Schloss Veldenz: Ritterromantik und ein teuflisches Werkzeug

Abseits der Touristenpfade rapunzelt Schloss Veldenz vor sich hin. Denn öffentlich zugänglich ist das Gemäuer nicht. Doch immer mittwochs öffnet Besitzer Gilbert Haufs-Brusberg das Tor und zeigt, wie unterhaltsam Geschichte sein kann.

Veldenz, Mosel, Rundwanderweg

Das Schloss Veldenz über Thalveldenz

Am Rande eines der schönsten Seitentäler, das die Mosel vor Millionen von Jahren geschaffen hat, eröffnet sich ein Tal wie aus dem Märchen. Unten quetscht sich Thalveldenz, ein Ortsteil von Veldenz, zwischen die Hügel. Und oben klammert sich eine verwunschene Ruine in den Fels.

Zwar nur neun Kilometer von Bernkastel-Kues entfernt, rapunzelt Schloss Veldenz meist unbehelligt von Touristen vor sich hin. Denn wer vom Marienkapellchen im Tal über den alten Burgweg hinauf zum Schloss läuft, steht meist enttäuscht vor verschlossenem Tor.

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Schlossherr Gilbert Haufs-Brusberg

Von den Truppen des französischen Sonnenkönigs zerstört, gelangte die Ruine 1807 unter napoleonischer Herrschaft in Privatbesitz. Seit 1995 sind Christa und Gilbert Haufs-Brusberg aus Trier die Besitzer. Die Familie hat das Schloss gekauft, nach und nach eingerichtet und bietet burgenverliebten Gruppen und jungen Menschen für Jugendfreizeiten Unterkunft. 

Armsheim gehörte zur Grafschaft

Doch ab dem 12. Jahrhundert, residierten die Grafen von Veldenz in dieser Spitzenpostion über dem Tal. Deren Reich erstreckte sich von den Hunsrückbergen bis weit in die Vogesen hinein.

Schloss Veldenz, Aussicht, Thalveldenz

Aussicht auf Thalveldenz

Zur Grafschaft zählten neben Veldenz etwa Armsheim, Lauterecken und Kusel. Ebenso die Hälfte der benachbarten Grafschaft Sponheim gehörte dazu. Und mit dem Veldenzer Taler gab es sogar eine eigene Währung.

Und warum wird die Stammburg der Grafen Schloss Veldenz genannt? Vielleicht weil die Anlage die größte aller Burgen an der Mittelmosel war. Vermutlich dient die Bezeichnung aber auch als Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Burg Veldenz im saarländischen Nohfelden.

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Nur mittwochs geöffnet. Der Eingang zum Schloss.

Jederzeit öffentlich zugänglich ist die Ruine zwar nicht. Doch einmal pro Woche öffnet der Schlossherr das Tor, um Interessierten sein charmantes Gemäuer zu zeigen. Von der einstigen Burg wurden nur wenige Gebäude wieder aufgebaut. Umso erstaunlicher, was man bei einer Führung so alles zu sehen bekommt.

Besichtigung mit Besitzer

Etwa das über 500 Kilo schwere Eichen-Eingangstor, das die Bewohner über die Jahrhunderte hinweg vor Eindringlingen schützte. Und eine wundertätige Madonna, die der Schlossherr als Ersatz für eine verloren gegangene Skulptur von einer Künstlerin für die ehemalige Kapelle anfertigen ließ.

Veldenzer Taler, Grafschaft, Veldenz

Der Veldenzer Taler wurde vom Euro abgelöst.

Natürlich auch tolle Fernsichten über Landschaft und Tal. Und die Währung der früheren Grafschaft wird auch gezeigt, ein silberner Veldenzer Taler.

Von der hohen Warte des Aussichtsturms überblickt man die Überreste des mächtigen Palas, der Wohnung der Grafen. Und dort wo sich ursprünglich der viereckige Bergfried befunden haben soll, steht heute ein kleines Wohngebäude mit Terrasse der Familie Haufs-Brusberg.

Schloss Veldenz, Ruine, Mosel

Die Ruine von Schloss Veldenz

Im Haus linker Hand ist der Rittersaal untergebracht. Ein echtes Schmuckstück mit historischem Interieur. Die schweren Eichentische mit Bänken und Fellen, die Ritterrüstungen und Truhen sowie der große Kamin, versprühen Mittelalter-Flair.

Heute werden in dem Saal Burgfeste gefeiert. Zudem dient er als Spielstätte dem Moselmusikfestival.

