mir wird mir komisch.

Die Geierlay hält 50 Tonnen Maximallast aus, versichere ich mir. So stand es im Netz. Das entspricht etwa 600 Personen mit einem Durchschnittsgewicht von 80 Kilo. So viele passen wahrscheinlich überhaupt nicht gleichzeitig drauf.

Hängebrücke, Geierlay, Hunsrück

Hunderte schieben sich über die Hängebrücke.

Tatsächlich kann das Bauwerk sogar Windstärken bis zu 200 Stundenkilometern verkraften. Allerdings will vermutlich niemand bei solchen Böen auf einer Hängeseilbrücke stehen.

Tapfer mache ich weitere Schritte – bis die Brücke wieder wackelt. „Keine Sorge, die stammt nicht aus China”, versichert eine Passantin lachend ihrer Begleiterin.

Genau, die Geierlay ist eine sichere Sache, hier waren Schweizer Spezialisten am Werk! Immerhin 25 Meter tief stecken die Fundamente der beiden Brückenköpfe im Felsen. Zudem ist die Konstruktion mit Sicherungen versehen, so dass sie gar nicht stark schwanken kann. 

Kein Eintritt, viel Adrenalin

In nur sechs Monaten wurde dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst gebaut. Kostenpunkt: 1,2 Millionen. Dafür können Besucher nun an 365 Tagen im Jahr die  Brücke ohne einen Cent Eintritt zu zahlen überqueren. Auch Hunde dürfen mit – wenn sie sich trauen.

Hängebrücke, Hunsrück, Geierlay

Viele wandern zur Geierlay

Denn eins ist klar: Bei der Passage über die etwa einen Meter breite Brücke kommt Abenteuer-Atmosphäre auf. Der Adrenalinkick ist gewiss.

Auch deshalb hat sich Mörsdorf im Hunsrück zu einem beliebten Ausflugziel entwickelt: Im Schnitt beschreiten täglich fünfhundert Wanderer die Hängebrücke. Bis Dezember 2018 hat die Webcam insgesamt 800.000 Menschen gezählt. 

Rundweg für Wanderer

Viele verbinden ihren Ausflug in luftige Höhen mit einer Wanderung. Rund um die Geierlay finden sie verschiedene Rundwege zwischen drei und 14 Kilometer Länge.

Der Klassiker ist die knapp sechs Kilometer lange Geierlayschleife: Der Rundweg führt vom Besucherzentrum über die Hängeseilbrücke und auf dem Saar-Hunsrück-Steig wieder zurück.

Wer unter Höhenangst leidet und sich nicht über die Brücke traut, hat jederzeit die Möglichkeit über eine Abkürzung wieder an den Ausgangspunkt zu gelangen. Ich jedenfalls feiere den Moment als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Übrigens: An der Mosel gibt es noch mehr spannende Brücken zum Drüberlaufen, -fahren oder zum Gucken. Wo es lang geht, steht hier: Klick

 

Hängeseilbrücke, Hunsrück, Mörsdorf

Übers Feld geht’s zurück ins Dorf. Fotos: Jörg Haubrich

 

Anfahrt, Adresse, Parken

Adresse: Besucherzentrum Geierlay
Kastellauner Straße 23
56290 Mörsdorf
www.geierlay.de

Anfahrt ab A61: Abfahrt Pfalzfeld Richtung B327 Hunsrückhöhenstraße – Richtung Kastellaun / Hermeskeil ab Kastellaun der Beschilderung nach Mörsdorf folgen

Anfahrt ab A48: Abfahrt Kaifenheim – Richtung Treis-Karden. In Treis-Karden ab Moselbrücke Beschilderung nach Blankenrath / Kirchberg über Moselallee folgen. Nach Kloster Engelport im Flaumbachtal halblinks Richtung Mörsdorf

Parken am Besucherzentrum: Gebührenpflichtige Parkzeit  von 6 bis 22 Uhr. Erste 2 Stunden 4 €, danach jede weiteren 15 Minuten 0,50 €.

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