Bernkasteler Schweiz: Wer hat‘s erfunden?

Natürlich sucht man Gletscher und Seilbahnen vergebens in der Bernkasteler Schweiz. Schließlich misst die höchste Erhebung gerademal 420 Meter. Ihrem Namen macht die zauberhafte Gegend dennoch alle Ehre. 

Bernkasteler Schweiz, Bernkastel

Ausblick auf die Burg Landshut

Steil fallen die Hänge rechts und links bis an die Landstraße hinab. Bergkuppen drängen sich dicht aneinander, die höchsten Spitzen ragen kahl in den hellblauen Himmel hinein.

Ein Tal, eine Schlucht, romantische Brückchen. Was die Bergwelt unseres benachbarten Alpenlandes prägt, gibt es hier an der Mosel im Klitzekleinen.

Schon seit Jahrhunderten werden rund um den Globus besonders attraktive Landschaften mit dem Zusatz „Schweiz” geadelt. Den Anfang machten Reisende in der Romantik, dann zogen die Touristiker nach.

Bernkasteler Schweiz, Bernkastel

Unterwegs in der Bernkasteler Schweiz

Allein in Deutschland hat die Marketingorganisation Schweiz Tourismus 105 solcher Gebiete und Regionen gezählt. Tatsächlich gibt es nirgendwo sonst so viele Schweizen.

Die berühmtesten davon sind bestimmt die Fränkische, die Sächsische und die Holsteinische Schweiz. 

Die Bernkasteler Schweiz ist eine unbekannte Verwandte.

Wer sie erlaufen möchte, was man jedem nur ans Herz legen kann, dem sei zum Beispiel der Einstieg an der Straße in Richtung Longkamp empfohlen.

Bernkasteler Schweiz, Bernkastel

Ein Hügel in der Bernkasteler Schweiz

Etwa drei Kilometer von der Bernkastler Altstadt entfernt, weist dort ein Schild gegenüber der „Bärenhalde”, einem Zeltplatz, in den Wald. 

Steile Serpentinenpfade führen zu Panoramaplätzen und historischen Örtchen, die von den Einheimischen vergangener Tage erzählen.

Da ist zum Beispiel der Felsen Bresgensruh, benannt nach einem ehemaligen Bernkasteler Amtsgerichtsrat, mit einer Fernsicht über die Wipfel. Und ganz weit hinten lugt die Ruine der Burg Landshut hervor. 

Bernkasteler Schweiz, Goldenes Kreuz

Das Goldene Kreuz

Auf einem Schieferfelsen glitzert das Goldene Kreuz. Man erzählt, ein Handwerker aus Bernkastel habe es geschreinert und hinauf auf den Berg geschleppt.

Der anstrengende Aufstieg hat sich gelohnt – und er lohnt sich noch immer. Die Ausblicke in der Bernkasteler Schweiz sind einmalig.

Überall stehen Bänke zum Ausruhen parat. Man passiert lauschige Ecken und entdeckt so allerhand. Zum Beispiel eine Schutzhütte mit dem kuriosen Namens Kaiserstuhl und ein ausgedientes Stromhaus steht hier auch.  

Bernkasteler Schweiz, Stromhaus

Ein altes Stromhäuschen

Ein kleiner Pfad in Richtung Tiefenbachtal führt am sogenannten  „Steinernen Kreuz” vorbei. Aufgestellt wurde es im Jahr 1747 vom Longkamper Pastor Stephan Schönes. Das ist bekannt.

Dass man ganz in der Nähe einen bezaubernden Wasserfall besichtigen kann, hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen.

Doch auch das gibt es in der Bernkasteler Schweiz.

Das kleine Naturschauspiel versteckt sich unterhalb der Auffahrtsstraße, die zur Burgruine Landshut führt. Dort balanciert auf einem Felsen die winzige Maria-Hilf-Kapelle.

Im Volksmund hieß dieser Fels von jeher „det Hinkel”. Allerdings wurde der Artikel im Laufe der Jahre verschluckt, so dass heute alle vom Tinkeler Heiligenhäuschen sprechen. 

Tinkeler Heiligenhäuschen, Bernkastel

Das Tinkeler Heiligenhäuschen aus dem 18. Jahrhundert

Ein paar Schritte davon entfernt, weist ein Schild zum Wasserfall bergab durch den Wald. Schon von weitem hört man das Rauschen. Natürlich sind es nicht die Niagarafälle, aber im Gegensatz zu diesen eben auch so gut wie unberührt.

Und dann steht man plötzlich staunend auf dem Grund dieser wildromantischen Schlucht und fragt sich, wie die Natur so etwas Wundervolles bloß hinbekommen hat:

Aus vier Metern Höhe stürzt sich der Tiefenbach eine Felswand herab und fließt weiter durch einen Wald voller Farne.

Wasserfall, Bernkastel

Der Wasserfall in Bernkastel

An den vielen Stufen im Felsen ist deutlich zu erkennen, wie sich das Wasser im Laufe der Jahrtausende Millimeter für Millimeter eine Schneise in das Schiefergestein gegraben hat.

Der Wasserfall ist ein echter Hingucker, nein ein Kleinod. Das übrigens nicht an dieser Stelle endet. Einige hundert Meter weiter bildet das wilde Bächlein einen weiteren Wasserfall. Es ist einfach schön in der winzigen Bernkasteler Schweiz.

 

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