12 Entdecker-Tipps für Pünderich

Was macht den Moselort Pünderich besonders? Wer hinfährt, entdeckt: Eine der wenigen Fähren, Eisenbahn-Romantik und das mysteriöse Riesling-Kartell. 12 Tipps.

Reiler Hals, Aussicht, Pünderich

Aussicht vom Reiler Hals.

1 Pünderich liegt etwa auf halber Strecke zwischen Koblenz Trier. Die moselaufwärts nächsten Orte sind Reil, Burg und Enkirch, moselabwärts folgen Briedel und Zell. Der Weinort rühmt sich mit bestens restaurierten Fachwerkhäusern. Doch der rund 1000-Einwohner-Ort liegt in einer der Moselschleifen, die man sich am besten von Bergen herab anschaut.

Ein gutes Panorama bietet etwa der Aussichtspunkt am Reiler Hals, den man über die Bergstraße im benachbarten Reil erreicht. Da setzt man sich auf eine Bank und guckt hinunter ins Tal.

Von dort aus ist die Marienburg in der Ferne gut zu sehen. Der Blick schweift über das historische Eisenbahnviadukt. Davor glitzert die Mosel und daneben breitet sich Pünderich umgeben von Wiesen und Felder aus. Kein Durchgangsverkehr stört die Idylle.

Pünderich, Fachwerkhaus

Fachwerk vom Feinsten.

Sehenswürdigkeiten in Pünderich

2 Die Sehenswürdigkeit Numero Uno ist natürlich Pünderich selbst. Immerhin glänzt der historische Ortskern mit einer ganzen Reihe liebevoll restaurierter Fachwerkhäusern. In den Gassen sind Bauten vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhundert zu sehen.

Direkt an der Moselpromenade zeigt der Ort seine Schokoladenseite: Das Ensemble aus altem Fährhaus und gotischem Rathaus mit der Pünderich-Schrift ist das typische Postkartenmotiv. 

Pünderich, Mosel, Fährhaus

Das alte Fährhaus und Rathaus.

3 Die barocke Maria-Himmelfahrts-Kirche beherbergt eine Orgel aus der Werkstatt der Hunsrücker Familie Stumm, eine der berühmtesten Orgelbauerdynastien Deutschlands. Wer im richtigen Moment dort ist, kann dem Pündericher Schriftsteller Peter Friesenhahn beim Spielen zuhören. 

4 Da sind auch das alte Backes, das Backhaus, oder die ehemaligen Brunnen, die vom früheren Alltag in Pünderich erzählen. Wer die Geschichten dazu hören will, meldet sich bei der Tourist-Info für eine Dorfführung mit einem echten „Gesetzeskrämer” an.

So werden die Pündericher Bürger und Bürgerinnen von den Nachbardörfern genannt. Vermutlich deshalb, weil sie es schon immer sehr genau mit den Vorschriften halten. Tatsächlich hatten die Pündericher schon 1618 ein geschriebenes Dorfrecht wie es nur wenige derzeit gab. Von Bauvorschriften bis hin zu Strafen für Fehlverhalten war darin tatsächlich alles geregelt. 

Wandern entlang der Kanonenbahn

5 Wer hierher kommt, muss eine Wanderung machen. Vielleicht zur Burg Arras in Alf. Oder nach Briedel über den „Bummkopf“, die mit 421 Metern höchste Erhebung der Gegend. Vielleicht auch auf dem Eisenbahnhistorischen Kulturweg „Die Kanonenbahn”.

6 Ein nettes Wanderziel am Wochenende ist auch die Drieschhütte – oder besser bekannt als Siggis Wandertreff. Die Einkehrstation thront in bester Lage am gegenüberliegenden Moselufer oberhalb des Hangviaduktes.

Mosel, Kanonenbahn, Hangviadukt

Die Moselweinbahn auf dem Hangviadukt

Das gewaltige Bauwerk ist mit 786 Metern hierzulande das Längste seiner Art und ein echtes Mosel-Produkt. Denn es wurde 1880 mit Bruchsteinen aus dem örtlichen Steinbruch und Kalk aus Nennig gebaut. Die Backsteine stammen teils aus einer Ziegelei in Merl und der Sand aus der Mosel. So steht es auf der bestens gepflegten Pündericher Homepage. 