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Der Rittersaal

Eine Ahnengalerie zeigt die Wittelsbacher Fürsten des Fürstentums Pfalz-Veldenz. Da ist Ruprecht, genannt „Der Veldenzer”, zu sehen oder Leopold Ludwig „Der Letzte”. Zudem Graf Georg Johannes I., der von 1543 bis 1592 regierte.

Graf Georg Johannes als Herrscher

Von dem „Scharfsinnigen” haben viele schon gehört. Denn er wurde durch die Vermählung mit der reichen Prinzessin Anna Maria Wasa so bekannt, dass die Nachwelt einen prämierten Rundwanderweg durch Veldenz nach ihm benannte.

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Der Kamin im Rittersaal

Er wird als intelligenter, aber lebensfremder Träumer beschrieben. Vor allem hatte er kostspielige Visionen wie etwa ein Kanalprojekt, die Gründung einer protestantischen Fluchtburg oder Reichsadmiral werden zu wollen.

Die gewaltige Summe von 300.000 Gulden hatte seine Frau mit in die Ehe gebracht. Doch als der Graf starb, musste seine Witwe zu Verwandten ziehen, um seine Schulden tilgen zu können.

Graf Georg Johannes, Veldenz

Porträt Graf Georg Johannes, der Scharfsinnige

Ausgestellt sind zudem originale Fundstücke. Und die Kanone, die zuletzt über das Schicksal des Schlosses entschied, wird als Replik sogar gelegentlich mit viel Schwarzpulver abgefeuert.

Die Blide von Schloss Veldenz

Ein besonderes Exponat ist das „teuflische Werkzeug”. Bei der Führung demonstriert der Schlossherr, mit Hilfe eines Gastes, wie die fünf Meter hohe Steinschleuder funktioniert. Die sogenannte Blide namens Severine hat er selbst 2001 von der Mittelaltertruppe Compagnie du Ravin aus Sedan nachbauen lassen.

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Die sogenannte Blide

Doch das ganz große Kino haben Besucher in der Vergangenheit am „Tag des offenen Denkmals” erlebt. Denn mit dem Geschoss wurden dicke Wassermelonen über 300 Meter weit durch die Gegend geschleudert. 

Gilbert Haufs-Brusberg, der zuletzt wie ein echter Ritter hoch zu Pferd nach Santiago de Compostela ritt, zeigt, wie unterhaltsam Geschichte sein. Denn der 29. Besitzer des Schlosses kennt nicht nur die Historie wie kein Zweiter, sondern streut zwischen Jahreszahlen immer wieder nette Geschichten ein.

Die Sage von Schloss Veldenz

Zum Beispiel die romantische Sage vom goldenen Ring. Dabei geht’s um die Liebe eines Mädchens und eines Veldenzer Grafen, der zu einem Kreuzzug aufgebrochen war. Mit einem Ring hatte ihr der junge Mann ewige Treue geschworen.

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Der Aussichtsturm.

Aber die Mutter des Mädchens zweifelte an den Worten des Mannes. Nach fünf Jahren Warten gab sie der Tochter den Rat, sich einen anderen zu suchen, und warf den Ring gegen den Willen des Mädchens fort. Zunächst in die Zisterne, dann in den Garten – doch er tauchte in Eimern oder an Bohnenranken immer wieder auf. Und genau in dem Moment als sie den Ring ins Feuer werfen wollte, kehrte der Grafensohn tatsächlich zurück.

So kam der Löwe ins Veldenzer Wappen

Man erfährt zudem, dass es die französischen Truppen bei der Eroberung im Juli 1680 nicht gerade schwierig hatten. Tatsächlich reichten dafür dreizehn Soldaten, denn Schloss Veldenz wurde derzeit von gerademal vier Mann verteidigt.

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Der Löwe im Veldenzer Wappen

Oder dass im Keller Geständnisse vermeintlicher Hexen erzwungen wurden. Denn auch Gerichtsverhandlungen und Folterungen gehörten zum schaurigen Alltag auf der Burg. Natürlich findet auch das Schlossgespenst beim Rundgang Erwähnung (harmlos!). 

Und wer sich schon immer über den bayrischen Löwen im Veldenzer Wappen gewundert hat, lernt, dass er seit jeher zu Veldenz gehörte. Denn im Mittelalter geriet er auf Heiratswegen in das bayrische Wappen. Und eben nicht umgekehrt.

 

Infos für den Besuch von Schloss Veldenz

Adresse: Schloss Veldenz, 54472 Veldenz, Tel. 0651 40636

Öffnungszeiten: April bis November. Besichtigen kann man Schloss Veldenz nur bei einer Führung, immer mittwochs um 14 Uhr. Preis: 5 Silberlinge, Kinder frei.

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