7 Bis heute rattert der Zug über die 97 Bögen an Pünderich vorbei. Wer mitfahren will, kann in die Moselweinbahn steigen. Denn sie pendelt regelmäßig zwischen den Bahnhöfen in Bullay und Traben-Trarbach

Tipp für Nostalgiker oder Eisenbahnfans: Gelegentlich verkehren Dampfloksonderzüge auf der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier. Infos gibt’s zum Beispiel unter www.nostalgiezugreisen.de oder www.historische-eisenbahn-frankfurt.de.

Mit der Fähre zur Marienburg

Fähre, Mosel, Pünderich

Die Fähre. Auf dem Hügel die Marienburg.

8 Eine kleine Fähre verbindet Pünderich mit dem Petersberg auf der gegenüberliegenden Moselseite. Vom Anleger am Pündericher Campingplatz setzten aber nicht nur Reisende über. Auch Autos, Motorräder und Traktoren fahren mit. Denn das Wassergefährt wird auch von Winzern genutzt, um ihre die Weinberge in der Lage „Pündericher Marienburg“ bewirtschaften zu können.

9 Am anderen Ufer angekommen führt ein Weinlehrpfad über Stufen und gewundene Pfade bis zur Marienburg hinauf. Die Lage des ehemaligen Augustinnerklosters ist einzigartig. Steht es doch auf einem schmalen Grat, der sich als Halbinsel über die Mosel erhebt. 

Bullay, Mosel, Marienburg

Blick auf die Marienburg.

Das Augustinerinnenkloster wurde 1515 aufgelöst und in eine Befestigungsanlage umgewandelt. Heute beherbergt das Gebäude eine Jugendbildungsstätte mit Gäste- und Tagungshaus. Doch die bequemen Liegebänke auf der Terrasse darf jeder nutzen, um die Aussicht auf die Landschaft zu genießen.

10 Noch höher hinaus geht es auf dem rund 700 Meter entfernten Prinzenkopfturm. Vor der Plattform der Konstruktion eröffnet sich ein einzigartiger Blick über die Mosel bis in die Eifel und die Hunsrückhöhen. Auf der einen Seite sieht man Pünderich mit dem Hangviadukt, auf der anderen Bullay mit der Doppelstockbrücke.

Zwar liegen  die beiden Orte gerade mal gut 500 Meter Luftlinie von einander entfernt. Aber die Mosel legt eine Strecke von etwa 13 Kilometern zurück. Der sogenannte Zeller Hamm ist die wohl spektakulärste und engste Moselschleife.

Prinzenkopf, Pünderich

Blick vom Prinzenkopfturm

Weinfeste satt in Pünderich

11 Die vielen Eindrücke kann am besten in einer der vielen Straußwirtschaften der Weingüter im Ort verarbeiten. Fun fact: Die Familie Dahm eröffnete 1982 die erste im Ort.

12 Und natürlich feiern die Pündericher auch ihren Wein. Etwa bei Straßenweinfesten im Mai und September. Oder bei der  Weinkirmes Ende August.

Ein Event sticht aus dem Veranstaltungskalender heraus. Und zwar die Party des berüchtigten Riesling-Kartell. Tatsächlich streben die sechs Mitglieder nicht weniger als die Monopolisierung des Weinmarktes und die Weltherrschaft an. 

Riesling-Kartell, Pünderich, Mosel

Das Riesling-Kartell.

Hinter der unkonventionellen Idee stehen die Pündericher Winzer Tobias Dahm, Johannes Busch, Nico Simonis, Dominik Busch, Matthias Lay und Markus Busch. Ihr Cuvée wurde vom Deutschen Weininstituts als „Germany’s coolest Wine” ausgezeichnet. Neben dem Kartell-Wein hat jeder des Sextetts noch eine eigene Edition.

Um ihre verboten guten Weine zu präsentieren, rufen sie immer am dritten Juli-Wochenende zur Party „Freigang” am Pündericher Moselufer. Und was sagen die Gesetzeskrämer dazu? Die feiern natürlich mit.